HOME

Schuldenkrise in Griechenland: Protestmarsch endet mit Angriff auf ein Krankenhaus

20.000 Menschen haben sich an einem Protestmarsch gegen Sparmaßnahmen der Regierung beteiligt. Die Polizei ging mit Tränengas gegen Steine werfende Protestanten vor, rund 150 Vermummte stürmten daraufhin ein Krankenhaus. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt lehnt weitere Hilfen für Griechenland ab.

Etwa 150 Vermummte haben ein Krankenhaus in Athen gestürmt und drei Polizisten verprügelt, nachdem ein Demonstrant während eines Protests gegen die Sparmaßnahmen der Regierung schwer verletzt worden war. Die Gruppe sei im Büro der Geschäftsführung der Klinik auf die Beamten losgegangen, die wegen der Verletzung des Demonstranten am Mittwoch ermittelt hätten, sagte ein Polizist, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Zwei Polizisten wurden leicht verletzt, einer schwerer am Kopf."

Zuvor hatte das Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass der bei dem Protest verletzte 31-jährige Grieche am Gehirn operiert worden sei. Er befinde sich in einem stabilen, aber kritischen Zustand.

Die Polizei war während des Protestmarschs mit Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten vorgegangen. 17 Teilnehmer und zwei Beamte seien verletzt und 24 Menschen festgenommen worden, hatte die Polizei vor dem Zwischenfall in der Klinik mitgeteilt.

Insgesamt beteiligten sich nach Polizeiangaben an dem Demonstrationszug 20.000 Menschen, die vor das Parlament zogen. Die Gewerkschaften hatten zudem zu einem 24-stündigen Generalstreik aufgerufen, der das öffentliche Leben weitgehend lahmlegte. Sie werfen der sozialistischen Regierung des hoch verschuldeten Landes vor, mit ihrem Kurs die Wirtschaft kaputt zu sparen.

Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten Griechenland im vorigen Jahr mit einem 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket vor der Pleite bewahrt. Derzeit überprüfen Vertreter von EU, Europäischer Zentralbank und IWF in Athen, ob Griechenland seine Schuldenlast noch meistern kann und die versprochenen Reformen umsetzt.

Die Fachleute entscheiden auch darüber, ob dem Land die nächste Tranche der Hilfe ausgezahlt werden kann. Sollte Griechenland die zwölf Milliarden Euro nicht erhalten, liefe das auf seine Zahlungsunfähigkeit bereits Ende Juni hinaus.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt lehnt weitere Hilfen für Griechenland und andere hoch verschuldete Euro-Länder ab. "Es darf nicht jedem Ruf nach neuen Hilfen nachgegeben werden", sagte Hundt der Zeitung "Die Welt" (Donnerstagsausgabe). Deutschland könne die bislang eingegangenen Verpflichtungen zur Euro-Rettung im Umfang von mehreren Hundert Milliarden Euro schultern. "Es muss aber klar sein, dass jetzt nicht immer nachgelegt wird." Das unverändert große Staatsdefizit Griechenlands zeige die Notwendigkeit tief greifender Reformen in dem hoch verschuldeten Land. "Hier gibt es noch deutlichen Verbesserungsbedarf", sagte Hundt.

Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro ist laut Hundt aber kein Weg, um die Krise zu bewältigen. "Ein solcher Schritt würde gewaltige Probleme nicht nur für das Land selbst, sondern auch für den Euro und für Deutschland zur Folge haben", sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Die Griechen würden durch einen Austritt ihre Schulden nicht los. Auf die ausländischen Geldgeber kämen zudem erhebliche Vermögensverluste zu.

AFP/Reuters / Reuters