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Charlottesville "Trump ist auch nach innen ein Sicherheitsrisiko"

Nach Charlottesville: Präsident Donald Trump wird als Puppe durch die Straßen getragen
Nach Charlottesville: Präsident Donald Trump und Vize-Präsident Mike Pence werden bei einer Demonstration gegen die Alt-Right-Bewegung in Chicago als Puppen durch die Straße getragen
© Scott Olson/AFP
Donald Trump verurteile alle Formen der Gewalt und des Hasses, erklärte das Weiße Haus. Das gelte auch für Neonazis und den Ku Klux Klan. Für viele kam diese Klarstellung nach Charlottesville zu spät. Das Urteil der Presse war eindeutig.

"The New York Times": Eine Handvoll republikanischer Kongressabgeordneter verurteilten den Hass in Charlottesville und in unserer Politik. Senator Cory Gardner aus Colorado sagte über die weißen Suprematisten: "Wir wollen sie nicht in unserer Basis, diese Menschen sollten in keiner Basis sein, wir sollten sie nicht Teil einer Basis nennen." Aber Herr Trump tut das - und in seiner Verzweiflung seine scheiternde Präsidentschaft zu retten, hat er sich wieder an sie geklammert.

"Die Welt": Charlottesville war ein Fall von Neonazi-Terrorismus. Das auszusprechen fällt der Regierung Trump schwer. Der Justizminister dient einem Präsidenten, dessen Berater rechtsextremen Gruppen manchmal viel zu nahe stehen. Hoffentlich ändert der Anschlag etwas daran.

"Der Tagesspiegel": Rechte Extremisten wie Anhänger des Ku-Klux-Klans jubeln prompt, sie seien in Trumps Auftrag unterwegs. Neonazis verkünden im Netz: 'Er hat uns nicht attackiert.' Und: 'Wir befinden uns jetzt im Krieg.Und wir werden keinen Rückzieher machen.' Der frühere Chef des Ku-Klux-Klans behauptet, seine Leute würden Trumps Versprechen erfüllen, "unser Land" zurückzuholen. Deren unverhohlene Drohung mit Gewalt darf Trump nicht aus Angst vor rechten Wählern ignorieren. Die Rechte bemächtigt sich gerade seiner. Ein solcher Krieg im Inneren würde Amerika zerreißen.

"Hannoversche Allgemeine Zeitung": Terroristen, egal ob sie Islamisten sind oder Neonazis, haben eine ideologische Schnittmenge. Beide glauben an ihre eigene Überlegenheit, beide sprechen anderen Menschen die Gleichwertigkeit ab. Ein US-Präsident müsste jetzt eigentlich aufklären, diese Dinge bloßlegen. Trump aber verkleistert alles und spricht wolkig von Fehlverhalten "auf vielen Seiten". In Wahrheit beginnt gerade Amerikas neuer Albtraum: ein Terror der Abgehängten und Aufgehetzten gegen Minderheiten. Dabei hilft eine Stimmung, zu der Trump durch viele Hassreden selbst beitrug. Wer als Europäer immer nur über Trumps üble Rolle in der Weltpolitik klagt, wird diesem Präsidenten nicht gerecht: Der Mann ist auch nach innen ein Sicherheitsrisiko.

"Der Standard" (Österreich): Ausgerechnet bezüglich der Vorfälle in Charlottesville hielt sich der US-Präsident lange Stunden zurück. Und auch dann meldete er sich nicht mit der nötigen Umsicht und Autorität seines Amtes zu Wort, mit einer strengen, mutigen, unmissverständlichen Verurteilung der rechtsextremen Gewalt. Nein: Er lavierte herum, verharmloste und vernebelte, indem er von 'Hass, Fanatismus und Gewalt auf vielen ­Seiten' sprach. Das ist nicht nur eine Verdrehung von Tatsachen, wie sie bei ihm immer wieder vorkommt, sondern zeigt auch: Der US-Präsident traut sich nicht, sich vom rechten Rand abzugrenzen. Das wäre aber dringend nötig - nicht zuletzt, um die immer stärker sichtbaren Gräben in der US-Gesellschaft nicht noch weiter aufzureißen.

"Saarbrücker Zeitung": Der Wahlkämpfer Trump hat sich nie die Mühe gemacht (. . .) eindeutig auf Distanz zu den Rechtsextremen zu gehen. Auch wenn sie nicht den Kern seiner Anhängerschaft bildeten, ein Faktor, von dem er zu zehren versuchte, waren sie allemal. Ohne moralische Hemmschwellen zu kennen, hat er versucht, sich ihre Ressentiments zunutze zu machen.
In aller Regel so vage, dass er seine Hände in Unschuld waschen konnte, sobald Kritik laut wurde. Mehr noch, mit Steve Bannon hat er einen Ideologen aus dem Dunstkreis der Alt-Right-Bewegung in seinen Führungszirkel geholt. Umso schwerer tut er sich, sich vom rechten Rand der Gesellschaft abzugrenzen. (. . .) Der Präsident Trump hat es versäumt, den Rattenfängern klipp und klar zu widersprechen. Was für eine verpasste Chance! Was für eine Peinlichkeit!

"Spiegel Online": Nationalsozialistische Splittergruppen gibt es in den USA seit Langem, sie sind gesellschaftlich und politisch isoliert, ihre Zustimmung bewegt sich im Promillebereich. Doch die Brandmauer beginnt zu bröckeln, wenn sie mit neuen smarten Vertretern der "Alt Right" gemeinsame Sache machen und sich der Präsident der Vereinigten Staaten von offenem Rechtsextremismus nicht distanzieren will.

Helfer transportieren eine Frau ab, die verletzt wurde, als ein Auto in Charlottesville in eine Menschenmenge fuhr
pg DPA AFP

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