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Russland-Affäre Trump und Comey – das passierte beim Dinner im "Green Room"


Es klingt wie eine Szene aus einem Mafia-Roman: Bei einem brisanten Dinner drängt US-Präsident Donald Trump FBI-Chef Comey zu einem Beweis seiner Loyalität. So lief der Abend ab – wenn man Comeys Protokoll Glauben schenkt.

Eine Woche nach seiner Vereidigung sitzt Donald Trump mit dem FBI-Chef im Grünen Raum des Weißen Hauses zum Abendessen zusammen. Niemand sonst ist anwesend, außer zwei Kellnern, die nach dem Servieren sofort wieder hinauseilen. Der Präsident sagt zu James Comey: "Ich brauche Loyalität, ich erwarte Loyalität." Eine unbehagliche Stille folgt. "Wir haben uns einfach schweigend angeschaut", beschreibt der inzwischen von Trump geschasste FBI-Direktor den Schlüsselmoment.

Detailreich und plastisch hat Comey seine Kontakte mit Trump festgehalten. Es ist seine Darstellung der Dinge - wie wahrheitsgetreu sie ist, lässt sich schwer nachprüfen. Dennoch haben seine Schilderungen erhebliches Gewicht. Den Verdacht, der Präsident habe Comey unter Druck zu setzen versucht und sich unstatthaft in die FBI-Ermittlungen zu den dubiosen Russland-Kontakten des Trump-Teams eingemischt, hat Comey mit seinen jetzigen Aussagen auf dramatische Weise erhärtet.

Bombe platzt einen Tag früher als erwartet

Comeys Schilderungen entstammen seinem Eingangs-Statement bei seiner für Donnerstag angesetzten Anhörung im Senat. Das Statement wurde vom Geheimdienstausschuss schon am Tag davor veröffentlicht. Dass Comey eine politische Bombe im Gepäck haben würde, hatten viele Beobachter erwartet - dass sie schon einen Tag früher platzen würde, kam völlig unerwartet.

Zwar stellte es Trump in einer ersten Reaktion so dar, als habe Comey ihn entlastet: Er fühle sich "vollkommen bestätigt", erklärte er über seinen Anwalt Marc Kasowitz. Doch bezog sich Trump damit nur auf einige kurze Ausschnitte des siebenseitigen Berichts - nämlich jene Passagen, wonach Comey dem Präsidenten seinerzeit sagte, dass nicht gegen ihn persönlich ermittelt werde.

Das Leitmotiv von Comeys Schilderungen ist jedoch die große Sorge, in die ihn Trumps Vorgehen versetzt habe. Besorgt sei er um den "traditionell unabhängigen Status des FBI innerhalb der Exekutive" gewesen. So leitete der Präsident laut Comey das Gespräch am 27. Januar mit der Frage ein, ob der FBI-Direktor seinen Job zu behalten wünsche. Darauf folgte die Aufforderung zum Loyalitätsbekenntnis. Es ist ein Gesprächsaufbau, der als Druckaufbau gedeutet werden kann.

Comey sichert "ehrliche Loyalität" zu

Comey sicherte Trump nach eigenen Angaben im weiteren Verlauf des Abendessens lediglich "Ehrlichkeit" und dann "ehrliche Loyalität" hinzu. Womöglich hätten er und der Präsident darunter aber unterschiedliche Dinge verstanden, schreibt er.

Mit seinen Aussagen bestätigt der Ex-FBI-Chef viele Informationen, die bereits in den vergangenen Wochen durchgesickert waren. Dies gilt auch für jenes Gespräch, welches das brisanteste war. Es fand laut Comey am 14. Februar statt und drehte sich um Michael Flynn, eine Schlüsselfigur der Russland-Affäre.

Nach einem Anti-Terror-Briefing im Oval Office habe Trump die anderen Teilnehmer herausgebeten. "Als sich die Tür an der Standuhr schloss und wir alleine waren", habe der Präsident ihn gebeten, die Ermittlungen gegen Flynn "sein zu lassen, von Flynn abzulassen".

Der Ex-General war am Tag zuvor vom Posten des Nationalen Sicherheitsberaters zurückgetreten - weil herausgekommen war, dass er über seine Russland-Kontakte gelogen hatte.

Comey wollte offenbar keine weiteren direkten Kontakte mit Donald Trump

Danach war Comey laut seiner Darstellung derart besorgt, dass er Justizminister Jeff Sessions "anflehte", ihm weitere direkte Kontakte mit dem Präsidenten zu ersparen. Doch sei er danach noch zwei Mal von Trump angerufen worden. Dabei habe ihn der Präsident gebeten, die wegen der Russland-Affäre über seiner Präsidentschaft schwebende "Wolke" zu vertreiben.

Comey führt an, alle Unterredungen mit dem Präsidenten im unmittelbaren Anschluss protokolliert zu haben, was die Glaubwürdigkeit seines Berichts untermauern soll. In jedem Falle ist seinen Aufzeichnungen schon jetzt der Status von historischen Dokumenten sicher. Denn die Russland-Affäre hat sich spätestens seit seiner Aussage derart zugespitzt, dass das Schicksal von Trumps Präsidentschaft auf dem Spiel steht.

Daniel Jahn AFP

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