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Rebellinnen gegen Putin vor Gericht: Russlands Premier Medwedew verteidigt Pussy-Riot-Prozess

Der Band Pussy Riot drohen wegen ihres Protestes gegen Machthaber Putin mehrere Jahre Lager. Premier Medwedew hat zum Prozessauftakt eingeräumt, dass es um individuelle Freiheit in Russland geht.

Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei hat in Moskau der Prozess gegen die kremlkritische Punkband Pussy Riot wegen eines spektakulären Protestgebets gegen Kremlchef Wladimir Putin begonnen. Die drei wegen Rowdytums angeklagten Frauen beantragten zum Auftakt am Montag mehr Zeit, um sich mit den 3000 Seiten Ermittlungsakten vertraut zu machen.

Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew hat das Vorgehen der Justiz verteidigt. In einigen anderen Ländern müssten die Frauen mit deutlich höheren Strafen rechnen als in Russland, sagte Medwedew in einem Interview der britischen Zeitung "The Times". "Dabei reden wir noch nicht davon, dass unter bestimmten politischen Bedingungen eine solche Tat hätte ziemlich traurig ausgehen können", sagte der Ex-Kremlchef dem von der Regierung veröffentlichten Redetext zufolge. Der Prozess werde klären, ob ein Verbrechen vorliege oder nicht, sagte er. Medwedew räumte in dem Interview ein, dass der Fall Aufmerksamkeit errege, "weil er an unserem Verständnis von Rechten und individueller Freiheit rührt".

Die Musikerinnen hatten im Februar in der Erlöserkathedrale des russisch-orthodoxen Christentums in Moskau dafür gebetet, dass Russland von Putin erlöst werden möge. Dabei habe es sich um einen Protest gegen die zunehmend autoritären Tendenzen im Land gehandelt, hieß es in einer vor Gericht verlesenen Erklärung der seit fast fünf Monaten inhaftierten Frauen. Pussy Riot sei eine politische Band, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nutze. Es sei nicht Ziel gewesen, religiöse Gefühle zu verletzten, las Verteidigerin Violetta Wolkowa vor.

Ministerium überträgt Prozess live im Internet

Der aufsehenerregende Prozess, in dessen Vorfeld auch mehrere Unterstützer der Künstlerinnen festgenommen wurden, wird vom Justizministerium zudem live im Internet übertragen. Menschenrechtler kritisieren das Verfahren als politischen "Schauprozess" zur Einschüchterung der Opposition. Die drei Frauen saßen im Verhandlungssaal des Chamowniki-Gerichts in einem Kasten aus Plexiglas.

Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Maria Aljochina (24) - beide sind Mütter - sowie Jekaterina Samuzewitsch (29) sind angeklagt, an den Grundfesten der russisch-orthodoxen Kirche gerüttelt zu haben. Auch Putin hatte die Aktion nach seiner Wiederwahl im März scharf kritisiert. Die Frauen sind von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International als politische Gefangene anerkannt.

Unterstützer riefen vor dem Gebäude "Freiheit für Pussy Riot". "Das ist politische Vergeltung und Rache", sagte der frühere Vizeregierungschef und Regierungskritiker Boris Nemzow. Auch die Verteidigung hatte die Anklage als absurd bezeichnet.

jar/DPA / DPA