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Pakistan: Geiselnehmer erhalten freies Geleit

Ein Geiseldrama ohne bitteres Ende: In einer Schule im Nordwesten Pakistans hielten sechs den Taliban nahestehende Täter bis zu 250 Kinder gefangen. Laut Unterhändler Shar Aziz hätten die Täter die Geiseln nach mehreren Stunden freigelassen und dafür freies Geleit erhalten.

Die bis zu 250 von Extremisten in Pakistan als Geiseln genommenen Schüler sind unversehrt freigelassen worden. Offiziellen Angaben zufolge hatten sich die Geiselnehmer nach Gefechten mit der Polizei in einer Schule in dem Ort Bannu verschanzt. Einer der Unterhändler bei den Verhandlungen mit den Kidnappern, der ehemalige Abgeordnete Shar Aziz, erklärte, im Gegenzug für die Freilassung hätten die Täter freies Geleit erhalten. Sie hätten den Ort mit unbekanntem Ziel verlassen. Die Polizei wollte sich zu diesen Angaben nicht äußern.

Die sieben den Taliban und al Kaida nahestehenden Geiselnehmer hatten zuvor die Schule gestürmt und bis zu 300 Kinder sowie mehrere Lehrer in ihre Gewalt gebracht. Zunächst hieß es, die Aufständischen hätten die meisten der Schüler nach Verhandlungen freigelassen, danach aber weiterhin einige Dutzend Kinder und eine unbekannte Anzahl an Lehrern festgehalten.

Die Geiselnehmer hatten neben der Leiche ihres getöteten Mittäters freies Geleit mit fünf Kindern und zehn Einheimischen gefordert in die halbautonomen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan. Sie sicherten zu, die Geiseln dort freizulassen.

Unklar, wie viele Geiseln

Aziz erklärte, die Geiselnehmer hätten gedroht, sich selbst und ihre Geiseln zu töten, sollten sie angegriffen werden. "Es war ein Zufall, dass diese Kriminellen in die Schule gelangten", sagte Musharraf auf einer Pressekonferenz in London. Widersprüchliche Angaben gab es zur Zahl der Geiseln im Schulgebäude. So erklärte Aziz, die Täter hätten 315 Kinder und zehn Lehrer in ihrer Gewalt gehabt. Polizeichef Hamza Mehsud sagte dagegen, es habe sich nur um 25 Kinder und sieben Lehrer gehandelt, die in einem Klassenraum festgehalten worden seien.

Die Extremistengruppe habe zunächst erfolglos versucht, einen Regierungsvertreter zu entführen, und sich dann in der Schule verschanzt, sagte ein Polizeisprecher. Bei einem Schusswechsel sei ein Geiselnehmer getötet worden, so der Sprecher.

Die Kinder seien nach Angaben der Polizei zwischen acht und zwölf Jahre alt. Drei Polizisten wurden demnach verletzt. Kinder seien bei dem Feuergefecht aber nicht zu Schaden gekommen.

Neue Art des Konflikts zwischen Taliban und Regierung

Die Geiselnahme von Schülern ist die erste ihrer Art in dem eskalierenden Konflikt zwischen Taliban-nahen Extremisten und der pakistanischen Regierung von Präsident Pervez Musharraf. Die gesetzlosen Stammesgebiete an der afghanischen Grenze gelten als Rückzugsgebiet von Anhängern des Terrornetzes al Kaida und der Taliban. Die Armee hat dort eine Offensive gegen Extremistenführer Baitullah Mehsud gestartet, bei der bislang Dutzende Aufständische und Soldaten getötet wurden. Mehsud wird von der Regierung neben zahlreichen anderen Anschlägen auch für den Mord an Oppositionsführerin Benazir Bhutto Ende Dezember verantwortlich gemacht. Der Extremistenführer hat das aber zurückgewiesen. Im vergangenen Jahr kamen in Pakistan durch politisch motivierte Gewalttaten mehr als 800 Menschen ums Leben.

DPA / DPA