Terrorgefahr Jeder Dritte befürchtet neuen Weltkrieg


Mit Beginn des Irak-Krieges steigt die Angst vor Terror-Anschlägen weltweit sprunghaft an. Die Regierungen beruhigen ihre Bürger - und verschärfen zugleich die Sicherheitsmaßnahmen. Jeder dritte Deutsche hat Angst vor einem neuen Weltkrieg.

Mit Beginn des Irak-Krieges hat sich die Terror-Gefahr in Deutschland und anderen Ländern verschärft, obwohl es keine konkreten Hinweise auf Anschläge gebe, teilte das Bundesinnenministerium mit. "Gelassenheit wahren, aber bei höchster Wachsamkeit", gab Bundesinnenminister Otto Schily die Parole aus. Niemand könne terroristische Anschläge ausschließen, so Bundeslanzler Gerhard Schröder. "Aber es gibt in Deutschland keinen Grund zur Panik oder zu besonderer Sorge." Doch Bund und Länder haben ihre Sicherheitsmaßnahmen ausgeweitet, die Grenzkontrollen wurden verstärkt. Die Bundesanwaltschaft verhörte fünf mutmaßliche Moslem-Extremisten, die vermutlich "in naher Zukunft" Anschläge in Deutschland verüben wollten.

Ungeachtet der realen Gefahr macht der Krieg beinahe allen Deutschen Angst. Laut einer Umfrage der Zeitschrift "Bildwoche" vom Donnerstag fürchtet jeder Dritte den Ausbruch eines neuen Weltkrieges. 29 Prozent ängstigen sich vor Terroranschlägen auf deutschem Boden.

Aktentasche mit Zement sorgt für Aufregung

In ganz Deutschland wurden daher insbesondere Einrichtungen der USA und ihrer Verbündeten sowie israelische Institutionen zusätzlich geschützt. Gegen die Botschaften der USA und Israels habe es bereits Terrorwarnungen gegeben, berichtet die Polizei. In Frankfurt wurde die Straße vor der US-Vertretung gesperrt. In der Hauptstadt verstärkte die Polizei die Zahl der Beamten und die Absperrungen vor den Botschaften der USA, Großbritanniens und Spaniens. Die US-Botschaft gleicht schon seit Monaten einer Festung. Für Aufregung sorgte dort in den frühen Morgenstunden eine herrenlose Aktentasche, die vor der Absperrung abgestellt worden war. Die Polizei rückte mit einem Wassergewehr an und zerschoss das verdächtige Objekt. Der Inhalt der Tasche stellte sich als harmlos heraus: Sie war mit Zement gefüllt.

Sicherheitsstufe "Charlie"

Auch am Frankfurter Flughafen wurden die Sicherheitsvorkehrungen weiter erhöht. Nach Angaben des Verkehrsleiters wurden neben amerikanischen und britischen Fluglinien zusätzlich die Fluggesellschaften Qantas aus Australien sowie Iberia und Futura aus Spanien unter besonderen Schutz gestellt.Das Kommando der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) hatte die Warnstufe bereits am Dienstag auf das zweithöchste Niveau "Charlie" heraufgesetzt. Die Lufthansa strich für Donnerstag und Freitag sämtliche Flüge nach Tel Aviv, Amman, Kuwait, Beirut und Dammam in Saudi Arabien.

Auch bei deutschen Großkonzernen hat der Beginn des Irak-Krieges für erhöhte Alarmbereitschaft gesorgt. Weil die Sicherheitsstandards nach dem 11. September 2001 aber schon verschärft wurden, ergriffen die Unternehmen nur vereinzelt weitergehende Maßnahmen zum Schutz ihrer Werke und Mitarbeiter. Der Energiekonzern RWE hat die Sicherheitsvorkehrungen an seinen Kernkraftwerken verstärkt. Die BASF untersagte sämtliche dienstlichen Flugreisen in die Golfregion. In Frankfurt am Main werden nach Angaben der Polizei die Bankenhochhäuser in der Innenstadt verstärkt bewacht.

Japan schützt Atomreaktoren und US-Basen

Auch in anderen Ländern wächst mit Kriegsbeginn die Nervosität. Die japanische Regierung forderte Polizei, Küstenwache und Atombetreiberfirmen zu genauer Beaufsichtigung der mehr als 50 Atomreaktoren im Lande auf. Ministerpräsident Junichiro Koizumi hatte sich in den vergangenen Tagen ungeachtet starker Ablehnung in der Bevölkerung voll hinter das harte Vorgehen der USA gestellt. Vor diesem Hintergrund gibt es in Japan Angst vor Vergeltungsschlägen. Unter anderem sollen auch US-Militärbasen und der Sitz des Regierungschefs noch stärker bewacht werden. Anti-Bioterroreinheiten der Selbstverteidigungsstreitkräfte könnten innerhalb einer Stunde an jedem Ort eingesetzt werden, hieß es.

In New York, seit dem 11. September 2001 ohnehin dauerhaft in einer Art Kriegszustand, versuchen die Menschen, Gelassenheit zu bewahren - zumindest nach außen hin. Doch auf den Straßen herrscht massive Polizeipräsenz; für die gesamten USA erhöhte das neue Ministerium für Heimatschutz die Terror-Alarmstufe auf das zweitoberste Level "Orange" - schon zum dritten Mal innerhalb von 18 Monaten.

Kampfflugzeuge kreisen über New York

Die 36.500 Beamten des New York Police Department sind in Alarmbereitschaft versetzt, unter dem Namen "Operation Atlas" wurde ein Bündel von Sicherheitsmaßnahmen gestartet. Hunderte Polizeibeamte haben an Orten Stellung bezogen, die Ziel von Anschlägen werden könnten, wie etwa Kirchen, Brücken, Tunnel und Touristenattraktionen. Einheiten der Nationalgarde patroullieren an Times Square und Wall Street. Polizisten durchsuchen Mülleimer nach versteckten Bomben, über der Stadt kreisen Kampfflugzeuge und Hubschrauber. Unterdessen können sich durch die neuen Maßnahmen nicht alle Bürger sicherer fühlen: Mehrere Dutzend irakisch-stämmige Menschen wurden verhaftet - aus Furcht vor Spionage oder Terroranschlägen.


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