Peru Garcia gewinnt Präsidentenwahl


Peru hat gewählt - und "das kleinere Übel" zum Präsidenten gemacht: Statt des Linksnationalisten Ollanta Humala machte Alan Garcia das Rennen. Dieser war schon 1985 Präsident - und steuerte Peru in eine handfeste Wirtschaftskrise.

Der ehemalige peruanische Präsident Alan Garcia wird erneut Staatschef des südamerikanischen Landes. Der Mitte-links-Kandidat siegte in einer Stichwahl über den Linksnationalisten Ollanta Humala, der im ersten Wahlgang noch die meisten Stimmen erhalten hatte. Garcia kündigte an, gegen die weit verbreitete Korruption im Staatsapparat vorgehen zu wollen. Der 57-Jährige wird Nachfolger von Alejandro Toledo, der nicht mehr kandidieren durfte. In der Hauptstadt Lima gewann Garcia rund 65 Prozent der Stimmen. Humala war am erfolgreichsten in den ländlichen Gebieten der Anden. Er hatte der dortigen indianischen Bevölkerung mehr Land versprochen und wollte dazu - wie Morales in Bolivien - eine Umverteilung der Besitztümer einleiten.

Humala in Stichwahl besiegt

Nach Auszählung von knapp vier Fünftel der am Sonntag abgegebenen Stimmen kam Garcia auf 55,5 Prozent. Auf Humala entfielen 44,5 Prozent, wie die Wahlkommission mitteilte. Beobachter wiesen allerdings darauf hin, dass Garcias Vorsprung noch schrumpfen könnte, sobald die Ergebnisse aus den ländlichen Gebieten vorliegen. Dort hat Humala seine Hochburgen. Gleichwohl zweifelte niemand mehr daran, dass der 57-Jährige die Nachfolge Toledos antritt. Selbst Humala sagte bereits am Sonntagabend, er erkenne das Ergebnis an und grüße Garcia und seine Partei.

Der 43-jährige Humala sprach sich im Wahlkampf für eine radikale Umverteilung und für Einschnitte in die Marktwirtschaft aus. Vor allem der Mittelstand fürchtete einen Wahlsieg des ehemaligen Oberstleutnants, der im Wahlkampf vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez unterstützt wurde. Mit Humala als Präsidenten hätte Venezuela nach dem Wahlsieg von Evo Morales in Bolivien einen weiteren wichtigen Verbündeten in der Region gewonnen. Dies war vielen Peruanern ein Dorn im Auge. Der bekannte peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa, geißelte Humala im Wahlkampf als gefährlichen Autokraten, der die Demokratie im Lande bedrohe.

Kampf gegen Korruption angekündigt

Garcia war bereits von 1985 bis 1990 peruanischer Präsident. Mit damals knapp 36 Jahren war er der jüngste Staatschef der Region und galt zunächst als "Präsident der Hoffnung". Seine Amtszeit war jedoch gekennzeichnet vom wirtschaftlichen Niedergang des Landes mit bis zu 3.000 Prozent Inflation, ausufernder Guerilla-Gewalt und Korruptionsaffären. Im Wahlkampf versprach Garcia, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse am Sonntagabend sagte er zu tausenden Anhängern vor der Zentrale seiner Partei APRA: "Wir müssen heute Nacht über unsere früheren Irrtümer nachdenken, über all unsere Fehler."

Der "Kennedy Südamerikas" verschwand in der politischen Versenkung, und niemand hätte auch nur einen Pfennig auf "die politische Leiche" gewettet. Aber die Zeit heilt manche Wunden, und der heute 57-Jährige beteuerte im Wahlkampf immer und immer wieder, er sei nicht mehr der linke Heißsporn von damals, sondern ein geläuterter Staatsmann mit Blick für das Notwendige und das Mögliche. 21 Jahre älter und hoffentlich ein bisschen weiser, dachten sich die Wähler.

"Das kleiner Übel"

Beliebt ist der 1,90 Meter-Mann und äußerst begabte Redner aber nicht. Er habe sich damit abgefunden, von vielen seiner Landsleute nur als "das kleinere Übel" gewählt zu werden, schrieb ein Kommentator in Lima. Im Vergleich zu seinem Gegenspieler, dem autoritär-nationalistischen Ex-Militär Ollanta Humala, erschien García der Mittel- und Oberschicht jedoch eindeutig als die bessere Wahl. Deren Favoritin war eigentlich die konservative Lourdes Flores, aber die kam in der ersten Wahlrunde am 9. April nur auf Platz drei.

Alan Gabriel García Pérez wurde am 23. Mai 1949 in Lima als Sohn einer Mittelstandsfamilie geboren. Der Rechtsanwalt und Politologe kam über seinen Vater schon früh in die Politik. Als junger Mann war er einer der wichtigsten Mitarbeiter des 1979 verstorbenen Sozialrevolutionärs Victor Raul Haya de la Torre, der die Partido Aprista Peruano (PAP) 1924 im mexikanischen Exil gegründet hatte. De la Torre schickte den Nachwuchspolitiker zum Studium an die Sorbonne in Paris.

1992 Flucht ins Exil

Garcia selbst sah erst mit vier Jahren seinen Vater zum ersten Mal, der als führender "Aprista" kurz vor seiner Geburt inhaftiert worden war. Als der Vater fast 50 Jahre später starb, konnte García wegen seines autoritär regierenden Nachfolgers Alberto Fujimori nicht aus dem Exil zum Begräbnis in die Heimat. Nach einem kometenhaften Aufstieg bis zum Staatschef 1985 kam der Tiefpunkt seiner Karriere, als er sich 1992 einer Festnahme nur noch durch die Flucht über die Dächer von Lima retten konnte. Fujimori habe ihn ermorden lassen wollen, sagt García.

Neun Jahre später kehrte er aus dem Exil in Frankreich zurück und trat bei der Präsidentenwahl 2001 an. Anfangs lag er bei einem Prozent und die Gegner lachten. Am Ende unterlag er in der Stichwahl Alejandro Toledo nur knapp. Bis 2011 kann García seinen ramponierten Ruf wieder aufbessern. Denn darauf vor allem komme es dem Mann mit dem Riesen-Ego an, vermuten viele Peruaner.

AP/DPA AP DPA

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