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Smartphone des Diktators Kim Jong Un und das kleine Schwarze

Kim Jong Un hat ein Smartphone. So weit, so gut. Doch von welcher Marke? Hersteller wie Samsung und Apple fallen schon auf Grund ihrer Herkunft aus - Nordkorea-Auguren stehen vor einem Rätsel.
Von Niels Kruse

Die Pjöngjang-Auguren haben ein neues Betätigungsfeld gefunden. Neben ihrer Hauptaufgabe, dem Erahnen nordkoreanischer Machtverhältnisse sowie der Interpretation der zuweilen irrlichternden Politik des isolierten Landes, richtet sich ihr Blick nun auf ein schwarzes Etwas, das jüngst neben Jungdiktator Kim Jong Un gesichtet wurde: ein mobiles Telefon. Ein Smartphone sogar. Die Frage, die die Experten und Beobachter daher umtreibt, lautet: Welches Modell nutzt der jüngste Sproß der Kim-Dynastie? Eine Frage, die deshalb als wichtig erachtet wird, weil seine Telefonwahl auch als politisches Statement gedeutet werden kann.

Zumindest aus westlicher Sicht stehen drei namhafte Hersteller zur Auswahl – allesamt aus dem verfeindeten Ausland: Samsung, der größte Smartphone-Hersteller der Welt. Sitzt leider in Südkorea, dem Brudervolk und Erzfeind. HTC, mittlerweile nicht mehr ganz so groß wie vor ein paar Jahren noch, ist zwar eine chinesische Firma, allerdings von der offenen und nach Westen orientierten Insel Taiwan, die im mit Nordkorea verbündeten Festland-China eher unbeliebt ist. Und zuletzt das Allerwelts-Sehnsuchtsprodukt aus Cupertino, USA: Apples iPhone.

"Kein Samsung, eher ein HTC"

Nun also, Auftritt Nordkorea-Auguren und andere Experten. "Es ist kein Samsung-Telefon", sagte ein Sprecher des Unternehmens der Nachrichtenagentur AFP. Es sehe eher aus wie ein HTC-Modell. Die Taiwaner jedoch, darauf angesprochen, verweigerten die Identifikation des Smartphones und flüchteten sich in die nichtssagende Floskel, dass man es bevorzuge, jeden HTC-Nutzer zu unterstützen. Und Apple? Wurde zwar nicht befragt, aber jeder halbwegs interessierte Kenner der Produktlinie sieht auf den ersten Blick, dass der Führer des stalinistischen Regimes ganz sicher kein iPhone benutzt.

Doch, wie gesagt, dies ist vielleicht eine zu westliche Sicht auf das Bild, das von offiziellen nordkoreanischen Medien veröffentlich wurde und Kim im Kreise seiner höchsten Sicherheitsberater zeigt. Denn in Asien sind mindestens zwei weitere Handyhersteller beliebt, die hierzulande unter ferner liefen rangieren, beziehungsweise als Billigheimer gelten: ZTE und Huawei, beide aus China und mittlerweile deutlich verbreiteter als etwa die Konkurrenz von HTC. Zumindest aus symbolpolitischer Sicht wäre es für den Kim Jong Un sicher schicklicher, zu einem Modell aus dem Land des letzten verbliebenen Verbündeten zu greifen.

Smartphones aus nordkoreanischer Produktion

Doch vielleicht liegt die Lösung des großen Smartphone-Rätsels viel näher als vermutet. Denn seit einigen Monaten produziert das Hungerreich eigene Smartphones. Zum für nordkoreanische Verhältnisse fast unerschwinglichen Preis von umgerechnet 600 US-Dollar. Das Modell "Eumsong Patgi" hat einen Touchscreen und TV-Empfang. "Es ist besonders bei höheren Kadern und jungen Erwachsenen beliebt", sagte ein nordkoreanischer Informant der gewöhnlich sehr gut informierten Nachrichtenseite "DailyNK".

Problem an dem Gerät: Es hat keinen Internetzugang. Das World Wide Web ist in dem abgeschotteten Land zwar nur einen sehr kleinen und erlauchten Kreis von Führungskräften zugänglich, Kim Jong Un dürfte wohl dazugehören. Der Zugriff aufs Internet über das Handy ist technisch kein Problem, denn Nordkorea hat erst vor wenigen Jahren ein modernes UMTS-Netz errichtet. So gesehen ist es wiederum unwahrscheinlich, dass der junge Despot, auf die Segnung des mobilen Webs verzichten wird. Die Pjöngjang-Auguren werden wohl noch eine Weile über das kleine Schwarze herumrätseln können.


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