Ronald Reagan Symbolfigur der amerikanischen Konservativen


Ronald Reagan war der letzte US-Präsident in der Ära des Kalten Krieges. Der ehemalige Schauspieler, der am Lebensende an der Alzheimer Krankheit litt, galt als "großer Kommunikator".

Die Stimme des einst als "großer Kommunikator" gerühmten 40. US-Präsidenten und ehemaligen Filmschauspielers verstummte schon lange vor seinem Tod. Ronald Reagan litt seit zehn Jahren an der Alzheimer-Krankheit und zog sich deshalb gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück. Als Symbolfigur der amerikanischen Konservativen aber prägte Reagan eine Ära, die Schlussphase des Kalten Krieges.

Mit Wehmut blicken noch heute viele Amerikaner auf die Präsidentschaft des republikanischen Politikers von 1981 bis 1989 zurück. Er verstand es, dem Präsidentenamt, das unter Richard Nixon und der Watergate-Affäre stark gelitten hat, wieder Glanz zu verleihen. Außerdem gab er mit seiner Politik der Stärke nach dem Vietnamkrieg und der Demütigung durch die Geiselnahme amerikanischer Diplomaten in Iran während der Amtszeit seines Vorgängers Jimmy Carter den Amerikanern die Selbstachtung zurück.

Abrüstungerfolg mit Gorbatschow

Zu den außenpolitischen Erfolgen von Reagans Amtszeit zählt zweifellos der Abschluss des Vertrags mit der Sowjetunion über die Vernichtung der landgestützten atomaren Mittelstreckenraketen (INF). Damit gelang erstmals die Abschaffung einer ganzen Kategorie von Atomwaffen. Zugleich wurde der jahrelange Streit um neue Mittelstreckenraketen der NATO beendet. Das Abkommen wurde im Dezember 1987 in Washington von Reagan und dem sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow besiegelt. Es war Ausdruck einer dramatischen Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Supermächten und - wie sich später erweisen sollte - ein erster Schritt zur Beendigung des Kalten Krieges.

Mit der Annäherung an die Sowjetunion hatte Reagan Anhänger und Kritiker gleichermaßen überrascht. Noch in den ersten Jahren seiner Amtszeit war für ihn die UdSSR das „Reich des Bösen“ gewesen. Und am Ende seiner Amtszeit spazierte er mit Gorbatschow in Moskau über den Roten Platz. Vier Mal traf er mit dem Kremlchef zusammen, der 1985 an die Macht kam und innerhalb weniger Jahre die Welt veränderte. Wie jeder seiner Vorgänger seit John F. Kennedy besuchte auch Reagan das damals noch geteilte Berlin. In einer Rede vor dem Brandenburger Tor rief er am 12. Juni 1987 in Westberlin aus: „Herr Gorbatschow, reißen Sie die Mauer nieder!“ - Zweieinhalb Jahre später fiel die Mauer.

Zuvor gewaltig aufgerüstet

Reagan setzte von Anfang an auf die Wiedererstarkung der USA als Führungsmacht in der Welt. Sein erklärtes Ziel war es, von einer Position der militärischen Stärke aus mit Moskau zu verhandeln. Dazu leitete er die gewaltigste Aufrüstung der USA in Friedenszeiten ein. Es ging der Satz um, er wolle die Sowjetunion totrüsten. Nach Ansicht mancher Historiker ist das Auseinanderbrechen des sowjetischen Imperiums zumindest teilweise das Ergebnis von Reagans Politik.

Die gewaltigen Summen, die Reagan für Rüstungsprojekte ausgab, belasteten allerdings auch den Staatshaushalt. Sie sind mit ein Grund für das enorme Haushaltsdefizit, das der Präsident seinen Nachfolgern hinterließ und das erst ein Jahrzehnt später abgebaut werden konnte. Reagans Wirtschaftspolitik, die als „Reaganomics“ zum Begriff wurde, verstärkte die Kluft zwischen Arm und Reich. Kernpunkt dieser Politik waren drastische Einsparungen im Sozialbereich und gleichzeitige Steuersenkungen zur Belebung der Wirtschaft.

Zum Film kam Reagan 1937

Der am 6. Februar 1911 in der Kleinstadt Tampico in Illinois als Sohn eines Schuhverkäufers geborene Reagan ging erst spät in die Politik. Anfang der 30er Jahre begann er beim Radio als Sportreporter und Redner bei Werbeveranstaltungen. Durch seine Überzeugungskraft erwarb er sich damals den Ruf als "großer Kommunikator", ein Talent, das ihm später in der Politik zugute kam. Zum Film kam Reagan 1937. Die meisten seiner 53 Filme waren sogenannte B-Pictures: Für die Kinos in der Nebenstraße gedacht und am Fließband produziert.

Die politische Karriere begann Anfang der 60er Jahre. Zunächst eher bei den Demokraten beheimatet, schwenkte er in den 50er Jahren nach rechts und trat 1962 der Republikanischen Partei bei, wo Reagan bald als rechter Flügelmann galt und Senator Barry Goldwater als konservative Symbolfigur der Partei ablöste. Von 1967 bis 1975 war er Gouverneur von Kalifornien. Bei der Wahl 1980 schaffte Reagan mit 69 Jahres als bislang ältester Politiker den Sprung ins Weiße Haus, und vier Jahre später wurde er mit einem der größten Siege in der Geschichte der USA wiedergewählt. Wenige Wochen nach seinem Amtsantritt im Januar 1981 entging Reagan nur knapp dem Schicksal von vier Vorgängern, die bei Attentaten getötet wurden: Er wurde von einem jungen Mann niedergeschossen, erholte sich aber von den Folgen des Attentats sehr schnell.

Fünf Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit erkrankte der Expräsident an Alzheimer. Als er die Diagnose damals öffentlich machte, erklärte Reagan: „Ich trete jetzt die Reise in den Sonnenuntergang meines Lebens an.“

Großer Einfluss von Nancy Reagan

Seiner Frau Nancy wird großer Einfluss auf Ronald Reagan nachgesagt. Danach soll der Dienstplan des Präsidenten erst nach vorheriger Konsultation mit ihrem persönlichen Astrologen festgelegt worden sein Nancy Reagan gab ihre Schauspielkarriere auf, um die Rolle ihres Lebens an der Seite von Ehemann Ronald zu spielen. „Mein Leben begann mit der Heirat meines Mannes“, sagte die ehemalige Schauspielerin über die Eheschließung vom März 1952.

Kritiker hielten der attraktiven Blondine ebenfalls vor, dass sie teure Kleider von Designern als Geschenke annahm. Im Weißen Haus soll sie auch auf Personalentscheidungen ihres Mannes Einfluss genommen haben. Dennoch erfreute sich Nancy Reagan großer Popularität. Während ihrer Zeit als First Lady wurde sie bei Umfragen des Gallup Instituts Jahr für Jahr zu einer der zehn meistbewunderten Frauen gewählt.

Wolfgang Künzel, AP AP DPA

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