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Proteste in Libyen und Bahrain: Gaddafi lässt auf Demonstranten feuern

Der Aufruhr greift weiter um sich. Der libysche Diktator Gaddafi ließ Demonstranten mit Wasserwerfern und Gummimunition beschießen. In Bahrain gab es bei Protesten sogar Tote.

Nach den Volksaufständen in Tunesien und Ägypten regt sich nun auch in Libyen Protest. In der Stadt Bengasi, wo viele Gegner von Staatschef Muammar Gaddafi leben, wurden bei Zusammenstößen zwischen Anti-Regierungs-Demonstranten, Polizisten und Gaddafi-Anhängern in der Nacht zum Mittwoch 14 Menschen verletzt. Das berichtete die Zeitung "Qurina", die von Gaddafis Sohn Seif al-Islam gegründet worden war. Die Demonstranten wurden in dem Artikel als "Saboteure" bezeichnet.

Im Internet wurden gleichzeitig Amateurvideos veröffentlicht, auf denen im Dunkeln Hunderte von Männern und Frauen zu sehen sind, die rufen: "Das Volk will den Sturz des Regimes und "Gaddafi, raus, raus!". Aus regierungsnahen Kreisen hieß es, bei den Demonstranten habe es sich um "15 junge Menschen" gehandelt.

Opposition ruft zu weiteren Demonstrationen auf

Die oppositionelle libysche Internet-Zeitung "Libya Al-Youm", die ihre Redaktion in London hat, schrieb, die Polizei habe Wasserwerfer eingesetzt, um die Demonstranten zu vertreiben. Es seien auch Steine geflogen, als sich Mitglieder der sogenannten Revolutionskomitees den Demonstranten entgegengestellt hätten. Der britische Rundfunksender BBC berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, die Polizei habe Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen die Demonstranten eingesetzt.

Im sozialen Netzwerk Facebook gibt es einen Aufruf zu Großdemonstrationen in allen libyschen Städten an diesem Donnerstag. Die Kundgebungen sollen an die Ereignisse des 17. Februar 2006 erinnern. Damals war eine Demonstration gegen die Mohammed-Karikaturen in Bengasi in eine Protestaktion gegen die libysche Führung ausgeartet. Es gab Tote und Verletzte.

Regime reagiert mit Propaganda-Kundgebungen

Hintergrund des Protests war nach Angaben der Internet-Nachrichtenseite El Manara die Festnahme eines Anwalts, dessen Freilassung die Demonstranten forderten. Der Internetseite Kurina zufolge wurde er auf Druck des Protests auf freien Fuß gesetzt, die Menge der Demonstranten wuchs aber dennoch immer weiter an. Die Demonstranten riefen demnach Parolen wie "Das Volk wird die Korruption beenden" und "Benghasi wach auf, dies ist der Tag, auf den du gewartet hast".
Nach der Auflösung der Demonstration versammelten sich in Benghasi, Tripolis und weiteren Städten hunderte Anhänger von Staatschef Muammar el Gaddafi. Das libysche Fernsehen übertrug am frühen Morgen live, wie sie Fahnen und Fotos von Gaddafi schwenkten und den Revolutionsführer priesen.

USA besorgt über Lage in Bahrain

Derweil sorgt die unruhige Lage im arabischen Inselstaat Bahrain für Besorgnis. Zahlreiche schiitische Demonstranten schlugen in Bahrains Hauptstadt Manama Zelte auf, um ihrer Forderung nach einer Ablösung der Regierung Nachdruck zu verleihen. Für Mittwoch wurde mit neuen, von den Volksaufständen in Tunesien und Ägypten inspirierten Protesten gerechnet. Am Dienstag war es während der Beerdigung eines am Tag davor bei Zusammenstößen von Demonstranten und Sicherheitskräften getöteten 22-Jährigen zu neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Dabei wurde ein Mann erschossen.

Die USA haben sich beunruhigt über die Gewalt bei den Protesten in Bahrain geäußert. Die Vereinigten Staaten seien deswegen "sehr besorgt", erklärte der Sprecher des Außenministeriums in Washington, P.J. Crowley, am Dienstag. Er rief "alle Seiten auf, sich zurückzuhalten und Gewalt zu unterlassen." Crowley fügte hinzu, die USA hätten eine Bestätigung erhalten, wonach zwei Demonstranten getötet worden seien. Er rief die Regierung des Golfstaats auf, wie von ihr versprochen die Fälle zu untersuchen und "gegen jeglichen ungerechtfertigten Einsatz von Gewalt seitens der Sicherheitskräfte Bahrains" vorzugehen.

Bahrain ist ein Saudi-Arabien vorgelagerter Inselstaat, der von einer sunnitischen Oberschicht regiert wird. Die Mehrheit der Bevölkerung ist aber schiitisch.

seh mit AFP/DPA / DPA