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Schwere Vorwürfe der Nato Gaddafi-Truppen schießen gezielt auf Zivilisten


Soldaten in Zivil, postiert auf Dächern der Moscheen von Misrata? Gezielte Schüsse auf Zivilisten? Die Vorwürfe, die die Nato gegen Truppen des Machthabers Gaddafi erhebt, wiegen selbst in Kriegszeiten schwer. Wer kann, flieht aus der umkämpften Hafenstadt.

Der Oberbefehlshaber über den Nato-Militäreinsatz in Libyen, Generalleutnant Charles Bouchard, hat die Truppen des Machthabers Muammar Gaddafi beschuldigt, in Misrata auf Zivilisten zu schießen. Die Streitkräfte stünden auf den Dächern von Moscheen und feuerten von dort auf Menschen, sagte Bouchard am Montag dem kanadischen Fernsehen. Unterdessen fliehen die Menschen übers Meer aus der schwer umkämpften Stadt.

Gaddafis Soldaten versteckten sich in der Nähe von Krankenhäusern und hätten gepanzerte Wagen in Schulen abgestellt, berichtete Generalleutant Bouchard. Manchmal zögen die Gaddafi-Verbündeten auch ihre Uniformen aus, damit niemand sie in der eingekesselten Rebellenbastion erkennen könne. Der Kanadier kritisierte dieses Vorgehen als "unmoralisch" und "hinterhältig".

Zugleich betonte er, dass er sich um die humanitäre Situation in der belagerten Stadt sorge. Die Einwohner vom Misrata litten, aber sie würden mehr leiden, wenn die Nato nicht eingegriffen hätte. Auf der anderen Seite sind auch immer wieder Stimmen von Rebellenkämpfern zu hören, die fragen: "Wo ist denn die Nato?"

"Ich habe alles verloren"

Wer kann flieht inzwischen aus Misrata. Ein Schiff mit fast 1000 Flüchtlingen hat die Rebellenhochburg Bengasi erreicht. Das von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gecharterte griechische Schiff erreichte am Montagabend in Bengasi. An Bord befanden sich rund 970 Menschen, nach Angaben der IOM waren 90 Prozent davon ausländische Gastarbeiter. Rund 30 Verletzte wurden in das Krankenhaus von Bengasi gebracht. Es war das zweite von der IOM gecharterte Schiff in einer Woche, das Flüchtlinge von Misrata nach Bengasi brachte. Am Montag brachte das Rote Kreuz zudem 618 afrikanische Gastarbeiter mit einem gecharterten Schiff nach Ägypten.

"Ich habe alles verloren", sagte eine 22-jährige Nigerianerin nach Ankunft des IOM-Schiffes in Bengasi. "Alle meine Ersparnisse sind weg." Sie hatte seit sieben Monaten in Misrata gearbeitet. Tausende afrikanische Gastarbeiter hatten in der drittgrößten libyschen Stadt gearbeitet.

Bei den Kämpfen in Misrata sollen Krankenhausangaben zufolge in den vergangenen sechs Wochen rund 1000 Menschen getötet und etwa 3000 weitere verletzt worden sein. Am Montag wurden laut Ärzten zehn Menschen getötet und 54 verletzt.

dho/Reuters/AFP Reuters

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