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stern-Interview mit Ex-Premier: Tony Blair: "Die politische Mitte Europas ist bedroht - von links wie von rechts"

Tony Blair ist skeptisch, was die Zukunft Europas angeht. Im Interview mit dem stern fürchtet Großbritanniens Ex-Premier, dass der Kontinent im Strudel des Populismus und im Wettbewerb mit den Riesen USA und China untergeht.

Tony Blair

Vor zwei Jahren stimmten seine Landsleute für den Abschied von der EU. Ex-Premier Tony Blair hofft unverdrossen auf einen Sinneswandel

Der frühere britische Premierminister Tony Blair ist besorgt um den Zustand der westlichen Demokratien in Zeiten von Brexit und wachsendem Populismus. In einem Interview mit dem stern sagt Blair, die Vorherrschaft des Westens sei bedroht. "Wir werden drei Riesen haben. Nämlich China, Indien und die USA. Wenn du von diesen Riesen nicht zerquetscht werden willst, helfen nur Allianzen." Das sei einer der Gründe, warum er so leidenschaftlich gegen den Brexit in seiner Heimat kämpfe. "In diesen Zeiten sind sezessionistische Bewegungen wie hier oder in Spanien schlicht verrückt", sagt er dem stern.

Der wirtschaftliche Aufschwung und Indiens sei zwar der normale Gang der Dinge, aber der zweite Teil der Herausforderung sei viel ernster. "Die wachsende Attraktivität autoritären Führungsstils. Donald Trumps Erfolg hat gewiss damit zu tun, dass er die Bürger angesprochen hat, die sich an den Rand der Gesellschaft gedrückt fühlten. Aber das erklärt nicht alles. Die andere Erklärung ist, dass er sagt: 'Ich kriege Dinge erledigt. Ich packe das an.' So geht er vor, auch wenn wir mit ihm nicht übereinstimmen."

Blair: "Europa muss entschieden die eigenen Interessen wahrnehmen"

Der G7-Gipfel am vergangenen Wochenende habe gezeigt, "wie wichtig es ist, dass Europa einig und stark bleibt. Der Brexit bewirkt das Gegenteil. Ich verstehe durchaus die Sicht der USA. Aber daraus folgt, dass Europa ebenso entschieden die eigenen Interessen wahrnehmen muss."

, von 1997 bis 2007 britischer Premier, kämpft nach wie vor unverdrossen gegen den EU-Ausstieg und hält diesen Kampf fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Referendum für keineswegs verloren. Im stern sagt er, die Chancen stünden viel besser, als viele Leute glauben. "Zu Beginn des Jahres dachte ich, wir wären bei 25 Prozent. Inzwischen denke ich eher an 40 Prozent." Der Brexit sei ein großer Fehler. Er könne ein Klima des ungesunden Wettbewerbs zwischen Großbritannien und Europa auslösen. Blair: "Die Leute glaubten offenbar, wir würden freier und selbstbestimmter sein. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir werden nicht freier sein."

Blair zum Brexit: "Wir werden nicht freier sein"

In dem Gespräch äußert sich Blair auch über Populismus in Europa und die Ängste der Menschen. Die Politik brauche eindeutig mehr Sensibilität in Fragen von Migration und kulturellen Veränderungen und das schließe den ehrlichen Umgang mit Kriminalität ein. Das hätten nicht zuletzt die Wahlen in Italien gezeigt. "Wenn wir das nicht hinkriegen, werden wir versagen. Deshalb ist die politische Mitte bedroht – von links wie von rechts", sagt Blair im .

Das komplette Interview lesen Sie im neuen stern.