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Konflikt mit der Türkei: Kommentar zum Abschuss: Eskalation ist Putins Schuld

Der türkische Präsident Erdogan bleibt seiner Haltung in Syrien treu. Kremlchef Putin redet und handelt dagegen längst wie ein Mann, der es gewohnt ist, mit seinen einfachen Lügen durchzukommen. Einer Lösung des Konflikts steht er damit im Weg.

Ein Kommentar von Raphael Geiger

Wladimir Putin

Putin erzählt der Welt, er wolle den IS angreifen - in Wahrheit bombardiert er fast nur die Rebellen

Man kann dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan viel vorwerfen, gerade außenpolitisch, gerade in Syrien, aber die Eskalation, die wir erleben, ist nicht seine Schuld. Sie ist Putins.

Erdogan ist sich in seiner Haltung zu Syrien treu geblieben, im Guten wie im Schlechten; er war immer zu tolerant gegenüber Islamisten, lieferte ihnen auch Waffen, ließ selbst den IS gewähren – oder unterstützte ihn, zumindest indirekt. Erdogan trieb die Furcht vor einem kurdischen Staat an der türkischen Südgrenze. Ohne ihn wäre der IS wahrscheinlich nicht so schnell so erfolgreich geworden.

Erdogan hat aber auch von Anfang an, also seit 2011, den Diktator Baschar Al-Assad abgelehnt und seine Gegner, die Rebellen, unterstützt. So klar hätte man sich das auch vom Westen gewünscht, der ihm inzwischen gefolgt ist - zu spät. Erdogan hat früh eine Flugverbotszone gefordert, damals wäre sie noch möglich gewesen und hätte ganz sicher zehntausende Leben gerettet. Heute ist sie kaum noch durchzusetzen, denn sie müsste sich nicht nur gegen die syrische, sondern auch gegen die russische Luftwaffe richten.

Putin nennt sie alle "Terroristen"

Putin erzählte der Welt, er wolle den IS angreifen. In Wahrheit bombardiert er fast nur die Rebellen, die gegen seinen Verbündeten Assad kämpfen - und nebenbei auch gegen den IS, in Wahrheit stärkt Putin den IS also. Die vielen syrischen Kämpfer, die ihre Dörfer gegen die verbrecherische Assad-Armee verteidigen: Sie sind neben den Kurden auch die Einzigen, die den IS am Boden angreifen.

Gerade deshalb bekommen sie mittlerweile Unterstützung von den USA, während sie von Russland bombardiert werden. Putin nennt sie alle "Terroristen". Es ist die Rhetorik einen intelligenten Mannes, der inzwischen offenbar mit einfachen Lügen durchzukommen gewohnt ist.

Russische Maschinen über Syrien bedeuten kein bisschen Fortschritt für Syrien, sie verschlimmern nur die Lage. Eine weitere Gefahr für das syrische Volk, und für alle syrischen Kämpfer, die noch moderat geblieben sind; die nach wie vor weder an Diktatur noch an Kalifat glauben.

Wie Assads Luftwaffe wird auch die russische noch mehr Verluste in Syrien erleben. Weil sich Putin tief in einen Konflikt begeben hat, der schon jetzt eine Katastrophe ist. Nicht, um Terroristen zu bekämpfen, sondern um das Assad-Regime zu schützen - und damit die russischen Militärbasen, den russischen Einfluss.

Putin ist nicht Teil einer Lösung für Syrien, er steht ihr entgegen. Putin stützt den Diktator und nützt dem Kalifen. Schlimmer kann Politik nicht sein.