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Affäre Bettencourt Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy beim Untersuchungsrichter


Hat L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt 2007 seinen Wahlkampf mit illegalen Spenden finanziert? Dazu muss Nicolas Sarkozy sechs Monate nach seiner Abwahl aussagen, denn seine Immunität ist passé.

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist in der Korruptions- und Spendenaffäre um die 90-jährige L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt vor den Ermittlungsbehörden erschienen. In Bordeaux sollte der 57-Jährige vom Untersuchungsrichter Jean-Michel Gentil vernommen werden.

Die Ermittler gehen unter anderem dem Verdacht nach, Sarkozy könnte seinen erfolgreichen Wahlkampf 2007 illegal finanziert haben. Unklar ist, ob der im Mai abgewählte Präsident als Zeuge oder als Beschuldigter angehört werden soll. Die Ermittler hatten allerdings bereits im Sommer Büro- und Wohnräume Sarkozys durchsucht. Er bestreitet alle Vorwürfe. Sarkozy konnte bis vor kurzem nicht befragt werden, weil er als Präsident Immunität genoss.

Eine ehemalige Angestellte im Hause Bettencourt behauptet, sie sollte für eine Wahlkampfspende 150.000 Euro Bargeld organisieren. Gegen einen Vertrauten Sarkozys läuft wegen der Bettencourt-Affäre bereits seit längerem ein Anklageverfahren.

Vier Millionen Euro von Schweizer Konten

Auch nach der Wahl soll noch Geld geflossen sein. Die Ermittler in Bordeaux prüfen Zeugenaussagen sowie eine Reihe verdächtiger Bar-Abhebungen in Höhe von insgesamt vier Millionen Euro von Bettencourts Konten in der Schweiz. Diese Abhebungen erfolgten teils in zeitlicher Nähe zu Treffen mit Sarkozy-Vertrauten oder sogar Sarkozy selbst.

Sarkozy weist alle Vorwürfe strikt zurück: Es könne zwar sein, dass er die reichste Frau Frankreichs und ihren inzwischen verstorbenen Mann im Wahlkampf 2007 getroffen habe. Dies sei aber alles andere als verdächtig. Zur Bettencourt-Affäre laufen in Bordeaux bisher Ermittlungen gegen mehr als ein dutzend Verdächtige. Dabei besteht auch der Verdacht, dass einstige Vertraute Bettencourts wie ihr Vermögensverwalter die alte Dame ausnutzten, die wegen Demenz im Oktober 2011 entmündigt wurde. In Frankreich sind Parteispenden von Privatpersonen nur bis zu einer Höhe von 7500 Euro im Jahr erlaubt.

nw/DPA/AFP DPA

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