Schweden Fotos vom Phantom


Nach dem Mord an Außenministerin Anna Lindh haben schwedische Boulevardzeitungen Fotos eines Mannes veröffentlicht, nach dem die Polizei angeblich fahndet. Die Fotos sollen aus einer Überwachungskamera stammen.

Schwedische Boulevardzeitungen in Stockholm haben am Samstag eine Serie von Fotos des mutmaßlichen Mörders von Außenminister Anna Lindh veröffentlicht. Bei den Bildern aus Überwachungskameras des NK-Kaufhauses in Stockholm wurde jeweils das Gesicht unkenntlich gemacht. Fahndungssprecher Mats Nylén erklärte, die Veröffentlichung der Bilder sei aus Sicht der Polizei "sehr unglücklich", weil Zeugen beeinflusst werden könnten.

Täter weiterhin flüchtig

Er wollte nicht kommentieren, ob die Fotos dieselben sind, die Polizeiexperten durch Auswertung von Videobändern aus dem Kaufhaus gefertigt hatten. Dort war die unbewacht einkaufende Ministerin am Mittwoch niedergestochen und tödlich verletzt worden. Der Täter ist weiterhin flüchtig. Die Fotos zeigen einen hoch gewachsenen Mann mit blauem Golfkäppi und grauem Sweatshirt, was den Beschreibungen von 15 Augenzeugen des Attentates entspricht.

Polizeiintern werden die Fotos aus den Überwachungskameras allen Beamten für die Fahndung nach dem Mörder zur Verfügung gestellt.

Die Polizei ist sich weitgehend sicher, dass das Attentat von einem allein und spontan handelnden Täter aus dem Kreis gewalttätiger Drogen abhängiger in Stockholm ausgeführt wurde. Nach Zeitungsberichten vom Samstag sollen die Fahnder einen Kreis von fünf bis zehn Männern als tatverdächtig eingekreist haben.

Ausgang von Euro-Referendum völlig offen

Der Ausgang der schwedischen Volksabstimmung über die Einführung des Euro am Sonntag gilt nach letzten Umfragen wieder als völlig offen. Bei zwei am Samstag veröffentlichen Erhebungen, die nach dem Mord an Außenministerin Anna Lindh durchgeführt wurden, lagen Befürworter und Gegner je einmal vorn. Auch zwei Umfragen vom Vortag hatten unterschiedliche Ergebnisse gebracht. Die jeweiligen Abstände fielen in allen vier Umfragen sehr unterschiedlich aus.

Vor dem Attentat am Mittwoch hatte die Nein-Seite über mehrere Monate stabil mit durchschnittlich zehn Prozentpunkten vorne gelegen. Nach dem Tod von Lindh, einer überzeugten Verfechterin des schwedischen Euro-Beitritts, erwarteten Beobachter, dass das Ja-Lager zusätzlich Stimmen erhalten würde. Die Kampagnen beider Seiten wurden sofort nach dem Attentat eingestellt.

Trauer um Lindh ohne Einfluss

Der schwedische Finanzminister Bosse Ringholm bezeichnete es unterdessen als reine Spekulation, ob der Mord an der Ministerin sich bei der Volksabstimmung als Faktor für die eine oder andere Seite auswirken werde. Er schloss aber nicht aus, dass die neue und dramatische Situation in Schweden der Beteiligung an der Abstimmung zugute kommen könnte. Analysten äußerten die Auffassung, sollte sich der Mord als politisch motiviert heraus stellen, könnte dies einen Umschwung zugunsten der Europa-Befürworter mit sich bringen, obwohl viele Befragte erklärt hätten, sie würden sich bei ihrer Entscheidung nicht von der Trauer um Lindh beeinflussen lassen.


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