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Covid-19-Erkrankung Trump-Fans spielen "Born in the USA" vor der Klinik – obwohl der Text ziemlich unpassend ist

Unterstützer von Donald Trump vor dem Walter-Reed-Krankenhaus
Unterstützer von Donald Trump vor dem Walter-Reed-Krankenhaus
© Alex Edelman / AFP
Mit einem Klassiker von Bruce Springsteen wollten Unterstützer von Donald Trump ihren Präsidenten aufmuntern und ihren Patriotismus zeigen. Doch bei "Born in the USA" haben die Trump-Anhänger offenbar nicht richtig zugehört.

Während Donald Trump mit seiner Covid-19-Erkrankung im Walter-Reed-Krankenhaus in Bethesda bei Washington lag, versammelten sich seine Unterstützer vor dem Militärhospital. Der US-Präsident winkte ihnen bei einer kurzen Autofahrt zu – obwohl er nach wie vor ansteckend ist. Ärzte und Politiker kritisierten dieses Verhalten, mit dem Trump unter anderem die Secret-Service-Agenten, die ihn im Auto begleiteten, in Gefahr brachte.

Der Begeisterung seiner Anhänger tat das keinen Abbruch. Sie feierten ihren Präsidenten, hielten "Trump"-Plakate in die Höhe und ließen Musik laufen. Darunter auch der Song "Born in the USA" von Bruce Springsteen, wie unter anderem der "Independent" berichtet. Offenbar war den Trump-Fans nicht bewusst, worum es in dem Song wirklich geht – sonst hätten sie das Lied wohl kaum zu diesem Anlass gespielt.

"Born in the USA": Kein patriotisches Lied 

"Born in the USA" ist nämlich – auch wenn der Titel das vermuten lässt – keineswegs ein patriotisch gemeintes Stück. Tatsächlich geht es darin um einen Vietnam-Veteranen und das Versagen der US-Regierung. Bruce Springsteen singt in dem 1984 veröffentlichten Song über einen Soldaten, der aus dem Vietnam-Krieg heimkehrt und von der Gesellschaft in seinem Heimatland abgelehnt wird. Auch viele Jahre später ist es ihm immer noch nicht gelungen, Anschluss zu finden.

Mit der Liebe zum eigenen Land, die Trump so oft proklamiert, hat der Song also wenig zu tun, auch wenn der Titel oft so verstanden wird. Die Unterstützer des Präsidenten hatten anscheinend ebenfalls nicht so genau hingehört. Dafür müssen sie sich jetzt auf Twitter Spott gefallen lassen. Seit vier Jahrzehnten würden rechtsgerichtete Amerikaner den Song nun schon falsch verstehen, schrieb ein User.

Bruce Springsteen ist erklärter Trump-Gegner

Dabei sollte sich nicht nur die Bedeutung des Liedtextes herumgesprochen haben, sondern auch die Haltung von Bruce Springsteen zu Donald Trump. Trumps Team hatte "Born in the USA" bereits bei zahlreichen Auftritten des Präsidenten spielen lassen, der "Boss" hatte sich dagegen gewehrt. Seitdem liefern sich Springsteen und Trump über die Medien verbale Schlagabtäusche.

Er brauche nicht "die Hilfe eines kleinen Bruce Springsteen", hatte Trump im vergangenen Jahr gesagt. Trump wisse nicht, "was es bedeutet, ein Amerikaner zu sein", lautete die Antwort von Springsteen. In einem Interview mit "The Atlantic" bezeichnete der Musiker Trump als "Gefahr für die Demokratie". Und auch musikalisch hat Bruce Springsteen seinen Standpunkt im US-Wahlkampf mehr als klar gemacht: Er hat ein neues Video zu seinem Song "The Rising" aus dem Jahr 2002 gemacht und unterstützt mit dem Lied Trumps Herausforderer Joe Biden.

Quellen: "The Independent" / "The Atlantic" 

epp

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