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PROTESTE: Generalstreik legt Italien lahm

Der größte Generalstreik seit 20 Jahren richtet sich nicht nur gegen neue Arbeitsgesetze, sondern auch gegen die italienische Regierung unter Berlusconi.

Aufweichung des Kündigungsschutzes

Ein achtstündiger Generalstreik hat am Dienstag Italien weitgehend lahm gelegt. Die Gewerkschaften wollten damit gegen die Regierungspläne zur Aufweichung des Kündigungsschutzes protestieren. Es handelte sich um den ersten derartigen Streik seit 20 Jahren. Vor allem ab 9.00 Uhr Morgens führte der Ausstand zum Ausfall der meisten Züge, Schiffsverbindungen, öffentlichen Verkehrsmittel und Flüge. Die italienische Fluggesellschaft Alitalia hatte drei Viertel ihrer Verbindungen gestrichen.

Enorme Zahl von Demonstrierenden

Gewerkschaftssprecher bezeichneten den Streik als vollen Erfolg. In manchen Regionen habe die Beteiligung fast 100 Prozent erreicht. Die Gesamtzahl der Streikenden wurde mit rund 20 Millionen angegeben. Sie müssen für ihren Protest Gehaltseinbußen hinnehmen. Die größten Kundgebungen mit mehreren hunderttausend Teilnehmern fanden in Rom, Mailand, Turin, Bologna und Neapel statt. Sergio Cofferati, Chef der größten italienischen Gewerkschaft CIGL, sprach in Florenz zu hunderttausenden Demonstranten.

Totaler Ausfall des öffentlichen Lebens

Der Ausstand betraf auch das Gesundheitswesen. In den Krankenhäusern wollten Ärzte nur Notfälle behandeln. Schulen, Universitäten, Banken, Postämter, Fabriken und die meisten Supermärkte blieben geschlossen. Auch viele Journalisten waren in den Ausstand getreten; so erschienen am Dienstag keine Tageszeitungen; Fernsehen und Radio sendeten nur Kurznachrichten, die von einem anonymen Sprecher verlesen wurden. Selbst Kinos und Theater waren von dem Streik betroffen. Lediglich einige kleinere Geschäfte blieben für die wichtigsten Einkäufe geöffnet.