Offensive US-Soldaten erreichen Zentrum Falludschas


Trotz heftiger Gegenwehr der Rebellen haben sich die amerikanischen Truppen in die Stadtmitte Falludschas vorgekämpft. Die Ausgangssperre wurde auf Bagdad ausgeweitet.

Mit massiver Unterstützung der Luftwaffe sind amerikanische Truppen am zweiten Tag ihrer Offensive bis tief in die westirakische Rebellenhochburg Falludscha vorgestoßen. Am frühen Nachmittag standen sie im Zentrum der Stadt. Augenzeugen sahen Rauch über der Stadtmitte aufsteigen. "Die Gefechte dauern noch an", sagte ein Augenzeuge. Arabische Medien berichteten erstmals über zahlreiche Opfer in den Reihen der Aufständischen.

Irakische Augenzeugen sagten, sie hätten in einer Straße im Osten der Stadt mehrere getötete Soldaten und drei brennende Panzer gesehen. Die amerikanischen Truppen, an deren Seite auch irakische Nationalgardisten kämpfen, sollen die Stadt nach Angaben der Armeeführung erst wieder verlassen, wenn ganz Falludscha in den Händen der irakischen Sicherheitskräfte ist.

US-General spricht von planmäßigem Verlauf der Offensive

Der Vormarsch verlaufe planmäßig, sagte der Befehlshaber der US-Truppen im Irak, General George Casey. Trotz einer pausenlosen Bombardierung gebe es nur geringe Verluste in der Zivilbevölkerung. Seit Montag wurden nach Militärangaben 42 Rebellen und nach Klinikangaben zwölf Einwohner getötet. Zwei US-Soldaten kamen ums Leben, deren Planierraupe in den Euphrat stürzte. Mehrere hundert Häuser wurden nach Augenzeugenberichten zerstört, darunter auch eine kleinere Klinik.

An dem Einsatz in Falludscha sind nach Militärangaben zwischen 10.000 und 15.000 US-Soldaten und mehrere tausend irakische Soldaten beteiligt. Die Zahl der Rebellen wird auf etwa 3.000 geschätzt. Wie viele der 200.000 bis 300.000 Einwohner noch in Falludscha geblieben sind, ist unklar. Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Barham Saleh sagte dem britischen Rundfunksender BBC, mindestens 60 bis 70 Prozent der Einwohner hätten die Stadt verlassen.

Sunnitische Partei erklärt ihren Auszug aus der Regierung

Aus Protest gegen das Vorgehen der US-Truppen und die Unterstützung der Offensive durch die irakische Regierung erklärte am Dienstag die Irakische Islamische Partei ihren Rückzug aus dem Kabinett. Die Führung der sunnitischen Partei habe beschlossen, dass Industrieminister Hadschim al Hassani sein Amt niederlege, teilte Parteichef Mohsen Abdel Hamid am Dienstag in Bagdad mit. "Wir können uns an diesem Angriff nicht beteiligen", sagte der Politiker. Allawi hatte den Beginn der Offensive gebilligt und für weite Teile des Landes den Ausnahmezustand verhängt.

In einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan wies Allawi dessen Bedenken zurück, dass die Offensive in Falludscha die für Januar geplanten Wahlen gefährden könnte. Ein Sieg über die Rebellen in Falludscha sei der einzige Weg, um die Demokratisierung des Landes zu sichern, schrieb Allawi in einem der Nachrichtenagentur AP vorliegenden Brief. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass gewaltsame Extremisten weiterhin die breite Mehrheit der irakischen Bevölkerung terrorisierten, die in Frieden und Freiheit leben wolle.

Ausgehverbot rund um die Uhr

In Ramadi, neben Falludscha einer weiteren Hochburg des Aufstands im "sunnitischen Dreieck" nordwestlich von Bagdad, brachten US-Soldaten mit gezielten Schüssen zwei offenbar mit Sprengsätzen bestückte Autos zur Explosion. Dabei kamen am Montag sieben Rebellen ums Leben, wie die US-Streitkräfte am Dienstag mitteilten. Fünf amerikanische Marineinfanteristen wurden verletzt. Wie in Falludscha verhängte Allawi auch über Ramadi ein Ausgehverbot rund um die Uhr als Teil des Ausnahmezustands. In Bagdad wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Zivilisten dürfen ab sofort zwischen 22 Uhr und 4 Uhr nicht aus dem Haus gehen.

AP/DPA AP DPA

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