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Tote in Pakistan: Terroristen eröffnen Feuer auf Kricket-Team

Der Terror in Pakistan macht vor dem Sport nicht halt: Bewaffnete haben in Lahore das Kricket-Team von Sri Lanka angegriffen. Während die Sportler überlebten, starben mindestens sechs Polizisten und ein Zivilist im Kugelhagel. Der Gouverneur der Provinz spricht von "geplantem Terror", schließlich waren die Angreifer ausgerüstet wie eine Armee.

Bei einem spektakulären Terrorangriff auf das sri-lankische Kricket-Team in der ostpakistanischen Stadt Lahore sind am Dienstag mindestens sieben Menschen getötet worden. Nach Angaben der Behörden starben fünf Polizisten aus der Eskorte der Mannschaft, ein Verkehrspolizist und ein pakistanischer Zivilist. Sportler kamen nicht ums Leben. Allerdings seien sechs Spieler bei dem Angriff verletzt worden, berichtete Sri Lankas Sportminister Gamini Lokuge. Auch der australische Trainer des Teams soll Verwundet worden sein. Nach Angaben der Stadtverwaltung erlitten insgesamt zwölf Menschen Verletzungen. Der Angriff hat wegen der großen Beliebtheit von Kricket in Südasien hohe Symbolkraft und ist vergleichbar mit einem Terroranschlag auf eine Fußball-Nationalmannschaft in Europa.

Der Gouverneur der ostpakistanischen Provinz Punjab, Salman Taseer, machte radikalislamische Terroristen verantwortlich. "Das sind dieselben Menschen, die die Angriffe von Mumbai, dem ehemaligen Bombay, ausgeführt haben", sagte er in Anspielung auf die Terrorserie im vergangenen November in der westindischen Wirtschaftsmetropole. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Rehman sagte, rund ein Dutzend Männer hätten den Konvoi der Nationalmannschaft in der Stadtmitte Lahores angegriffen. Die Angreifer konnten entkommen.

Zu dem Angriff kam es in einem wohlhabenden Stadtviertel Lahores, wenige hundert Meter vom Gaddafi-Stadion entfernt. In dem Stadion sollten die Mannschaften Sri Lankas und Pakistans am Dienstag den dritten Tag eines fünftägigen Matches bestreiten. Das Spiel wurde abgesagt. Die sri-lankische Nationalmannschaft kündigte ihre Rückkehr in die Heimat an.

Raketenwerfer, Handgranaten und Maschinengewehre

In Lahore, der Hauptstadt der Provinz Punjab, haben radikalislamische Aufständische in der Vergangenheit mehrfach Anschläge verübt, die Stadt ist aber sicherer als Orte etwa im Grenzgebiet zu Afghanistan. Punjabs Gouverneur Taseer sagte: "Das waren keine gewöhnlichen Terroristen. Sie waren sehr gut ausgebildet und schwer bewaffnet." Sicherheitskräfte hätten die Gegend umstellt und würden die Täter "fangen oder töten". Die Polizei fand am Tatort Handgranaten und Sprengstoff.

Auch der Polizeichef von Lahore, Habib-ur Rehman, sagte, bei den Angreifern habe es sich um "gut ausgebildete Terroristen" gehandelt. Die zwölf Männer seien mit Raketenwerfern, Handgranaten und Maschinengewehren ausgerüstet gewesen. Insgesamt habe der Schusswechsel 25 Minuten gedauert.

Ein Augenzeuge berichtete, die Angreifer hätten versucht, den Minibus mit der Nationalmannschaft zu stoppen. Dem Fahrer sei es aber gelungen, davonzufahren und ins Stadion zu gelangen. Von dort aus wurden die Spieler mit einem Hubschrauber in Sicherheit gebracht. Nachrichtensender zeigten, wie Angreifer mit Sturmgewehren das Feuer auf eine Polizei-Eskorte der Nationalmannschaft eröffneten. Auf Fernsehbildern war außerdem zu sehen, wie einer der Bewaffneten auf einen verletzten Verkehrspolizisten zuging und ihn erschoss.

Die Regierung in Colombo verteidigte sich gegen Kritik der Opposition, wonach die Nationalmannschaft nicht nach Pakistan hätte geschickt werden dürfen. Sportminister Lokuge sagte, Pakistan habe dem Team Sicherheitsvorkehrungen zugesagt wie sie für Staats- oder Regierungschefs gelten würden. Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse verurteilte die Tat und kündigte die Entsendung von Außenminister Rohitha Bogollagama nach Pakistan an.

Auch Indien schockiert über Welle der Gewalt

Der ebenso spektakuläre wie brutale Angriff sandte auch Schockwellen nach Indien aus, wo die Entwicklung in Pakistan mit großer Sorge verfolgt wird. "Wird sind über diesen Vorfall schockiert", sagte der indische Innenminister Palaniappan Chidambaram. Außen-Staatssekretär Anand Sharma sagte, Terrorgruppen in Pakistan hätten erneut bewiesen, dass sie fähig seien, jederzeit zuzuschlagen. Er forderte erneut den "Abbau terroristischer Strukturen" in Pakistan.

Indien hat Hintermänner aus Pakistan für die Angriffe von Bombay mit mehr als 170 Toten verantwortlich gemacht. Die Terrorserie vor gut drei Monaten hatte die Beziehungen zwischen den benachbarten Atommächten schwer belastet. Neu Delhi hatte eine Tour der indischen Kricket-Nationalmannschaft durch Pakistan nach der Terrorserie abgesagt. Wegen Sicherheitsbedenken hatten in den vergangenen Monaten auch die Kricket-Nationalmannschaften Südafrikas, Australiens und Indiens Spiele in Pakistan abgesagt. Kricket ist Pakistans Nationalsport und auf dem ganzen Subkontinent extrem beliebt.

joe/DPA/AFP / DPA