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Etatstreit, Umfragen, Football: Selbst für den Viel-Twitterer enorm: Trump bläst 40 Tweets an nur einem Tag heraus

Es gibt ja so Tage, da haut der US-Präsident schon ordentlich in die Tasten - aber 40 Tweets in nicht einmal 24 Stunden ist selbst für Donald-Trump-Verhältnisse viel. Ein Überblick über seinen bunten Strauß an Themen.

Donald Trump

Was kommt als nächstes? Donald Trump hatte an seinem zweijährigen Amtsjubiläum wenig Zeit zum Ausruhen

AFP

Tag 30 des Regierungsstillstands war gleichzeitig der zweite Jahrestags seiner Amtsübernahme -  für den US-Präsidenten gab es also gleich doppelt so viel zu tun wie sonst. Sich selbst feiern und die Opposition ins Zwielicht rücken zum Beispiel. Was er, wie üblich, auf seinem Lieblingskanal Twitter auch tat - allerdings in unüblicher Menge. Sage und schreibe 40 Tweets setzte er am Sonntag, den 20. Januar ab. Wer wissen wollte, was dem mächtigsten Mann der Welt in seiner bislang größten Krise durch den Kopf geht – der bekam Antworten. Sehr viele Antworten.

Mit Drohung beginnen, mit Dialogangebot enden

Bevor es um den Streit mit den Demokraten über den Haushalt ging, moserte er zunächst über die Medien, die seine Erfolge als Präsident nicht würdigen würden. Soweit so bekannt. Danach konnte sich der Klimawandelkritiker Trump einen Seitenhieb auf die derzeitige Kälte nicht verkneifen ("Die gute, alte globale Erwärmung wäre nicht schlecht.") um dann unvermittelt gegen seine aktuelle Hauptgegnerin zu schießen: Nancy Pelosi, die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, in dem die Demokraten die Mehrheit haben. Ihr widmete der Chef des Weißen Hauses vier Tweets – die im Ton drohend begannen, aber im Verlauf mit einem Dialogangebot endeten.

"Nancy Pelosi und die Demokraten sollten das Richtige für das Land tun und den Menschen erlauben, wieder zur Arbeit zurückzukehren", schrieb er zunächst. Dann steigerte er sich etwas in den Vorwurfsmodus hinein, der damit endete, Pelosi einen irrationalen Linksruck zu unterstellen, der aus ihr eine "radikale Demokratin" mache. Nebenbei nannte er ihren Heimatbezirk San Francisco "ekelhaft" vermüllt. Nur wenige Augenblicke später, bietet er der Kontrahentin beinahe unterwürfig an, doch noch einmal über alles zu reden.

Im direkten Anschluss an seine Nancy-Pelosi-Ansprache folgt ein Selbstbegeisterungsanfall über eine Umfrage, laut der seine Beliebtheit bei der hispanischen Bevölkerung geradezu explodiert sei - und zwar wegen seiner Haltung zur Mexiko-Mauer. Dass seine Zustimmungswerte im US-weiten Umfrageschnitt mit rund 40 Prozent historisch schlecht sind, erwähnt Trump verständlicherweise nicht. Stattdessen nimmt er seinen eigenen Mauerhinweis auf und preist sich selbst dafür, dass Teile der Mauer bereits im Bau seien – obwohl es dafür kaum Geld gebe.

Zwischen Botschaften irrlichtern

Nate Silver, amerikanischer Statistik- und Wahlforschungsguru, kommentiert die Ausführungen aus dem Weißen Haus so: "Wäre Trump in der Lage seine Botschaft konsequent zu vermitteln, wie etwa 'wir sind willens uns an einen Tisch zu setzen, aber die Demokraten nicht', statt zwischen 5 bis 6 verschiedenen Botschaften zu irrlichtern, würde es ihn irgendwo hinführen." Zu diesem Zeitpunkt wusste Silver aber noch nicht, dass Trump gerade erst angefangen hat, seine Messages unters Volk zu bringen.

Dazu ließ der US-Präsident fast ausschließlich andere Leute zu Wort kommen. Mehr als 20 Retweets lang zeigte Trump, wie ihn vor allem konservative Politiker über den grünen Klee lobten. Seine Errungenschaften nach zwei Jahren seien großartig, schrieb zum Beispiel Ronna McDaniel, Vorsitzende der Republikanischen Partei – der Rest: Unterstützung für Trumps Vorschlag, für die Freigabe der Mauermilliarden, Kinder illegaler Einwanderer länger im Land bleiben zu lassen. Trumps mutmaßliches Kalkül hinter dem Retweet-Gewitter: Sich und die Partei (endlich) aus der Defensive holen und zeigen, dass es die Opposition ist, die einen Kompromiss im Weg steht.

Grund für die selbst für Trumps Verhältnisse ungewohnt heftige Eruption dürfte der zunehmende Druck sein, der seit dem "Shutdown" auf der Regierung lastet. 800.000 Beamte werden wegen des Etatstreits nicht bezahlt. Die Schuld dafür schieben die Amerikaner Umfragen zufolge dem Präsidenten zu. Will sich der US-Präsident also etwas Luft verschaffen, muss er versuchen, auch die Opposition ins Boot der Verantwortung zu zerren – zumal sich auch bei der Russlandaffäre, seiner anderen Großbaustelle, nichts Positives tut.

Entspannung mit Donald Trump

Am Abend dann immerhin, gönnte der Präsident sich und seinen 57 Millionen Followern dann eine Runde Entspannung: Am Sonntag fanden die entscheidenden Halbfinalspiele im Football statt, die der Sportsfreund Trump ebenfalls eifrig kommentierte – und damit seinen gigantischen Rundumschlag abrundete. Ach ja, auch seine Frau widmete er eine Zeile: "Eine wahrlich großartige First Lady, die nicht die Anerkennung bekommt, die sie verdient."