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Spendenskandal um David Cameron Ein Abendessen mit Premier für 250.000 Pfund


Welche Spielchen laufen hinter den Parteikulissen - das fragen sich die Briten, nachdem ein konservativer Parteikämmerer Kontakt zu Cameron gegen Geld versprach. Während der Premier auf Distanz ging, trat der Schatzmeister am Sonntag zurück.

Einer der wichtigsten Finanzverwalter der britischen Konservativen Partei hat potenziellen Spendern gegen Geld ein Treffen mit Premierminister David Cameron und Einfluss auf die Regierungspolitik versprochen. In einem Video der britischen Zeitung "Sunday Times" ist zu sehen, wie Peter Cruddas Reportern, die sich als Spender ausgaben, Versprechungen macht, sollten diese 250 000 Pfund (300 000 Euro) zahlen. Der stellvertretende Tory-Parteikämmerer trat in der Nacht zum Sonntag zurück, nachdem der Bericht bekanntgeworden war.

Privater Zugang zum Premier

In dem Video verspricht Cruddas den getarnten Journalisten für die Parteispende Zugang zur "ersten Liga". Abendessen mit Cameron und Schatzkanzler George Osborne seien gut geeignet, um Informationen zu bekommen und direkt die Regierungspolitik anzuregen.

Cruddas ging der "Sunday Times" zufolge aber noch weiter: So soll er von einem privaten Zugang zu Cameron, "nicht in seiner Funktion als Premier" gesprochen haben. Zudem soll er erkennen lassen haben, dass Kritik und Vorschläge an Regierungsausschüsse weitergeleitet würden. Nicht zuletzt gaben sich die Journalisten als Vertreter eines Fonds in Liechtenstein aus - von derlei Quellen im Ausland können aber keine Spenden an britische Parteien getätigt werden.

Cameron nannte das Verhalten Cruddas' am Sonntag "vollkommen inakzeptabel" und distanzierte sich aufs Schärfste von diesem. "Das ist nicht die Art und Weise, wie die Konservative Partei Spenden sammelt, das hätte nicht passieren dürfen", sagte Cameron dem Sender BBC. Er werde sicherstellen, dass so etwas nicht noch einmal vorkomme, und eine parteiinterne Untersuchung einleiten.

In einer Stellungnahme der Konservativen hieß es, eine derartige Spende sei nie angenommen worden. Sämtliche Spenden müssten die juristischen Vorgaben erfüllen. Cruddas erklärte: "Ich bedauere es zutiefst, wenn durch mein Gerede ein Eindruck von Ungehörigkeit entstanden ist."

Die sozialdemokratische Labour-Partei nannte den Vorfall "unfassbar" und forderte Cameron auf, am Montag im Parlament Stellung zu nehmen. Am Sonntag wurde Lord Stanley Fink als Nachfolger von Cruddas bestellt. Zahlen der Partei zufolge hat der Geschäftsmann in den vergangenen zehn Jahren selber mehr als zwei Millionen Pfund an die Tories gespendet.

Nicht der erste Fall

Im Mai 2010 hatte ein ähnlicher Vorfall für Aufregung in Großbritannien gesorgt. Damals hatte die Ex-Frau des britischen Prinzen Andrew, Sarah Ferguson, gegen Geld einen Zugang zum Prinzen versprochen. Die Herzogin von York hatte sich später dafür entschuldigt und eingeräumt, Geldsorgen zu haben. Ihr Ex-Mann ist britischer Sonderbeauftragter für Internationalen Handel und Investitionen. Das Paar ist seit 1996 geschieden, sich aber weiter freundschaftlich verbunden.

tmm/AFP/DPA DPA

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