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Parlamentswahlen: Libanesen kaufen Stimmen in Deutschland

Bargeld und ein Gratisflug winken in Deutschland lebenden Libanesen, wenn sie sich an der Wahl in der Heimat beteiligen. Die Parteien des Landes sind nach stern-Informationen auf Stimmenkauftour, allen voran die prowestliche Future mit Spitzenkandidat Saad al-Hariri. Es trifft sich gut für ihn, dass sein Cousin in Deutschland lebt.

In Deutschland lebende Libanesen bekommen in großem Stil Angebote, ihre Wählerstimmen für die Parlamentswahlen im Libanon am kommenden Sonntag zu verkaufen. Geboten werden ihnen 500 bis 1500 Euro plus ein kostenloser Flug zur Stimmabgabe nach Beirut, berichtet der stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Alle Parteien betrieben Stimmenkauf in Deutschland, schreibt das Magazin. Besonders rührig sei aber die prowestliche Partei Future, die insbesondere ihrem Spitzenkandidaten und Bewerber um das Präsidentenamt, Saad al-Hariri, einen beeindruckenden Sieg verschaffen möchte. Dessen Cousin Mohamad Hariri, der in Nürnberg ein Reisebüro betreibt, ist eine Schlüsselfigur des orientalischen Stimmenhandels in Deutschland.

Schon Monate vor der Wahl habe die Hariri-Partei beschlossen, allein in Hamburg und Umgebung 6000 Wählerstimmen zu gewinnen. In mehreren Bundesländern wurden für die Aktion vermögende Landsleute als Mardscha'as ernannt - als eine Art Gebietsleiter. Da es im Libanon keine Briefwahl gibt, werden die gekauften Wähler zum Teil in Sondermaschinen nach Beirut geflogen. Für Kinder von Libanesen, die in Deutschland geboren wurden, arrangierte die Future-Partei sogar das Ausstellen von Ausweisen. Helfer hatten zudem vorab geprüft, in welchen Gebieten ein knappes Ergebnis zu erwarten ist oder ein deutlicher Vorsprung von Nutzen wäre.

Insgesamt soll der Stimmenkauf Hunderte Millionen Dollar gekostet haben. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kanada, Australien, Südamerika und Westafrika, wo viele Libanesen arbeiten, waren nach stern-Informationen Werber unterwegs. Die Stimmabgabe wird am kommenden Sonntag durch Gewährsleute im Libanon kontrolliert. Die registrierten Wähler sollen dort fertig ausgefüllte Stimmzettel ausgehändigt bekommen und dann von Wahlhelfern bis an die Urne begleitet werden.

Der Stimmenkauf ist im Libanon auch im Inland weit verbreitet. Im März hatte der höchste schiitische Geistliche des Landes, Großayatollah Mohammed Hussein Fadlallah, die Unsitte verurteilt. Er erließ ein Verbot, Schmiergelder anzunehmen oder anzubieten. Diese sind im korrupten politischen Alltag des Libanon gang und gäbe. In diesem Jahr kursieren Gerüchte über den Einsatz von iranischen und saudiarabischen Petrodollars im Wahlkampf, bei dem sich die prowestliche Parlamentsmehrheit und ein von der Hisbollah geführtes Bündnis gegenüberstehen