HOME

Palästina wird Unesco-Vollmitglied: Israel reagiert mit viel Kritik

Während die Palästinenser jubeln und einen weiteren Schritt in Richtung Selbstbestimmung gemacht zu haben glauben, reagiert Israel mit scharfer Kritik. Man wolle die eigene Zusammenarbeit mit der Unesco überdenken.

Die Palästinenser haben am Montag begeistert auf die Aufnahme Palästinas als Unesco-Vollmitglied reagiert. Israel kündigte hingegen an, man wolle die Zusammenarbeit mit der UN-Organisation nach der Entscheidung neu überdenken.

Der Unabhängigkeit näher als je zuvor

Ein Berater des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas sprach von einem "Tag des Jubels". "Dies ist ein historischer Tag für die Palästinenser", sagte Sabri Saidan der Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung sei eine weitere "politische Säule" im Kampf um palästinensische Selbstbestimmung.

"Wir sind näher an der Unabhängigkeit als je zuvor", sagte Saidan. "Dies ist eine wichtige Botschaft an jene, die gegen den palästinensischen Vorstoß beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sind." Die Gegner von Abbas' Antrag auf Vollmitgliedschaft vor dem UN-Sicherheitsrat müssten ihre Position nun noch einmal überdenken, forderte der Berater.

Auch PLO-Mitglied Jassir Abed Rabbo sah die Entscheidung als "klaren Beweis dafür, dass die Mehrheit der Staaten das Recht der Palästinenser unterstützt, Mitglied der internationalen Gemeinschaft zu werden". Die Aufnahme durch Unesco sei für die Palästinenser ein "Wendepunkt".

Befürworter und Kritiker

Israel reagierte hingegen sehr kritisch auf die Entscheidung. "Israel will weitere Schritte hinsichtlich der Kooperation mit der Organisation erwägen", teilte der israelische Außenamtssprecher Jigal Palmor mit. Israel lehne die Entscheidung der Unesco ab. "Dies ist ein einseitiges palästinensisches Manöver, das keine Veränderung vor Ort bringen wird, aber die Möglichkeit einer Friedensvereinbarung in weitere Ferne rücken lässt." Fortschritte in Nahost könnten nur mit Hilfe direkter Verhandlungen beider Seiten erzielt werden.

Die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi begrüßte die Aufnahme Palästinas als Unesco-Vollmitglied hingegen begeistert. "Wir sind sehr aufgeregt und glücklich", sagte die Kulturbeauftragte Aschrawi. "Dies ist ein sehr wichtiger Sieg und ein Triumph des menschlichen Geistes gegenüber Einschüchterung und Zwang."

"Dies ist eine klare Botschaft, dass es eine deutliche Mehrheit auf der Welt gibt, die die Palästinenser nicht zum Opfer machen und sie nicht aus der Völkergemeinschaft ausschließen will", sagte Aschrawi, Mitglied des Exekutivrats der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). "Die Minderheit, die dagegen gestimmt hat, vor allem die USA, wird sich isoliert auf der falschen Seite der Gerechtigkeit wiederfinden."

kgi/DPA / DPA