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#GermanArms: Wie Soldaten der Emirate mit Technologie aus Deutschland für den Krieg trainieren

Der Rüstungskonzern Rheinmetall verkaufte den Vereinigten Arabischen Emiraten für mindestens 43 Millionen Euro ausgefeilte Systemelektronik für eine Übungsstadt. Das Rechercheprojekt #GermanArms hat den wahrscheinlichen Standort entdeckt.

#GermanArms: Recherche-Bündnis deckt Deutsche Rüstungsexporte im Jemen auf

Panzer rollen durch einen künstlichen Wassergraben, Soldaten rennen und suchen Deckung hinter Häusern, die keine Fensterscheiben haben und wie Attrappen ausssehen – Bilder eines Militärmanövers der Vereinigten Arabischen Emirate, das die offizielle Emirates News Agency im April 2018 veröffentlicht hat.

Das Rechercheprojekt #GermanArms, das vom stern, "Report München" und Deutscher Welle zusammen mit dem Recherchebüro Lighthouse Reports und dem Investigativ-Netzwerk Bellingcat getragen wird, konnte diese Bilder einem konkreten Ort zuordnen: Einer Übungsstadt in Al Hamra westlich von Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf Satellitenbildern kann man erkennen, dass hier nahe einer existierenden Militärbasis mindestens seit 2013 eine neue Siedlungsstruktur entstand, deren Bau im Jahr 2017 weitgehend abgeschlossen scheint.

Hier ein Bild von 2013:

Und hier der Zustand im Jahr 2017:

Verschiedene Indizien sprechen dafür, dass es sich um den Standort des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) handelt, für das der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall in den vergangenen Jahren dem emiratischen Militär Technologie verkauft hat. Bisher war unbekannt, wo sich dieses Zentrum befindet. Die Bilder auf dem Video, das sich Al Hamra zuordnen lässt, gleichen sehr der künstlich angelegten digitalisierten Übungsstadt Schnöggersburg der Bundeswehr nördlich von Magdeburg. Für sie liefert ebenfalls Rheinmetall die Systemelektronik – seit 2016 und bis 2020, im Wert von 24 Millionen Euro. Das System ermöglicht es Soldaten, statt mit scharfer Munition mit Laserstrahlen zu feuern, deren virtuelle Einschusstellen dann von Sensoren erfasst und in einer Kommandozentrale ausgewertet werden können. "Das System ist in der Lage genau zu unterscheiden, ob ein Soldat leicht verletzt, schwer verletzt oder gar tödlich getroffen wurde", erklärte ein Rheinmetall-Mitarbeiter auf der Seite deutschesheer.de .

Auch die Soldaten auf dem Video aus Al Hamra (ab 0:38 in dem erwähnten Video) schießen nicht mit scharfer Munition, das ist klar zu erkennen. Zuletzt hatte die Bundesregierung dem Rheinmetall-Konzern für "Teile und Komponenten" für ein "mobiles Gefechtsübungszentrum" im März 2017 Ausfuhren an die VAE im Welt von 34,7 Millionen Euro genehmigt, Weitere Ausfuhren von 8,4 Millionen für den gleichen Zweck und das gleiche Empfängerland hatte Berlin im November 2016 durchgewunken. Zusammen macht das 43 Millionen Euro. Bereits im Jahr 2010 gab die Regierung grünes Licht für Ausfuhren an die Emiratis für ein  "Gefechtsübungszentrum" und verwandte Güter, für etwa 80 Millionen Euro. Den Herstellernamen hatte die Regierung hier allerdings nicht offengelegt.

Rheinmetall ließ Fragen des Rechercheprojekts #GermanArms zu dem Übungszentrum unbeantwortet. Dass die Rheinmetall-Technik in Al Hamra eingesetzt wird, dafür spricht aber auch, was ein Mitarbeiter auf dem Karriereportal LinkedIn als Einsatzort nannte. Er sei als Elektrotechniker seit Mai 2018 für Rheinmetall für ein "Tactical Engagement Simulation System" in der "Al Hamra Military Base" in den Emiraten tätig, verriet er dort.* Er installiere dort Simulationstechnik auf Fahrzeugen wie "BMP", "Leclerk" oder G6. Gemeint waren offenbar die – aus Frankreich stammenden und mit deutschen Motoren bestückten – Kampfpanzer Leclerc wie auch BMP-Panzer, die aus russischer Produktion kommen sowie G6-Haubitzen, die die VAE aus Südafrika importiert haben. 

Und bereits im Jahr 2017 sagte ein Rheinmetall-Manager in einem Interview, dass die Firma ein Angebot für die "Modernisierung" des Schießstands in Al Hamra  eingereicht habe. Man habe dafür "ein umfassendes Konzept" vorgelegt.

Bilder aus der Übungsstadt

Das Konzept hatte die Emiratis offenkundig überzeugt. Ihre Truppen stellen seit 2015 das Gros der Landstreitkräfte, das die von Saudi-Arabien angeführte Koalition im Bürgerkriegsland Jemen einsetzt. 

Konkrete Belege für das Training bestimmter später im Jemen eingesetzter Truppenteile in dem Rheinmetall-Zentrum in Al Hamra gibt es bisher nicht. Aber auf den Bildern aus der Übungsstadt vom April 2018 sieht man auf dem Dach eines der Häuser nicht nur den Kronprinzen Mohammed bin Zayed Al Nahyan, sondern auch den Chef des Generalstabs der VAE, General Hamad Mohammed Thani Al Rumaithi.

Bereits im April 2016 war er im Jemen, zu einem Besuch seiner Truppen am Ryan International Airport in Mukalla an der Südküste des Landes. Und zumindest drei der Waffensysteme, die der Rheinmetall-Techniker in Al Hamra nach eigenen Angaben betreute – die Leclerc- und BMP-Panzer wie die G6-Haubitzen – sieht man immer wieder auf Videos vom Einsatz der emiratischen Truppen aus dem Jemen.

* Unter dem Namen des Mannes, der sich noch vor einigen Wochen auf LinkedIn als Rheinmetall-Elektrotechniker auf der Militärbasis in Al Hamra in den VAE vorstellte, wurde der Eintrag auf der Karrierewebseite inzwischen geändert. Ursprünglich hieß es dort, er sei seit Mai 2018 für Rheinmetall auf der Militärbasis tätig. Jetzt sind diese Angaben verschwunden und der Mann diesen Namens sagt, er sei seit Mai 2018 als Elektronikingenieur für die Firma Romco Range Operations & Maintenance Company tätig, eine Firma, die ebenfalls militärische Übungsgelände in den Emiraten betreut.

Mehr zu den Recherchen lesen Sie im neuen stern, der am Donnerstag (28.02.) erscheint.  

 

#GermanArms: Recherche-Bündnis deckt Deutsche Rüstungsexporte im Jemen auf