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Krieg in Syrien 22-Jähriger berichtet aus Ost-Ghouta: "Es ist schlimmer als Aleppo, es ist wie eine Mini-Hölle"

Nour Adam: "Die Straßen sind leer, alle Geschäfte sind zu, es gibt kein Essen, kein Wasser, keine Elektrizität, keine medizinische Versorgung. Und sie zielen auf die Krankenhäuser, mehr als 20 Krankenhäuser sind außer Betrieb, weil die russischen Flugzeuge sie zerbombt haben. Es ist eine furchtbare Situation."
 
Der 22-jährige Nour Adam lebt in Ost-Ghouta, einem der letzten Rebellengebiete in Syrien. Er arbeitet für das „Damascus Media Center“, eine regierungskritische Aktivistengruppe. Mit seiner Kamera ausgestattet, versucht er die Situation in der Stadt nahe Damaskus einzufangen.
 
Nour Adam: "400.000 Leute versuchen sich in den Schutzräumen zu verstecken, um sich vor den Bomben zu schützen. Aber die Kampfjets zielen auf jeden Schutzraum in Ost-Ghouta. Viele Familien, die sich dort versteckt haben, sind schon umgekommen. Von den russischen Kampfflugzeugen in der Nacht, oder von Assads Kampfflugzeugen am Morgen."
"Es ist schlimmer als in Aleppo und schlimmer als alles, was wir in den vergangenen sieben Jahren gesehen haben. Es ist wie eine Mini-Version der Hölle."
 
In der seit 2013 belagerten Stadt sind bis zu 400.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Mehr als 1000 sind laut Ärzte ohne Grenzen bereits getötet worden.
 
"Es gibt viele Krankenhäuser und Kliniken, die noch arbeiten, aber es fehlen Maschinen und Medikamente, um den Leuten zu helfen. Hier gibt es mehr als Tausend Leute, die eigentlich evakuiert werden müssten."
"Wir haben nichts hier. Wir haben nur die Bomben, die uns treffen könnten und die Kampfflugzeuge. Was ist das für ein Leben, wo es kein Essen, keinen Strom, kein Wasser gibt? Es ist eine furchtbare Situation. Jede Sekunde unseres Lebens ist schwierig, weil wir versuchen, am Leben zu bleiben."
   
Die humanitäre Situation ist dramatisch. Hilfskonvois sollen Ost-Ghouta mit Essen, Wasser und Medikamenten versorgen, doch die militärische Lage lässt geplante Lieferungen oft nicht zu.
 
„Vor drei Tagen kamen sie nach Ost-Ghouta, und auch heute warten wir auf einen Hilfskonvoi. Das Essen, was sie mitbringen, ist nicht einmal genug für sieben Prozent der Leute, die hier leben. Hier in Ost-Ghouta sind 400.000 Leute gefangen.“
 
Die Menschen fürchten um ihr Leben. Der UN-Sicherheitsrat forderte Ende Februar eine 30-tägige Waffenruhe. Doch die ist in Ost-Ghouta bisher ohne Wirkung geblieben.
 
"Meine Nachricht an alle Leute, in Deutschland, in Kanada, in den USA, überall auf der Welt: Bitte, steht uns bei! Verbündet euch mit dem UN-Sicherheitsrat und drängt ihn dazu, den Krieg zu beenden! In Ghouta und in ganz Syrien. Behandelt uns wie Menschen, nicht wie eine Nummer, wir wollen in Frieden leben und zur Schule gehen – wie jedes andere Land auch. Und in Frieden zur Arbeit gehen."
"Wir wissen nicht, wie lange wir noch am Leben bleiben. Die Welt macht nichts, und schaut nur zu."
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Der Syrer Nour Adam ist 22 Jahre alt und lebt in Ost-Ghouta, einem der letzten Rebellengebiete in dem Bürgerkriegsland. Im Skype-Interview mit dem stern erzählt er von der dramatischen humanitären Situation vor Ort - und hat eine Bitte an alle Länder.

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