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Sarkozys Scheidung: Adieu, Cécilia!

Er inszeniert sich als Super-Sarko, als Mann, der alles mit Hochdruck erledigt, voller Energie, ohne Rücksicht auf Konventionen. Entsprechend erlebt der französische Präsident Nicolas Sarkozy jetzt auch die Super-Trennung von seiner gefährlich-glitzernden Frau Cécilia. Die hatte vor dem offiziellen Aus der Ehe noch einen pompösen Auftritt.

Von Tilman Müller, Paris

Die Franzosen erleben heute einen "Schwarzen Donnerstag", einen Tag, an dem der Verkehr zusammenbricht und kaum jemand am Arbeitsplatz erscheint. Nicht bloß der Massenstreik freilich stürzt das Land tief ins Chaos, es sind vor allem die persönlichen Probleme eines einzelnen Herrn namens Nicolas Sarkozy, die in ungekanntem Maße Verwirrung stiften. Wochenlang schwelten die Gerüchte, seine Gattin Cécilia wollte sich von ihm scheiden lassen. Seit diesem Donnerstagmittag nun ist aus dem Gerücht eine offizielle Gewissheit geworden: Das französische Präsidialamt, der Elysée-Palast, meldet, tickerten die Agenturen, dass das Paar seine Trennung bekannt gegeben habe. Sie erfolge in gegenseitigem Einverständnis.

Leiden die Regierungsgeschäfte?

Die dürre Verlautbarung markiert das Ende eines wochenlangen Hin und Hers. In den vergangenen Tagen war bereits gemutmaßt worden, die Verhandlungen zwischen den Ehepartnern zögen sich dermaßen in die Länge, dass bereits die Regierungsgeschäfte darunter leiden würden - das soll auch noch Claude Guéant gesagt haben, der mächtige Generalsekretär des Elysée und engste Berater des Präsidenten.

Stündlich hatte es neue Depeschen von der Scheidungsfront gegeben. Cécilia, die Präsidentengattin, sei angeblich bereits am Montag beim Scheidungsrichter in Nanterre, gewesen. Und dieser Scheidungsrichter, dessen Namen keiner kennt, sei auch schon, heißt es, im Elysée-Palast vorstellig geworden, um die Modalitäten der Super-Scheidung zu besprechen. Anderen Quellen hatten geunkt, die Scheidung sei rein rechtlich gar nicht möglich, weil der Präsident auch in zivilrechtlichen Dingen Immunität genieße und man schließlich einen Napoleon nicht vor ein hundsgewöhnliches Gericht zerren könne. Diese Meinung wurde sogar von namhaften Juristen vertreten, die an der berühmten Pariser Sorbonne-Universität und anderswo in der Republik lehren, die sich noch immer geradezu monarchische Regularien leistet. In Frankreich, so schrieben es Professor Parnorbert Foulquier und sein Kollege Vincent Valentin gestern in der Zeitung "Liberation", könne Cécilia sich unmöglich von ihrem über jedes Recht erhabenen Gatten scheiden lassen, wohl aber eventuell vor dem Europäischen Menschengerichtshof in Straßburg.

Die Fotostrecke der Première Dame

Wer nun glaubte, die arme Cécilia komme nie und nimmer zu ihrem Recht, wurde nicht erst am Donnerstagmittag eines Besseren belehrt, sondern schon ein paar Stunden zuvor. Seit Donnerstagmorgen blickt einem die "Première Dame" wohl gestylt vom Titel der Zeitschrift "Paris Match" entgegen; "mit Exklusivfotos", heißt es dazu, trete sie nunmehr "aus dem Schatten". Seit mindestens einer Woche waren Gerüchte im Umlauf, die Präsidentengattin werde ihre Trennung in einem Magazin bekannt geben und habe sich zu extra diesem Zweck prominent fotografieren lassen. Doch von Scheidung ist in der "Match"-Veröffentlichung an keiner Stelle die Rede. Cécilia wird groß als eine "femme sereine" präsentiert, als eine in sich ruhende Frau, die gleich einer Prinzessin über allem thront. Auf den Bildern des Hof-Fotografen Philippe Warrin sieht das Ex-Mannequin, das in den nächsten Tagen 50 wird, jünger und schöner aus denn je - ein Meisterwerk der Make-Up-Artisten, Coiffeure und Couturiers. Und natürlich wurde das Foto-Shooting nicht in den altehrwürdigen Gemächern des Elysée oder des Lanterne-Schlösschens von Versailles gemacht, die Cécilia so wenig behagen, sondern in einem mondänen Pariser Hotel mit internationalem Flair.

Steckt der Präsident hinter der Magazin-Geschichte?

Sarkozy wird die Geschichte mit den edlen Fotos von seiner Noch-Gattin, die er angeblich noch immer liebt, mit Sicherheit gefallen. Womöglich wurde die Story sogar auf sein Geheiß ins Blatt gerückt. Vor zwei Jahren noch brachte "Match" ungeniert eine Enthüllungsgeschichte über Cécilias Seitensprung in New York mit dem Event-Manager Richard Attias, doch dann verlor der Chefredakteur seinen Posten und seither ist das führende Magazin des Landes, das einem Freund von Nicolas Sarkozy gehört, in vielem zum Sprachrohr des Staatschefs geworden und auf Hofberichterstattung über den neuen Elysée-Clan abonniert.

Doch falls er dahinter steckt, was will der politisch weit rechts stehende Rambo-Präsident mit dieser neuen Cécilia-Show bezwecken? Ist diese fotografische Hommage gar ein kleines Abschiedsgeschenk an die Frau, die er noch immer anbetet? Warum äußert sich Cécilia, die alle Zeit der Welt für die Fotografen hat, sich mit keinem Wort zu der bevorstehenden Scheidung?

"Sarkozys Schwarzer Oktober"

Das sind Fragen, die heute am "Schwarzen Donnerstag" die Nation weit mehr bewegen als die umstrittene Rentenreform, gegen die am Nachmittag in Paris und in ganz Frankreich demonstriert wird. Nahezu alle Blätter des Landes haben die Scheidung noch vor der offiziellen Bestätigung in irgendeiner Form auf dem Titel. "Für das Ehepaar Sarkozy schlägt die Stunde der Wahrheit", so die große Boulevardzeitung "Parisien", noch nie habe sich ein französischer Präsident in einer solch prekären Situation befunden. Und das renommierte Magazin "Le Nouvel Oberservateur" spricht bereits vom "Sarkozys schwarzem Oktober."