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Treffen: Bush und Schröder erklärten Krise für beendet

Transatlantisches Tauwetter: "Wir haben die Differenzen, die es gab, hinter uns gelassen", erklärte Bundeskanzler Schröder nach seinem Treffen mit US-Präsident Bush. In der Irak-Politik wandte sich Schröder gegen Zeitdruck bei der Wiederherstellung der irakischen Souveränität.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und US-Präsident George W. Bush haben die Krise in den deutsch-amerikanischen Beziehungen für beendet erklärt. "Wir haben die Differenzen, die es gab, hinter uns gelassen," sagte Schröder nach dem mit Spannung erwarteten Gespräch mit Bush im New Yorker Hotel Waldorf-Astoria, das knapp 40 Minuten dauerte. Beide zeigten sich bereit, nach vorne zu schauen. Neue Einladungen wurden nach Angaben von Außenminister Fischer jedoch nicht ausgesprochen.

Bush: "Gemeinsamen Werten verpflichtet

Auch Bush sagte, die Differenzen seien beendet. Er nannte das Gespräch sehr gut. Deutschland und die USA seien gemeinsamen Werten verpflichtet. Zu den Themen des Gesprächs hätten die Situation in Irak, Afghanistan und im Nahen Osten sowie der Kampf gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen gehört: "Wir haben über die Dinge gesprochen, die wir zusammen machen", sagte Bush.

Gemeinsames Interesse an Stabilität im Irak

Schröder sprach von einem "offenen und vertrauensvollen Gespräch". Neben der internationalen Lage habe man auch über wirtschaftliche Fragen gesprochen. Dabei sei es darum gegangen, wie beide Länder Wachstum fördern könnten. Beim Thema Irak habe er deutlich gemacht, dass es ein gemeinsames Interesse der Staatengemeinschaft gebe, zu Stabilität und Demokratie in dem Land zu kommen. Schröder bekräftigte das deutsche Angebot, irakische Sicherheitskräfte auszubilden. Weitere Wünsche habe Bush nicht geäußert.

Kein Zeitdruck bei Debatte um irakische Souveränität

Hinsichtlich der Verhandlung über eine neue UN-Resolution gebe es "sicher noch unterschiedliche Einschätzungen," räumte Schröder ein. Zum Streit über die Zeitvorstellungen hinsichtlich der Rückgabe der Souveränität an Irak fügte Schröder hinzu, er sei zuversichtlich, "das Zeitfenster zu schließen". Bei den Verhandlungen im UN-Sicherheitsrat stehe man aber nicht unter Zeitdruck - womit sich der Bundeskanzler vorsichtig von der französischen Position absetzte. Frankreich fordert im Gegensatz zu den USA eine schnelle Übergabe der politischen Macht an Iraker, während die USA vor einer aus ihrer Sicht übereilten Übergabe warnen.

Außenminister suchen gemeinsame Position

Allerdings hatte auch Schröder noch am Dienstag für diese Übergabe einen Zeitrahmen von höchstens Monaten gefordert und damit wie bisher die französische Position mitgetragen. Nach dem Treffen mit Bush sagte er, die beiden Außenminister, Colin Powell und Joschka Fischer, seien beauftragt worden, eine gemeinsame Position zu finden.

USA legen erstmals konkreten Irak-Zeitplan vor

Die USA haben erstmals einen konkreten Zeitplan für die Entwicklung im Nachkriegsirak vorgelegt. Der wirtschaftliche und politische Wiederaufbau soll demnach in drei Phasen vollzogen werden. Erste Schritte für eine Verfassung und die Ausbildung irakischer Streitkräfte sind bereits ab Oktober vorgesehen, andere Maßnahmen sind hingegen noch sehr vage formuliert.

Wesentliche Kontrolle nicht vor Februar an Irak

Ab Oktober ist dem US-Papier zufolge die Wiederaufnahme von Berufsausbildungen für Iraker vorgesehen, ebenfalls ab kommendem Monat soll die Kapazität von Elektrizitätsunternehmen bereits wieder 4.000 Megawatt betragen. Eine Steigerung um weitere 1.000 Megawatt - damit dann mehr als vor dem Sturz Saddam Husseins - ist für Januar geplant. Die Kontrolle über Polizei, Häfen und das Eisenbahnsystem soll laut dem US-Plan dagegen nicht vor Februar an die Iraker zurückgegeben werden.

Domokraten kritisierten vage Formulierung

Aus den Reihen der Demokraten im US-Kongress kam scharfe Kritik an dem Plan. Er sei zu vage formuliert und scheine den Irakern eine US-Sicht der Welt aufzudrängen zu wollen. Dies könne als Arroganz gewertet werden.

Ärzte kämpfen um Haschimis Leben

Der Zustand der irakischen Politikerin Akila el Haschimi, die vor vier Tagen Ziel eines Mordanschlags wurde, verschlechterte sich unterdessen offenbar dramatisch. Ärzte im Bagdader US-Militärkrankenhaus bemühten sich mit aller Kraft um das Leben des Verwaltungsratsmitglieds, sagte der Ratssprecher Entifadh Kanbar am Mittwoch.

Zwei neue Anschläge

Bei einem neuen Bombenanschlag in Bagdad wurde ein Iraker getötet, 18 wurden verletzt. Ein selbst gebastelter Sprengsatz explodierte nach Angaben der Polizei, als ein US-Konvoi die Stelle passierte. Die amerikanischen Fahrzeuge seien nicht betroffen gewesen, aber zwei irakische Busse seien zerstört worden. Der Anschlag in Mossul am Mittwoch galt einem Kino, in dem ausländische Sexfilme gezeigt wurden. Laut Augenzeugen wurden zwei Menschen getötet und sieben verletzt.

Tödliche Feuergefechte in Tikrit

In der Region Tikrit im Norden des Landes erschossen US-Soldaten am Mittwoch nach Armeeangaben vier militante Iraker. Bei einem irakischen Überfall auf eine Ölstation südlich von Tikrit sei ein Angreifer getötet worden, bei einem weiteren Zwischenfall hätten die Soldaten drei Iraker erschossen, die mit Granaten und Feuerwaffen in einem Hinterhalt gewartet hätten.

AP-Fotograf festgehalten

Westlich von Bagdad hielten amerikanische Truppen am Dienstag einen Journalisten der Nachrichtenagentur AP mehrere Stunden fest. Die Soldaten zwangen den Fotografen Karim Kadim und seinen Fahrer Mohammed Abbas, bei hoher Temperatur mit gefesselten Händen in der Sonne zu stehen. Die US-Streitkräfte entschuldigten sich später.

Bagdader mehrheitlich froh über Sturz von Saddam

Laut einer neuen Umfrage sind die meisten Einwohner von Bagdad froh über den Sturz von Saddam Hussein. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Gallup-Instituts äußerten 67 Prozent der 1.178 Befragten außerdem die Ansicht, dass es den Irakern in fünf Jahren besser gehen werde als vor der Militäraktion. 47 Prozent gaben allerdings zu bedenken, dass die Wirtschaftslage zurzeit schlechter sei als vor dem Krieg. Eine klare Mehrheit von 62 Prozent war jedoch der Meinung, dass der Sturz des alten Regimes es wert war, gegenwärtig Verschlechterungen hinnehmen zu müssen.