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Schiffbruch vor Lampedusa Lebensgefährliche Flucht auf die Mittelmeerinsel


Der Flüchtlingsstrom nach Lampedusa reißt nicht ab. Rund 2000 Flüchtlinge erreichten die süditalienische Insel - trotz akuter Lebensgefahr. Ein Schiff mit 600 Insassen kenterte vor Libyen, mindestens 16 Menschen starben. Eine weitere Tragödie konnte nur knapp verhindert werden.

Flucht nach Lampedusa. Am Wochenende erreichten erneut rund 2000 Migranten die winzige italienische Felsinsel südlich von Sizilien. Die Überfahrt über das Mittelmeer bleibt dabei lebensgefährlich. Erst am Sonntag fuhr ein bereits von der italienischen Küstenwache begleitetes Boot mit 300 bis 500 Flüchtlingen nahe des Hafens auf einen Felsen. An Bord brach Panik aus, berichteten italienische Medien, viele der Flüchtlinge - darunter Frauen und Kinder - seien ins Wasser gesprungen.

"Nur dank des gemeinsamen Einsatzes von Küstenwache, Finanzpolizei, Polizei, Carabinieri, Hilfsorganisationen, aber auch anwesenden Reportern und Bürgern der Insel, konnten alle Menschen gerettet werden", sagte Hafenpolizei-Kommandant Antonio Morana. Die meisten der Nordafrikaner hätten nicht schwimmen können. Über ihre Nationalitäten wurde zunächst nichts bekannt.

Schiffbruch vor Tripolis

Bereits am Freitag war ein Boot mit rund 600 Menschen an Bord vor der libyschen Küste bei Tripolis gesunken. Dutzende Flüchtlinge kamen dabei nach italienischen Medienberichten ums Leben. Mindestens 16 Leichen seien geborgen worden, meldete ein somalischer Reporter. Darunter auch mehrere Frauen und kleine Kinder. Das Schiff hatte ebenfalls Lampedusa als Ziel, hieß es.

Am gleichen Tag waren mehr als 1000 Migranten per Schiff von Lampedusa in andere italienische Orte gebracht worden. Das Hauptaufnahmelager der kleinen Mittelmeerinsel ist nur für rund 850 Menschen ausgelegt.

Aufnahme von Flüchtlingen gefordert

Angesichts des Zustroms von Migranten haben SPD und Grüne vor einer Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Europa gewarnt. Alle EU-Staaten sollten vielmehr aus humanitären Gründen Flüchtlinge aufnehmen. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte der dpa: "Ich finde das Geschachere um ein paar tausend Flüchtlinge, die auf die 27 EU-Mitglieder verteilt werden können, beschämend." Europa müsse jetzt unverzüglich Ländern wie Tunesien und Ägypten ökonomisch helfen.

Auch der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, forderte eine Lastenteilung in der EU. "Dann nimmt Deutschland eben 1000 Flüchtlinge von denen auf, das ist überhaupt kein Problem", sagte Trittin am Sonntag im Deutschlandfunk. Dann könne man sich auch das ganze Gerede von Schlagbäumen im vereinten Europa sparen.

EU berät über Grenzkontrollen

Die Innenminister der Europäischen Union wollen am Donnerstag darüber beraten, ob Personenkontrollen an den EU-Binnengrenzen auch bei Problemen mit der Sicherung der Außengrenzen wieder erlaubt werden sollen. Italien und Frankreich hatten dies gefordert, damit Migranten nicht unkontrolliert zwischen beiden Ländern reisen können.

Seit Beginn der nordafrikanischen Revolutionswelle im Januar kamen allein auf der nur 20 Quadratkilometer großen Insel Lampedusa

cjf/DPA DPA

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