Regionalwahlen Schlappe für Berlusconi


Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat bei den Regionalwahlen eine herbe Niederlage hinnehmen müssen. Die Mitte-Rechts-Koalition geht aus der Wahl geschwächt hervor, Berlusconi sieht aber keinen Grund für einen Rücktritt.

Sind die Regionalwahlen in Italien der Anfang vom Ende der Regentschaft Berlusconis? Nach ersten offiziellen Ergebnissen verlor Berlusconis Mitte-Rechts-Koalition sechs Regionen an das Mitte-Links-Bündnis des früheren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi. Von den 13 Regionen, in denen gewählt wurde, gingen demnach lediglich zwei an Berlusconis Koalition. Die Wahlen gelten als Stimmungstest für die italienischen Parlamentswahlen im kommenden Jahr. In mindestens acht Regionen gewann die Mitte-Links-Opposition. Auch in der Hauptstadtregion Latium zeichnete sich ein Sieg der Linken ab. In zwei Regionen war das Rennen noch offen. Bislang hatte die Regierungskoalition in acht der 13 Regionen, in denen gewählt wurde, eine Mehrheit. Insgesamt gibt es in Italien 20 Regionen.

Prodi schielt auf Berlusconis Posten

"Mit diesem Ergebnis fordern uns die Italiener auf, die Regierung zu übernehmen und das Land voran zu bringen", sagte Prodi, der vor der Wahl erklärt hatte, er werde es bereits als Erfolg werten, wenn sein Bündnis nur ein zusätzliches Mandat erringen werde. Prodi will Berlusconi als Ministerpräsidenten ablösen. Sein Bündnis stellt nun in 15 der insgesamt 20 italienischen Regionen die stärkste Fraktion.

Die Mitte-Rechts-Koalition konnte sich nach ersten Ergebnissen lediglich in der Lombardei und im Veneto behaupten. Dabei handelt es sich um Hochburgen Berlusconis. Berlusconi äußerte sich zunächst nicht zum Wahlergebnis. Außenminister Gianfranco Fini, Vorsitzender der rechtsgerichteten Nationalen Allianz bezeichnete die Wahl jedoch als schlechtes Zeichen für die bevorstehenden Wahlen: "Wir brauchen eine Menge Demut und viel Ernsthaftigkeit - nur dann kann das Ergebnis im Jahr 2006 noch zu Gunsten von Mitte-Rechts ausfallen. Die Regierung ist politisch geschwächt, aber das heißt nicht, dass wir zurücktreten."

Außenminister Gianfranco Fini hat eingeräumt, die Wähler seien offenbar unzufrieden. Nach vorläufigen Ergebnissen sind der Regierungskoalition nur zwei der 13 Regionen, in denen gewählt wurde, sicher. Berlusconi hatte bereits vor den Wahlen einen Rücktritt ausgeschlossen.

Überschattet wurden die Regionalwahlen vom Tod von Papst Johannes Paul II. am Samstag. Trotzdem war die Wahlbeteiligung mit 71,4 Prozent relativ hoch. Sie lag lediglich 1,7 Prozentpunkte unter der Beteiligung der vorigen Regionalwahl.

Reuters/AP AP Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker