HOME

Präsidentschaftswahl im Iran: Ahmadinedschad erringt Erdrutschsieg

Mahmud Ahmadinedschad hat die Präsidentschaftswahl mit überraschend deutlichem Abstand für sich entschieden. Bereits im ersten Wahlgang erhielt der ultrakonservative Amtsinhaber die absolute Mehrheit der Stimmen und bezwang Herausforderer Mir Hussein Mussawi.

Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad hat die Präsidentschaftwahl im Iran gewonnen. Nach vom Innenministerium in Teheran am Samstagmorgen veröffentlichten Teilergebnissen liegt der im Westen umstrittene ultrakonservative Politiker uneinholbar in Führung. Danach erhielt Ahmadinedschad 65 Prozent der Stimmen. Für seinen reformorientierten Herausforderer, den früheren Ministerpräsident Mir Hussein Mussawi, stimmten demnach 31 Prozent der Wähler. Mussawi hatte der Regierung bereits vor Schließung der Wahllokale Manipulationen vorgeworfen und den Sieg für sich reklamiert.

18 Millionen Stimmen für den Amtsinhaber

Obwohl die Auszählung noch nicht beendet war, konnte sich Ahmadinedschad nach offiziellen Angaben bereits mit 18 Millionen Stimmen die absolute Mehrheit sichern, die für eine Wahl im ersten Durchgang nötig ist. Auf Mussawi entfielen neun Millionen Stimmen. Die anderen beiden Bewerber, der frühere Parlamentspräsident Mehdi Karrubi sowie der konservative Ahmadinedschad-Kritiker Mohsen Rezai, wurden überraschend weit abgeschlagen und kamen über zwei Prozent der Stimmen nicht hinaus.

Für den Westen ist der Sieg Ahmadinedschads keine gute Nachricht. Die Regierungen in Washington und den europäischen Hauptstädten hatten auf einen Erfolg Mussawis gehofft. Dieser hätte zwar im Streit um das iranische Atomprogramm inhaltlich kaum eine andere Politik verfolgt als Ahmadinedschad, aber er hätte vermutlich einen deutlich moderateren Ton angeschlagen. Ahmadinedschad hatte in der Vergangenheit immer wieder den Holocaust geleugnet und die Zerstörung Israels gefordert. Im Streit um Irans Atomprogramm pocht Ahmadinedschad auf Teherans Recht zur friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die Europäische Union und die USA verdächtigen den Iran dagegen, an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten.

Spannend wird nun sein, wie Ahmadinedschad nach seiner Wiederwahl mit dem Dialog-Angebot von US-Präsident Barack Obama umgeht. Dieser hatte Verhandlungen ohne Vorbedingungen offeriert, aber an Sanktionen gegen Teheran festgehalten. Die Regierung Ahmadinedschads hatte bisher zurückhaltend auf dieses Angebot reagiert. Noch am Freitag war US-Verteidigungsminister Robert Gates dem Iran vor, die Taliban in Afghanistan zu unterstützen.

Anhänger Ahmadinedschads feierten den Sieg ihres des 52-Jährigen in der Nacht bereits in den Straßen von Teheran. Nach Angaben des Innenministeriums lag die Wahlbeteiligung bei knapp 80 Prozent, das sei der höchste Wert in der iranischen Geschichte. Vor der Wahl war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ahmadinedschad und Mussawi erwartet worden. Mussawi stand im Wahlkampf für einen Neuanfang - nicht zuletzt im schlechten Verhältnis zu den USA. Mehrmals war auch seine Ehefrau öffentlich aufgetreten. Damit hatte Mussawi im streng islamischen Iran vor allem bei den reformorientierten Frauen gepunktet.

Mussawi beklagt Ablauf der Wahl

Auf einer Pressekonferenz kurz vor Schließung der Wahllokale hatte Mussawi der Regierung Wahlbetrug vorgeworfen. "Ich bin der eindeutige Gewinner der Wahl und der rechtmäßige Präsident des Volkes", sagte Mussawi. "Ich habe nichts als die Unterstützung des Volkes, aber mit dieser Unterstützung werde ich bis zum Ende gehen." Schon zuvor hatte er beklagt, dass der Mobilfunkverkehr nicht funktionierte. Vor allem seine zahlreichen Anhänger aus jüngeren Wählerschichten hatten sich über Textnachrichten verständigt. Auch seien seinen Mitarbeitern Kontrollen der Wahlbüros verwehrt worden, sagte er. Das Kommunikationsministerium räumte technische Probleme ein.

Im Wahlkampf hatten die reformorientierten Kräfte Ahmadinedschad vorgeworfen, das Land durch seine kompromisslose Linie international isoliert und die Wirtschaft ruiniert zu haben. Der Präsident setzte dagegen, er habe dem Land "seinen Stolz und seine Würde" zurückgeben. Die internationale Gemeinschaft verdächtigt die Islamische Republik seit langem, heimlich am Bau der Atombombe zu arbeiten. Der Westen hat deswegen mehrfach Sanktionen gegen den Iran durchgesetzt.

Nach Angaben des Innenministeriums gingen rund 35 Millionen der 46 Millionen Stimmberechtigten zur Wahl. Wegen des großen Andrangs waren die Öffnungszeiten der Wahllokale mehrfach verlängert worden. In vielen Wahllokalen gingen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA schon am Mittag die Stimmzettel aus.

AP/DPA / AP / DPA