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Provokation aus Pjöngjang: Nordkoreas Raketenstart erzürnt die Welt

US-Präsident Barack Obama sprach von einem "provokativen Akt", der Weltsicherheitsrat ist alarmiert: Nordkorea hat mit dem Abschuss einer Rakete weltweit für Empörung gesorgt - dabei ist der angeblich erfolgreiche Satellitenstart offenbar missglückt.

Trotz internationaler Warnungen hat Nordkorea wie angekündigt am Sonntag eine Rakete gestartet und damit bei den USA und seinen Bündnispartnern in der Region scharfe Kritik ausgelöst. Nach Nordkoreas eigenen Angaben brachte die Rakete "erfolgreich" einen Satelliten in die Erdumlaufbahn, wie die staatlich kontrollierte Nachrichtenagentur KCNA etwa vier Stunden nach dem Raketenstart an der Ostküste meldete.

Doch die US-Streitkräfte widersprechen: Es sei kein Objekt in die Erdumlaufbahn eingetreten. Die erste Stufe der Rakete sei ins japanische Meer und die restlichen Stufen mit der Traglast in den Pazifik gestürzt. Es seien keine Trümmer auf Japan niedergegangen. Auch der südkoreanische Verteidigungsminister Lee Sang Hee sagte vor Abgeordneten in Seoul, es seien vermutlich alle drei Stufen der Rakete ins Meer gestürzt.

KCNA hatte zuvor berichtet, Wissenschaftler und Techniker des Landes hätten damit Erfolg gehabt, den Fernmeldesatelliten Kwangmyongsong-2 ("Helles Licht") mit einer mehrstufigen Trägerrakete vom Typ Unha-2 in den Orbit zu schicken. "Der Satellit funktioniert normal auf seiner Umlaufbahn" und sende derzeit neben Messdaten Melodien revolutionärer Lieder über Ex-Staatschef Kim Il Sung und seinen Sohn und jetzigen Machthaber Kim Jong Il zur Erde. Der Raketenstart sei um 11.20 Uhr (4.20 MESZ) erfolgt. Der Satellit sei neun Minuten und zwei Sekunden später in den Orbit eingetreten.

Die USA, Südkorea und Japan verurteilten den Raketenstart als Provokation. Aus ihrer Sicht will Nordkorea unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts die Technologie für eine militärische Langstreckenrakete erproben. Japan forderte unverzüglich den Weltsicherheitsrat auf, eine Dringlichkeitssitzung einzuberufen. Japans Außenminister Hirofumi Nakasone einigte sich mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton darauf, dass der UN-Sicherheitsrat eine starke Botschaft abgeben müsse, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Nordkorea hatte zuvor mit dem sofortigen Ausstieg aus den Verhandlungen über ein Ende seines Atomwaffenprogramms gedroht, sollte der Weltsicherheitsrat seinen "friedlichen Satellitenstart" kritisieren.

Der Sicherheitsrat wollte noch am Sonntagnachmittag (Ortszeit) zu einer Sondersitzung zusammenkommen, berichtete der US-Fernsehsender CNN. Der Rat hatte nach einem nordkoreanischen Atomtest im Oktober 2006 das kommunistische Land aufgerufen, keine Nuklearversuche und Tests mit ballistischen Raketen mehr zu unternehmen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Nordkorea auf, sich an alle Resolutionen des Rates zu halten.

Auch US-Präsident Barack Obama warf Nordkorea vor, gegen die Resolution 1718 des UN-Sicherheitsrates verstoßen zu haben, die Nordkorea jede Aktivität mit ballistischen Raketen ausdrücklich untersage. In einer Erklärung des Weißen Hauses aus Prag, wo sich Obama zurzeit aufhält, heißt es: "Mit diesem provokativen Akt hat Nordkorea seine internationalen Verpflichtungen missachtet und unmissverständliche Aufrufe zur Zurückhaltung ignoriert und sich weiter von der Gemeinschaft der Völker isoliert".

Die südkoreanischen Streitkräfte verstärkten unterdessen ihre Überwachung an der innerkoreanischen Grenze, um gegen mögliche Provokationen des Gegners gewappnet zu sein, wie das Verteidigungsministerium in Seoul mitteilte. Die Rakete war über Japan hinweg Richtung Pazifik geflogen. Die erste Raketenstufe sei im japanischen Meer und die zweite in den Pazifik gestürzt, berichteten japanische Medien. Nach ersten südkoreanischen Informationen war tatsächlich ein Satellit an Bord der Rakete.

Langstreckenrakete könnte USA treffen

Nordkorea hatte angekündigt, eine Rakete vom Typ Unha-2 zum Transport des Satelliten zu verwenden. Nach Expertenangaben ähnelt dieser Raketentyp der militärischen Langstreckenrakete Taepodong-2, die theoretisch die Vereinigten Staaten erreichen könnte. Nach einer Reihe von Raketentests im Juli 2006 und dann noch einmal nach einem Atomtest im selben Jahr in Nordkorea hatte der Weltsicherheitsrat das kommunistische Regime in Pjöngjang in zwei Resolutionen aufgerufen, sein ballistisches Raketenprogramm einzustellen.

Zusammen mit Japan und den USA hatte Südkorea gewarnt, den neuen Raketenstart zur Diskussion über eine Resolution oder gar Sanktionen vor den Weltsicherheitsrat zu bringen. Die drei Länder hatten Kriegsschiffe mit dem Aegis-Radar- und Raketenabwehrsystem ins Japanische Meer verlegt, um den Raketenstart zu verfolgen. Auch Russland hatte wegen des angekündigten Starts seine Luftwaffe in Kampfbereitschaft versetzt.

DPA/AP / AP / DPA