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Tibet: Parteichef will "Mauer aus Stahl" errichten

Säbelrasseln im Tibetkonflikt: Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei in Tibet verspricht einen "totalen Sieg". Er will eine "Mauer aus Stahl" bauen. Der Dalai Lama, Oberhaupt der Tibeter, hat dagegen von China mehr "moralische Autorität" gefordert.

Der Chef der Kommunistischen Partei in Tibet hat die Sicherheitskräfte für ihr Vorgehen bei den jüngsten Protesten gegen die chinesische Herrschaft gelobt. Gegen Gefahren für die nationale Sicherheit würden Partei- und Regierungsmitarbeiter, Soldaten und Polizei eine "Chinesische Mauer aus Stahl" errichten, wurde Zhang Qingli am Montag von der Zeitung "Xizang Ribao" zitiert. Ein "totaler Sieg im Kampf gegen den Separatismus" ist möglich, sagte Zhang.

Die antichinesischen Proteste in Tibet begannen am 10. März in der Hauptstadt Lhasa. Am 14. März wurden dort mehrere Hundert Geschäfte in Brand gesetzt. Nach Angaben der Behörden kamen bei den Unruhen 22 Menschen ums Leben. Die tibetische Exilregierung spricht jedoch von mindestens 140 Toten. Mehr als 1000 Personen wurden verhaftet.

Das Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, sagte am Rande einer Konferenz in den USA in Bezug auf Tibet: "Früher oder später muss die Kommunistische Partei Chinas die Realität anerkennen und gemäß der Realität handeln." Er unterstütze das chinesische Bestreben, Supermacht zu werden. Jedoch fehle China ein wichtiges Element dazu. China sei groß genug dafür, habe auch die entsprechende militärische und wirtschaftliche Macht. Peking fehle aber die "moralische Autorität". Um eine wichtigere Rolle weltweit zu spielen, "ist moralische Autorität sehr nötig", sagte der Dalai Lama.

Nach den Worten des Dalai Lama gebe es Gespräche seiner Vertreter mit den Chinesen. Diese liefen über "private Kanäle". Deshalb wolle er auch keine Spekulationen anstellen. Er selbst habe keine direkten Kontakte.

Der Dalai Lama hat sich für friedliche Proteste am Rande des olympischen Fackellaufs ausgesprochen. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter sagte vor Journalisten in Seattle (US-Bundesstaat Washington), diese Form des Protests müsse erlaubt sein. Wie die "Seattle Times" in ihrer Internetausgabe weiter berichtete, wiederholte Dalai Lama seine Drohung, dass er als politischer Führer zurücktreten werde, falls die Lage in Tibet außer Kontrolle geraten sollte.

Der 72-Jährige, der sich zu einer mehrtägigen Konferenz in Seattle aufhält, erneuerte auch seine Unterstützung für Peking als Austragungsort der Olympischen Spiele. Jedoch müsse es den Staats- und Regierungschefs überlassen werden, ob sie die Eröffnungsfeierlichkeiten im August boykottieren wollten oder nicht.

Auf ihrer Reise rund um die Welt macht die olympische Fackel Station im Sultanat Oman. Das Nationale Olympische Komitee teilte mit, der omanische Sportminister Ali bin Massud al-Sunaidi habe die Flamme, die aus Daressalam eintraf, zusammen mit Dutzenden von Sportfunktionären in der Hauptstadt Maskat entgegengenommen. Der Fackellauf, an dem 80 Sportler teilnehmen sollten, war für den frühen Abend geplant. Im Oman werden derzeit Tageshöchsttemperaturen von etwa 39 Grad erreicht.

Mit Protesten antichinesischer Olympia-Gegner wurde im Oman nicht gerechnet. Der Oman gilt als einer der sichersten arabischen Staaten, weil es in dem Sultanat bislang keine Anschläge islamistischer Terroristen gab. In London, Paris und San Francisco war der Fackellauf in der vergangenen Woche von Protesten gegen die Tibet- und Menschenrechtspolitik Pekings begleitet worden.

AP/DPA / AP / DPA