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Stewart Rhodes Wegen Sturm aufs Kapitol: Gründer der "Oath Keepers" drohen nach Schuldspruch 20 Jahre Haft

Ein weißer Mann mit Vollbart, Brille und Augenklappe über seinem linken Auge schaut direkt in die Kamera
Stewart Rhodes hat die "Oath Keepers" gegründet
© Collin County / AFP
Die Jury eines US-Gerichtes hat den Gründer der Miliz "Oath Keepers" wegen des Sturms aufs Kapitol schuldig gesprochen. Nun drohen Stewart Rhodes viele Jahre im Gefängnis.

Der Gründer der rechtsextremen US-Miliz Oath Keepers, Stewart Rhodes, ist wegen der Kapitol-Erstürmung vom Januar 2021 der "aufrührerischen Verschwörung" schuldig gesprochen worden. Ein Geschworenengericht in der US-Hauptstadt Washington sprach den 57-Jährigen am Dienstag wegen dieses besonders schwerwiegenden Straftatbestands schuldig. Dem Anführer der Miliz drohen damit bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft wirft den fünf angeklagten Oath Keepers vor, eine "bewaffnete Rebellion" gegen die US-Regierung geplant zu haben. Mitglieder der als regierungsfeindlich und gewalttätig eingestuften Miliz hatten am 6. Januar 2021 zusammen mit Hunderten radikalen Anhängern des abgewählten Präsidenten Donald Trump das Kapitol gestürmt. Zu dem Zeitpunkt sollte dort der Sieg des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom November 2020 endgültig bestätigt werden.

Stewart Rhodes soll Waffen gekauft haben

Laut Anklage hatten der für seine schwarze Augenklappe bekannte Rhodes und die anderen angeklagten Oath Keepers Waffen und Kampfausrüstung gekauft und in einem Hotel nahe der Hauptstadt gelagert. Rhodes sei während der Kapitol-Erstürmung "wie ein General auf dem Schlachtfeld" aufgetreten, sagte Staatsanwalt Jeffrey Nestler während des vor knapp zwei Monaten gestarteten Prozesses.

Rhodes hat bestritten, einen Angriff auf das Kapitol geplant zu haben. Er und seine Miliz wollten an dem fraglichen Tag demnach lediglich für Sicherheit bei einer Trump-Kundgebung in Washington sorgen. "Die Oath Keepers sind im Grunde genommen eine Friedenstruppe", sagte Rhodes' Anwalt Phillip Linder während des Prozesses.

Sturm aufs Kapitol ein schwarzer Tag der US-Geschichte

Trump hatte nach der Präsidentschaftswahl wochenlang vielfach widerlegte Wahlbetrugsvorwürfe erhoben. Am Mittag des 6. Januar 2021 rief der Republikaner seine Anhänger auf, zum Kapitol zu marschieren und "auf Teufel komm raus" zu kämpfen. Der folgende Angriff auf das Kapitol mit fünf Toten sorgte weltweit für Entsetzen und gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie. 

In den Wochen und Monaten nach der Kapitol-Erstürmung wurden mehr als 870 Angreifer festgenommen. In zahlreichen Fällen wurden bereits Strafen verhängt, unter anderem wegen Angriffen auf Polizisten. Der Prozess gegen die Oath Keepers ist im Zusammenhang mit der Attacke auf das Kapitol der erste mit dem Anklagepunkt "aufrührerischer Verschwörung". Dieser richtet sich unter anderem gegen Versuche, die US-Regierung zu stürzen, und kommt in den USA nur selten zur Anwendung.

Auch andere Extremisten ein Fall für US-Justiz

Ein Freispruch der Geschworenen für Rhodes und die anderen Oath Keepers, wäre ein schwerer Rückschlag für die Staatsanwaltschaft gewesen. Zumal die US-Justiz auch Mitgliedern einer anderen Extremistengruppe, der Proud Boys, wegen "aufrührerischer Verschwörung" den Prozess machen will.

Ein Jahr nach der Kapitolstürmung: "Viele befürchten, dass das nur die Generalprobe war"

Der Ex-Soldat Rhodes, ein Jura-Absolvent der US-Eliteuniversität Yale, hatte die Oath Keepers 2009 gegründet. Die Miliz rekrutiert insbesondere frühere oder aktuelle Polizisten und Soldaten und will sich gegen eine angebliche Tyrannei durch die US-Regierung zur Wehr setzen. Wie bei anderen Extremistengruppen gibt es bei den Oath Keepers große Sympathien für Trump.

tkr AFP

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