Parteitag der Demokraten Familie Obama stellt sich Amerika vor


Auf dem Parteitag der US-Demokraten hat Barack Obamas Ehefrau Michelle eine sehr persönliche Rede gehalten, in der sie vor allem ihrer beider Herkunft aus einfachen Verhältnissen skizzierte. Anschließend wurde ihr Mann zugeschaltet, der seine Töchter fragte, wie Mama sich geschlagen habe. Konkurrent John McCain zog indes in Umfragen gleich.

Michelle Obama gilt als starke Frau, als Frau, die starke Meinungen hat - und die auch nicht zögert, diese jedem kundzutun. Genau deshalb galt die Gattin des designierten Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten auch als Risiko für den Wahlkampf ihres Mannes. Die entscheidende Frage war: Werden die Amerikaner, jenseits aller möglicherweise noch bestehenden Vorurteile gegenüber ihrer Hautfarbe, eine Frau wie Michelle Obama mögen?

"Mein Vater war ein Felsen"

Darauf gab auch die mit Spannung erwartete Rede Michelle Obamas auf dem Parteitag der US-Demokraten keine Antwort. Aber in jedem Fall hat sie in ihrer sehr persönlichen und emotionalen Rede alles getan, um sich und ihren Mann als normale, nahbare Amerikaner zu porträtieren, als Familienmenschen, als Menschen mit Wurzeln in der Arbeiterklasse, die es geschafft hätten, den amerikanischen Traum des Aufstiegs durch harte soziale Arbeit zu schaffen. Sie erzählte vor allem von ihrer Kindheit und Jugend in den ärmlichen Vierteln der South Side der Metropole Chicago. Dabei zeichnete sie ihren Vater Frasier als Vorbild. Dieser, ein Arbeiter, habe, obgleich er an Multiple Sklerose erkrankt gewesen sei, unverdrossen für seine Familie gearbeitet, habe seine Rolle als Familienversorger und Held wahrgenommen. "Mein Vater war ein Felsen", sagte Michelle Obama.

Die Rede der Gattin des designierten Spitzenkandidaten verfolgte in erster Linie das Ziel, jenen Amerikanern, die sich erst jetzt für den Wahlkampf zu interessieren beginnen, die Familie des designierten Spitzenkandidaten vorzustellen. Gleichzeitig sollte Kritik an einem allzu selbstbewussten Auftreten der Juristin und Harvard-Absolventin Michelle Obama die Spitze genommen werden.

"Der amerikanische Traum dauert an"

Bevor sie ans Podium getreten war, hatte die Parteitagsregie einen Film über Michelle Obama, eine geborene Robinson, gezeigt, der ihre Kindheit und Jugend in der South Side von Chicago skizzierte. Das rührselige Video, dessen Text Michelles Mutter sprach, konzentrierte sich ebenfalls auf ihre enge Beziehung zu ihrem 1990 verstorbenen Vater. Ihr Bruder Craig Robinson hatte seine "kleine Schwester" anschließend persönlich eingeführt.

Die 44-Jährige berichtete in ihrer Rede, wie sie Barack Obama kennen gelernt habe. Ihr sei besonders aufgefallen, sagte sie, dass er einen ähnlichen Familienhintergrund wie sie gehabt habe, dass er mit den gleichen Werten aufgewachsen sei wie sie. Man müsse hart für seine Ziele arbeiten. Aber ihrer beider Biografien stünden auch dafür, dass in den USA die Verwirklichung von Träumen noch möglich sei. "Ich weiß aus erster Hand, dass der amerikanische Traum andauert", sagte Michelle Obama.

"Er wird ein außergewöhnlicher Präsident sein"

Obama skizzierte den Mann, den sie 1992 geheiratet hatte, als einen Anwalt der einfachen Leute. Barack Obama sei als junger Jurist nicht an die "Wall Street" gegangen, um viel Geld zu verdienen, berichtete sie. Er habe sich in einem Sozialprojekt engagiert. Ihre Bewunderung gelte den hart arbeitenden Menschen, aber auch den Angehörigen der Familien der Soldaten, die jeden Abend einen leeren Stuhl an ihrem Tisch vorfänden. Michelle Obama sagte aber auch, sie bewundere den Veränderungswillen von Menschen wie Obamas Ex-Konkurrentin, Senatorin Hillary Clinton, und wie Obamas designiertem Vizepräsidentschaftgskandidaten Joe Biden. Natürlich würdigte sie auch die Eignung ihres Mannes für das höchste Amt in den USA: "Ich bin überzeugt, dass Barack ein außergewöhnlicher Präsident sein wird", rief sie den jubelnden Delegierten zu. Obama würde als Präsident dafür eintreten, den "Irakkrieg verantwortungsvoll zu beenden".

Nach dem Ende der Rede spielte die Parteitagsregie Stevie Wonders "Isn't she lovely", während die beiden Töchter Malia, 10, und Sasha, 7, auf die Bühne kamen. Überraschend wurde in diesem Moment der designierte Kandidat, Barack Obama, höchstselbst per Video aus Kansas City zugeschaltet. Er habe die Rede bei einer Familie verfolgt, berichtete er, im weißen Hemd, ohne Jackett, betont entspannt. Er scherzte mit seinen Töchtern und fragte sie, wie ihre Mutter das gemacht habe mit der Rede. Prima habe sie das gemacht, sagte eine Tochter. Der künftige Kandidat wünschte allen eine gute Nacht. Und war schon wieder weg. Die Familie Obama hatte sich an diesem Abend Amerika vorgestellt.

Kranker Kennedy rührt Delegierte

Zuvor hatte der schwer kranke Senator Edward Kennedy mit einem Auftritt beim Wahlparteitag Begeisterung und Tränen ausgelöst. Langsam sprechend und von seinem Krebsleiden sichtlich geschwächt sagte der Senator Präsidentschaftskandidat Barack Obama seine Unterstützung zu. "Barack Obama steht für den Wandel, den wir brauchen", sagte Kennedy. Nach einem Zusammenbruch war ihm im Juni ein Gehirntumor entfernt worden. Seitdem hat sich Kennedy aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Ärzte hatten Kennedy von einem Auftritt in Denver abgeraten. "Nichts, nichts konnte mich davon abhalten, zu diesem ganz speziellen Parteitag heute Abend zu kommen", sagte Kennedy. Er werde im Januar im Senat dabei sein, wenn Barack Obama "in das Präsidentenamt eingeführt wird", sagte Kennedy. Die Kandidatur Obamas sei "ein Zeichen der Hoffnung für Amerika". Was Obama anstrebe, bedeute die "Erneuerung der Nation".

Die Stimmung auf dem Parteitag wurde jedoch getrübt durch aktuelle Umfragewerte. Obamas Rivale John McCain hat zuletzt deutlich aufgeholt und liegt nun in landesweiten Umfragen erstmals gleichauf mit Obama. Noch immer weigern sich viele Anhänger der in den Vorwahlen unterlegenen Senatorin Hillary Clinton, Obama als Kandidaten der Demokraten zu akzeptieren. Nach jüngsten Umfragen wollen immer noch 30 Prozent der Clinton-Wähler den republikanischen Kandidaten John McCain wählen oder überhaupt nicht zur Wahl gehen.

fgüs

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