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Syrien-Krieg: Russischer TV-Sender verwendet Kriegszenen aus Computerspiel - die Täuschung fliegt schnell auf

Wladimir Putin hat Soldaten geehrt, die im Syrien-Krieg gefallen sind. Ein Staatssender versah den Bericht dazu mit Szenen aus einem populären Computerspiel - die Täuschung flog schnell auf.

Russland Screenshot Arma 3

Diese Sniperszene aus dem Computerspiel Arma 3 wird in den TV-Bericht in Russland verwendet

In einer bewegenden Ansprache vor Soldaten und Veteranen hat Präsident Wladimir Putin den Gefallenen im Syrien-Krieg gedacht: "Wenn ein Mann bereit ist, sich für seine Landsleute zu opfern, dann ist das die höchste Form des Mutes", sagte Putin bereits am Freitag, am offiziellen Veteranen-Tag in Russland (offiziell: "Tag des Verteidigers des Vaterlandes").

Was es in den Augen Putins heißt, ein Held zu sein, machte er mit einem Beispiel aus dem Krieg gegen den Islamischen Staat deutlich. Putin schilderte, wie sich ein Oberleutnant der russischen Streitkräfte im März 2016 in der antiken Oasenstadt Palmyra opferte, um dem IS keinen Propagandaerfolg zu gönnen. Alexander Prokhorenko sah sich beim Kampf um die Stadt plötzlich von Feinden umzingelt. Doch statt aufzugeben, forderte er Luftschläge an und gab dafür seine eigenen Koordinaten durch, was seinen sicheren Tod bedeutete. Dafür erhielt er die höchste Auszeichnung, die Russland zu vergeben hat: "Held der Russischen Förderation".

Das Computerspiel ist äußerst populär

Im Bericht des Senders Pervij Kanal, dem populärsten Sender in Russland, wurden Putins Schilderungen durch zwei Szenen aus dem Videospiel Arma 3 ergänzt. Einmal ist ein Fadenkreuz zu sehen, ein anderes Mal ein Begleitflugzeug des SU-25-Kampfjets. Kampfflugzeuge dieses Typs waren es auch, die die IS-Kämpfer in Palmyra bombardierten und dabei den eigenen Kameraden töteten.

Der TV-Beitrag im Original:


Das Spiel ist in Russland äußert beliebt. Entwickelt wurde es von der tschechischen Firma Bohemian Interactive. Die Spieleentwickler haben gegenüber der "Washingtion Post" bestätigt, dass die Szenen aus dem Bericht aus ihrem Spiel stammen. "Wir haben nicht autorisiert, das Szenen aus unserem Spiel in dieser Weise genutzt werden", sagte Spreche Ota Vrtatko.

Schon früher mit plumper Propaganda blamiert

Bleibt die Frage, warum die Computer-Szenen verwendet wurden, zumal sie leicht zu erkennen sind. Das Spiel wurde rund zwölf Millionen Mal verkauft. Schon kurz nachdem der Bericht gesendet worden war, identifizierten es Nutzer auf der Plattform Pikabu (eine Art russisches Reddit). Sie spekulierten auch darüber, ob es sich vielleicht um eine geheime Nachricht der Redakteure handelte oder schlicht um einen blöden Scherz.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Russland Szenen aus einem Videospiel benutzt werden, um den realen Krieg darzustellen oder um plumpe Propaganda zu verbreiten. Vor drei Monaten blamierte sich das russische Militär mit einem Screenshot auf Twitter, der angeblich von den Aufnahmen einer Aufklärungsdrohne stammte. Damit wollte das russische Verteidigungsministerium die Unterstützung von IS-Kämpfern durch die US-Armee beweisen. Die Bilder stammten damals vom Handyspiel AC-130 Gunship-Simulator.


tis