Terrorregime in Kambodscha Pol Pots Schlächter vor Sondertribunal


Die Roten Khmer stehen für eines der grausamsten Regime des 20. Jahrhunderts. Fast zwei Millionen Kambodschaner fielen der Herrschaft von Diktator Pol Pot zum Opfer. Spät wird seinen Schergen der Prozess gemacht. Nun ist Kaing Guek Eav dran, genannt Duch, Leiter des Folter-Gefängnisses S 21 - und sein Anwalt fordert Menschenrechte ein.

Dreißig Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer von Pol Pot in Kambodscha hat am Dienstag vor einem Sondergericht der erste Prozess gegen einen ihrer Anführer begonnen. Als Erster muss sich der als "Duch" berüchtigte ehemalige Gefängnisleiter Kaing Guek Eav vor dem von den Vereinten Nationen unterstützten Tribunal in Phnom Penh für seine Verbrechen verantworten. Duch ist einer von insgesamt fünf Angeklagten.

Der Vorsitzende Richter Nil Nonn sagte, mit dieser ersten Anhörung nehme das Gericht seine Arbeit als faire und unabhängige Einrichtung auf. Dem 66-jährigen Duch werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verstöße gegen das damals geltende Strafgesetz vorgeworfen. In dem berüchtigten Gefängnis Tuol Sleng, berüchtigt als "S 21", wurden zwischen 1975 und 1979 bis zu 16.000 Männer, Frauen und Kinder gefoltert und ermordet.

"Menschrechte gelten auch für die Angeklagten"

Der Angeklagte traf in einem gepanzerten Geländewagen mit getönten Scheiben vor dem Gerichtsgebäude ein. Er nahm in blauem Hemd mit offenem Kragen auf der Anklagebank hinter Panzerglas Platz, das ihn vor Angriffen von Opfern des Regimes der Roten Khmer schützen sollte, und folgte den Ausführungen des Richters aufmerksam mit versteinertem Blick über Kopfhörer.

Duchs französischer Verteidiger François Roux nannte es unhaltbar, dass sein Mandant mehr als neun Jahre ohne Prozess hinter Gittern saß. Roux forderte zum Prozessauftakt Respekt für die Menschenrechte seines Mandanten. Er legte Einspruch gegen den Antrag ein, einen neuen Nebenkläger zuzulassen, der sich erst nach Ablauf der gesetzten Frist gemeldet hatte. Das verstoße gegen die Regeln des Gerichts, das nach langen Verhandlungen zwischen Kambodscha und den UN außerhalb der Hauptstadt Phnom Penh eingerichtet worden war.

"Der Angeklagte hat seine Verantwortung für S 21 schon öffentlich eingeräumt", sagte Roux. "Wir verteidigen jemand, dem die schlimmsten Verbrechen vorgeworfen werden. Aber er hat das Recht auf einen fairen Prozess. Die Rechte, die die Opfer einfordern, gelten auch für den Angeklagten: die Menschenrechte."

In den auf höchstens drei Tage angesetzten ersten Anhörungen soll es zunächst um Verfahrensfragen gehen. Die eigentliche Verhandlung wird erst für die zweite Märzhälfte erwartet. Duch ist der jüngste der fünf Angeklagten vor dem Sondertribunal, der älteste ist 83 Jahre alt. Das Gericht war im Jahr 2006 nach fast zehnjährigen Verhandlungen zwischen den UN und Phnom Penh ins Leben gerufen worden.

Die Roten Khmer hatten von 1975 bis 1979 Millionen Stadtbewohner zur Landarbeit verpflichtet. Bei ihren gesellschaftlichen Umwälzversuchen töteten sie bis zu zwei Millionen Menschen, die sie als "Verräter der Revolution betrachteten". Die Bewegung wurde 1979 mit Unterstützung aus dem benachbarten Vietnam gestürzt, kämpfte jedoch noch bis 1998, dem Todesjahr von Pol Pot, aus dem Untergrund weiter.

Todesstrafe ausgeschlossen

Kaing Guek Eav alias Duch war ursprünglich Mathematiklehrer. Einer seiner Professoren war Son Sen, der spätere Verteidigungsminister der Roten Khmer. Auch Duch schloss sich der ultramaoistischen Bewegung an, wurde jedoch von der damaligen Regierung verhaftet und gefoltert. 1970 kam er wieder aus dem staatlichen Gefängnis frei und wurde zum Verantwortlichen für die Gefangenen der Roten Khmer. Als diese 1975 die Macht übernahmen, leitete er das als "S 21" bekannte Gefängnis Tuol Sleng in Phnom Penh. Die Zahl der Menschen, die dort gefoltert und auf den benachbarten "Killing Fields" brutal getötet wurden, schwankt zwischen 12.000 und 16.000.

Nach dem Sturz der Roten Khmer verschwand Duch im Dschungel, wurde jedoch vor zehn Jahren festgenommen. Ein Fotograf hatte den Totgeglaubten entlarvt. Ihm droht jetzt lebenslange Haft, die Todesstrafe kann das Tribunal nicht verhängen. Den anderen vier Angeklagten soll erst nach dem Urteil gegen Duch der Prozess gemacht werden.

AFP/DPA DPA

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