HOME

Syrien-Konflikt: Geheimtruppe soll Giftgas-Bestände im Land verteilen

Will die syrische Regierung den USA den Militärschlag erschweren? Einem Medienbericht zufolge verteilt eine geheime Militäreinheit unter Assad Teile des Giftgasarsenals im ganzen Land.

Eine geheime Militäreinheit soll einem Medienbericht zufolge Teile des syrischen Giftgasarsenals in dem Land verteilt haben. Die Bestände seien an mindestens 50 verschiedene Orte gebracht worden, berichtete das "Wall Street Journal" in seiner Onlineausgabe unter Berufung auf Regierungsvertreter aus den USA und dem Nahen Osten. Auch Munition sei von der Elitetruppe verlagert worden. Ziel sei es gewesen, den Vereinigten Staaten einen Militärschlag zu erschweren. Die Aktion wecke aber auch Zweifel an der Umsetzung des Plans Russlands, nach dem Präsident Baschar al-Assad seine Chemiewaffen unter internationale Kontrolle stellen soll, hieß es weiter.

Das "Journal" berichtete, die Spezialeinheit "Unit 450" sei schon seit Monaten damit beschäftigt, die Giftgas-Bestände im Land zu verteilen. Inzwischen gebe es fast zwei Dutzend Hauptlager, an denen die Waffen aufbewahrt würden. Hinzu kämen Dutzende kleinere Lager in allen Landesteilen. Dessen ungeachtet gingen US- und israelische Geheimdienste davon aus, dass sie wüssten, wo die meisten Chemiewaffen aufbewahrt würden, schrieb die Zeitung.

Die USA und Russland beraten derzeit in Genf über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffenbestände. Die Regierung in Washington wirft Assad einen Giftgasangriff vor.

Nach Worten des UN-Botschafters Baschar Dschaafari ist Syrien bereits Vollmitglied der Internationalen Chemiewaffen-Konvention. Dies sei seit heute der Fall, sagte Dschaafari am Donnerstag vor Journalisten in New York. Zuvor seien die nötigen Dokumente bei den Vereinten Nationen eingereicht worden. Dort gab es allerdings Zweifel an diesen Aussagen. Zunächst war unklar, ob Syrien bereits alle Bedingungen erfüllt, um Mitglied zu werden.

Das diplomatische Ringen um die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen geht am Freitag in die zweite Runde. Nach einem ersten, laut Diplomaten "konstruktiven" Gespräch zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Donnerstag in Genf sollten die Beratung über Moskaus Plan fortgesetzt werden. Trotz des syrischen Antrags bei der UNO, der Chemiewaffenkonvention beizutreten, hat Washington seine Angriffsdrohung nicht zurückgenommen.

USA werfen Russland fehlende Meinungsfreiheit vor

Unterdessen haben die USA nach der Kritik von Russlands Präsident Wladimir Putin an ihrem Verhalten im Syrien-Konflikt den Spieß umgedreht und Russland einen Mangel an Meinungsfreiheit vorgeworfen. "Im Gegensatz zu Russland stehen die USA für demokratische Werte und Menschenrechte im eigenen Land und rund um die Welt ein", sagte US-Präsidialamtssprecher Jay Carney am Donnerstag in Reaktion auf eine aufsehenerregende Kolumne von Putin in der "New York Times". Darin pries sich der Präsident für den russischen Vorschlag zur Kontrolle der syrischen Chemiewaffen durch internationale Beobachter und warf den USA eine Tendenz zur "brachialen Gewalt" in globalen Konflikten vor. US-Präsident Barack Obama selbst hat sich zu dem Artikel nicht geäußert.

kmi/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters