SPÖ-Chef Gusenbauer Ein unerwarteter Sieger


Schon im Sandkasten wollte er Bundeskanzler werden, der Bawag-Skandal drohte seinen Aufstieg zu bremsen, doch nun ist Alfred Gusenbauer ganz oben: Nach dem Wahlsieg seiner SPÖ wird er wohl Kanzler in Österreich.

Der politische Ehrgeiz des Chefs der österreichischen Sozialdemokraten ist schon sprichwörtlich. "Als der Fred im Sandkasten gefragt wurde, was er denn werden wollte, hat er 'Bundeskanzler' gesagt", wurde Alfred Gusenbauers Lebensgefährtin vor der Wahl am Sonntag zitiert. "Gusi", wie er von seinen Anhängern genannt wird, war bei seinem Amtsantritt vor sechs Jahren nicht nur der jüngste SPÖ-Parteichef der Nachkriegsgeschichte. Mit ihm kam auch der erste Berufspolitiker in diese Führungsposition. Sein großes Problem: Er war bisher nicht sonderlich beliebt. Umso überraschender kam daher wohl auch für ihn der knappe Wahlsieg seiner SPÖ, der ihn jetzt ins Kanzleramt bringen könnte.

Von der Zwischenlösung zum Kanzler in spe

Dabei galt der 46-Jährige bei der Übernahme des Amtes von seinem 1999 bei der Wahl glücklosen Vorgänger Viktor Klima eigentlich als "Zwischenlösung". Dennoch gelang es dem promovierten Politologen in den vergangenen zwei Jahren, mit einem von Kritikern als offen populistisch gebrandmarkten Oppositionskurs seine Partei in der Wählergunst in Führung zu bringen und lange Zeit vor der regierenden Volkspartei von Kanzler Wolfgang Schüssel zu halten.

Bei seinem Amtsantritt von den Medien als "Roter durch und durch" verschrien, sah Gusenbauer sich selbst eher als politischen Pragmatiker. Allerdings mit einer starken Betonung des sozialdemokratischen Gesellschaftsmodells. Er sei "ein Linker, aber kein Kommunist", sagt er von sich. Entsprechend prangerte er im Wahlkampf unter dem Motto "Neue Fairness braucht das Land" die Rekordarbeitslosigkeit an, versprach, die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu halbieren, die Renten zu sichern und das Gesundheitssystem zu reformieren. Dass der Politprofi, der als Freund edler französischer Rotweine und guten Essens gilt, zusammen mit der konservativen ÖVP ein strammes Gesetz zur Regulierung der illegalen Einwanderung durchsetzte, wurde ihm von seinen Genossen als purer Populismus angekreidet.

Trotz Bawag-Skandal die Wahl gewonnen

Schon mit 20 Jahren wurde Gusenbauer als Juso-Sekretär Angestellter der SPÖ. Von 1984 bis 1990 war der Arbeitersohn aus dem niederösterreichischen St. Pölten Juso-Chef. Die folgenden neun Jahre arbeitete er in der österreichischen Arbeitervertretung. International sammelte er seit 1989 Erfahrung als Vizepräsident der Sozialistischen Internationale. Seit 1993 sitzt er für die SPÖ im Nationalrat.

Bis zum Herbst 2005 sah Gusenbauers SPÖ bereits wie der sichere Sieger bei den nächsten Nationalratswahlen aus. Angesichts wirtschaftlicher Stagnation, sinkender Einkommen und Rekordarbeitslosigkeit lagen die Sozialdemokraten konstant um bis zu vier Prozent vor der regierenden ÖVP. Doch der Skandal um die Milliardenverluste der Gewerkschaftsbank Bawag schienen alle Hoffnungen des ehrgeizigen SPÖ-Chefs zu zerstören. Dem nutzte es auch nicht, dass er sich offen von den Gewerkschaftsbossen - allesamt SPÖ-Mitglieder - distanzierte.

Kanzler Schüssel und den ÖVP-Politikern gelang es zunächst, den Bawag-Skandal zum SPÖ-Skandal zu machen. Gusenbauers Höhenflug schien gestoppt und Schüssel lag fortan wieder vorn. Am Ende aber war die Unzufriedenheit mit der amtierenden Regierung größer. "Gusi" aber muss erst zeigen, ob er seine Wahlversprechen einlösen kann.

Christian Fürst/DPA DPA

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