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Terroranschlag in Kopenhagen: Polizei tötet Mann nach Schüssen vor Synagoge

Bei einer Veranstaltung sind in Kopenhagen Schüsse gefallen - ein Mensch kam ums Leben, drei wurden verletzt. Nach weiteren Schüssen auf eine Synagoge erschoss die Polizei den mutmaßlichen Täter.

Der Täter sollen von außen auf das Gebäude gefeuert haben

Der Täter sollen von außen auf das Gebäude gefeuert haben

Während einer Veranstaltung in Kopenhagen über Meinungsfreiheit und Islam sind am Samstag vor dem Gebäude dutzende Schüsse gefallen. Die dänische Polizei sprach von einem Toten sowie drei verletzten Polizisten. Bei dem getöteten Zivilisten handelt es sich um einen 40-jährigen Mann. An der Debatte nahmen unter anderen der schwedische Mohammed-Karikaturist Lars Vilks und der französische Botschafter François Zimeray teil. Der Karikaturist blieb unverletzt, er sei von Bodyguards beschützt worden. Der Angreifer ist auf der Flucht.

Nach dem blutigen Anschlag auf die #link;http://www.stern.de/politik/charlie-hebdo-90843338t.html;französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo"# in Paris, bei dem im Januar zwölf Menschen getötet worden waren, lösten die Schüsse in Kopenhagen Panik aus. Zeitweise herrscht Chaos im Umfeld des Tatortes.

Nach ersten Erkenntnissen der dänischen Polizei deutet alles auf einen Einzeltäter hin, das hätten Befragungen ergeben, berichteten die Ermittler. Der Täter soll von außen mit einer automatischen Waffe auf das Kulturzentrum gefeuert haben, in dem die Diskussion stattfand. In den Fenstern des Hauses waren zahlreiche Einschusslöcher zu sehen. Der Verdächtige soll zwischen 25 und 30 Jahre alt sein, etwa 1,85 Meter groß und von sportlicher Statur. Der Polizei zufolge handelt es sich um einen Mann arabischen Aussehens. Bei Twitter hat die Polizei Kopenhagens ein Fahndungsfoto veröffentlich: "Fahndungsfoto! Wer ist dieser Mann? Rufen Sie 114 an. Gerne RT. Danke."

"Ein Akt des Terrorismus"

Die dänische Regierung hält den Angriff für einen Terrorakt. "Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind", sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt in Kopenhagen.

Die Fahndung nach dem Täter laufe auf Hochtouren, sagte die Ministerpräsidentin. Die dänische Polizei hatte zuvor erklärt, dass an den Hauptausfallstraßen Kopenhagens Kontrollpunkte errichtet wurden. Auch die Grenzkontrollen, unter anderem nach Deutschland, seien erheblich aufgestockt worden. An der Fahndung nach dem Täter ist auch die deutsche Polizei beteiligt. Der Tätersoll den Tatort in einem dunklen VW Polo verlassen haben sollen. "Jede verfügbare Quelle wird genutzt", sagte Thorning-Schmidt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat den Anschlag auf eine Konferenz zur Meinungsfreiheit in Kopenhagen als terroristischen Akt verurteilt. "Die internationale Gemeinschaft wie die Staaten jeder für sich werden sich dieser Art von Terrorismus nicht beugen", sagte Steinmeier bei einem Besuch in Peru. "Wir stehen ein für die Freiheit und wir wollen sie für die Menschen in unseren Staaten erhalten." Zusammen mit dem peruanischen Außenminister Gonzalo Gutierrez sprach er zugleich Dänemark sein Mitgefühl aus.

"Sie haben uns von außen beschossen"

Botschafter Zimeray sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Sie haben uns von außen beschossen. Dahinter steckte dieselbe Absicht wie bei 'Charlie Hebdo' - außer, dass es ihnen nicht gelang hereinzukommen." Kugeln seien durch Türen gedrungen, alle Anwesenden hätten sich auf den Boden geworfen. Nach seiner Einschätzung wurden mindestens 50 Schüsse abgefeuert, fügte der Botschafter hinzu. Die Polizisten sprachen nach seinen Angaben sogar von 200 Schüssen.

Der französische Außenminister Laurent Fabius verurteilte den "Terrorangriff" in aller Schärfe. Der Elysée-Palast kündigte an, dass sich der Innenminister Bernard Cazeneuve an den Tatort begeben werde. Laut dänischen Medienberichten haben sich Frankreichs Präsident Francois Hollande und Dänemarks Ministerpräsident Helle Thorning-Schmidt am Telefon bereits zur Lage ausgetauscht. Zu den Rednern bei der Veranstaltung gehörte auch Vilks. Der französische Botschafter twitterte kurz nach dem Angriff, "ich bin unversehrt im Gebäude".

Die EU-Kommission hat den Terroranschlag auf die Kulturveranstaltung in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen scharf verurteilt. "Europa steht geschlossen mit Dänemark für Redefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Europa wird sich nicht einschüchtern lassen", hieß es in einer in Brüssel veröffentlichten Stellungnahme zu dem Attentat. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien."

Vilks mehrfach Ziel von Extremisten

Vilks war bereits mehrfach Ziel von Extremisten. Im Mai 2010 warfen zwei Männer Benzinflaschen durch ein Fenster in das Haus des Mohammed-Karikaturisten. 2007 war auf den Zeichner im Internet von einem Al-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar ausgesetzt worden. Der schwedische Künstler hatte eine Zeichnung mit dem Propheten Mohammed als Hund ausgestellt.

Im Januar 2014 wurde in den USA die Amerikanerin Colleen LaRose alias "Dschihad Jane" zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie nach Überzeugung des Gerichts zusammen mit islamistischen Verschwörern Vilks töten wollte. Das Mordkomplott wurde damals nicht ausgeführt. LaRose sei 2008 zwar nach Europa gereist, aber ein Treffen mit den Drahtziehern der Verschwörung kam nicht zustande, hieß es. Die Frau sei dann in die USA zurückgekehrt und später festgenommen worden.

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard (79) hat sich schockiert über den Anschlag auf die Konferenz in Kopenhagen gezeigt. "Das ist ja ganz furchtbar", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Vielleicht konnte man es erwarten nach dem, was in Paris geschah, aber es ist doch ganz nah. Mein erstes Gefühl war: Ich wurde ganz wütend." Die Mohammed-Karikaturen, die Westergaard für die Zeitung "Jyllands-Posten" zeichnete, lösten 2005 gewaltsame Proteste in der islamischen Welt aus. Mehrfach waren Westergaard und die Zeitung in den Jahren darauf Ziel von Anschlägen.

amt/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters