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Präsident Sarkozy und die Spendenaffäre Bettencourts Buchhalterin rudert zurück


Die Online-Newssite "Mediapart" hat die angebliche Schwarzgeldaffäre um Milliardärin Liliane Bettencourt und Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy ins Rollen gebracht. Doch nun rückt die Hauptbelastungszeugin offenbar von ihren Beschuldigungen ein Stück weit ab. Sie sei falsch zitiert worden.

Überraschende Wende in der Schwarzgeldaffäre um Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und die Multimilliardärin Liliane Bettencourt: Die Hauptbelastungszeugin, Bettencourts Ex-Buchhalterin Claire Thibout, bezeichnete in der jüngsten Vernehmung bei der Polizei einen Teil der ihr zugeschrieben Beschuldigungen als falsch.

"Ich habe niemals gesagt, dass Sarkozy regelmäßig Geldumschläge bekommen hat", zitierten französische Online-Medien am Donnerstag aus dem Gesprächsprotokoll. Thibout will lediglich gesagt haben, es sei "möglich", dass Sarkozy Geld bekommen habe. Richtig sei auch, dass sie gebeten wurde, in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes 150.000 Euro für den heutigen Arbeitsminister Eric Woerth zu besorgen. Dieser war damals für Sarkozys Wahlkampffinanzierung verantwortlich. Die rechtswidrige Spende - in Frankreich sind von Einzelpersonen pro Jahr nicht mehr als 7500 Euro für eine Partei erlaubt - war demnach für Sarkozys Wahlkampf gedacht. Der Präsident und Woerth haben wiederholt alle Vorwürfe als unwahr und haltlos zurückgewiesen.

"Mediapart" hatte die Affäre um illegale Parteispenden und Finanzgeschäfte der reichsten Frau Frankreichs in den vergangenen Wochen maßgeblich ins Rollen gebracht. Zuletzt berichtete das Internetmagazin über Aussagen der Buchhalterin Thibout, die auf einen Parteispendenskandal in den Reihen von Sarkozys Regierungspartei UMP schließen ließen.

UMP spricht von "faschistischen Methoden"

UMP-Chef Xavier Bertrand warf der Website "faschistische Methoden" vor, weil sie Mitschriften illegal aufgenommener Gespräche zwischen Bettencourt und deren Vermögensverwalter veröffentlicht habe. Industrieminister Christian Estrosi sagte, das Vorgehen erinnere ihn an "eine bestimmte Presse in den 1930er Jahren" - ein klarer Verweis auf rechtsextreme Zeitungen, die die politische Elite Frankreichs als bis ins Mark verdorben denunzierten.

Laut "Mediapart" hatte Thibout gesagt, dass Bettencourt und ihr mittlerweile gestorbener Mann Sarkozy seit Jahren illegal unterstützten. Schon als Sarkozy Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly war, habe er regelmäßig bei Abendessen im Hause Bettencourt seinen mit Scheinen gefüllten Umschlag abgeholt.

Viele Politiker seien damals gekommen, um Geld abzuholen, fügte die Buchhalterin nach Informationen von "lemonde.fr" hinzu. In der Villa der L'Oréal-Erbin seien damals zahlreiche hochrangige Politiker ein und aus gegangen sein, neben Sarkozy und Woerth auch der frühere Präsident Jacques Chirac, der heutige Außenminister Bernard Kouchner und Ex-Premierminister Édouard Balladur. Sie habe aber niemals beobachtet, wie ein Geldumschlag übergeben worden sei, gestand Thibout. Mediapart warf sie vor, Aussagen von ihr völlig falsch dargestellt zu haben.

Polizei wertet Kassenbücher aus

Die Polizei wertet unterdessen Bettencourts Kassenbücher aus, in denen Thibout jahrelang die Ausgaben notierte. Bei der Bank habe die Polizei nachvollziehen können, dass im März 2007 tatsächlich 50.000 Euro von Bettencourts Konto abgehoben worden seien, sagte der Anwalt der L'Oréal-Hauptaktionärin, Georges Kiejman. Dies sei aber keine große Enthüllung, "weil jede Woche an die 50.000 Euro abgehoben worden sind". Bei Bettencourts Vermögen - die 87-Jährige gehört mit geschätzten 17 Milliarden Euro zu den 20 reichsten Menschen weltweit - entspreche dies den "laufenden Ausgaben".

Sie selbst habe am 26. März 2007 50.000 Euro abgehoben, sagte die frühere Buchhalterin der Polizei; den Rest habe der Vermögensverwalter von einem Konto in der Schweiz besorgt. Bettencourts Anwalt sagte dagegen, das Geld sei für "Freunde, Ärzte, Kaufleute, einen Buchbinder" abgehoben worden, "nicht für die Herren Woerth und Sarkozy".

joe/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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