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Kommentar

Korruption am Kap: Präsident Jacob Zuma ist weg - doch das Problem in Südafrika ist der ANC

Bis zuletzt hat sich Südafrikas Präsident Jacob Zuma gegen seinen Abgang gesträubt. Es nützte ihm nichts. Ist das jetzt der Neuanfang, auf den nun viele hoffen?

Von Marc Goergen

Das Ende war typisch. Kurz bevor Südafrikas Präsident Jacob Zuma am Mittwoch verkündete, er trete zurück, saß er zum Interview im Staatsfernsehen SABC. Und sagte mit Unschuldsmiene: Er wisse gar nicht, was er falsch gemacht habe. Er habe immer wieder gefragt – aber niemand habe es ihm gesagt.

Nun ja.

Jacob Zuma steht so ziemlich für alles, was in Südafrika in den vergangenen Jahren schief gelaufen ist. Er installierte ein System aus Patronage und Korruption, das die einstige Hoffnungsnation Afrikas in Richtung Bananenrepublik abdriften ließ. Er nutzte ungeniert Staatsgeld, um sein Privathaus in der Heimatprovinz KwaZulu-Natal zur Villa samt Pool und Heli-Pad umrüsten zu lassen – und war erst bereit, das Geld zurückzuerstatten, als ihn das Verfassungsgericht dazu verdonnerte. Er ließ eine indische Familie, die Guptas, zu den heimlichen Herrschern im Land werden, so mächtig, dass sie in der Lage waren, Zuma zu diktieren, wer denn Finanzminister sein sollte – und der Präsident zwei Tage später panisch zurückrudern musste, als der Kurs der Landeswährung Rand an den Finanzmärkten immer weiter abstürzte.

Es wäre allerdings zu einfach zu glauben, mit dem neuen Präsidenten Cyril Ramaphosa würden all diese Probleme verfliegen. Sicher, Ramaphosa gilt als harter Gegner der Korruption. Er hat sein wohl mehrere hundert Millionen Euro schweres Vermögen vor allem klugen Investments im Bereich Minen zu verdanken. Schon Nelson Mandela wollte Ramaphosa Ende der Neunziger als seinen Nachfolger – seine Partei, der ANC, entschied sich aber für Thabo Mbeki.

Der Befreier ANC scheiterte im Frieden

Das Problem allerdings ist der ANC selbst. Wie fast alle Befreiungsbewegungen auf dem Kontinent hat es der Afrikanische Nationalkongress zwar geschafft, die weißen Machthaber zu vertreiben, ist aber im Frieden gescheitert. Vor allem mangels Konkurrenz. Trotz starken Verlusten bei den letzten Wahlen ist nicht zu erwarten, dass der ANC unter die Marke von 50 Prozent abrutscht oder nicht mehr Regierungspartei ist. Zu stark ist noch immer die Legitimation, auf die er sich als Befreier vom weißen Joch berufen kann – und zu sehr ist die Hauptoppositionspartei Democratic Alliance in den Augen vieler Schwarzer noch immer eine Partei des alten Apartheid-Regimes.

Damit es Südafrika besser geht, müsste auch Ramaphosa scheitern

Ramaphosa bringt alles mit, um das Land nach den bleiernen Zuma-Jahren etwas nach vorne zu bringen. Das Paradoxe allerdings: Damit Südafrika langfristig erfolgreich werden kann, damit das Land endlich den Weg einer normalen Demokratie einschlagen kann, müsste auch Ramaphosa scheitern – und mit ihm der ANC. Nur ein Regierungswechsel, nur ein ANC in der Opposition, könnte die de facto Staatspartei läutern.

Darauf deutet allerdings im Moment wenig hin.