Tschetschenien Eine Wahl als Farce


Offiziell lag die Wahlbeteiligung in Tschetschenien bei fast 90 Prozent, doch die Lokale seien leer gewesen, erklärte jetzt die Moskauer Helsinki-Gruppe. Offenbar wollten die Behörden nicht einmal den Anschein einer fairen Wahl erwecken.

Die Präsidentschaftswahl in Tschetschenien war nach Aussage einer russischen Menschenrechtsorganisation eine Farce. Entgegen der offiziellen Wahlbeteiligung von fast 90 Prozent seien die Wahllokale am vergangenen Sonntag nahezu leer gewesen, erklärte die Organisation Moskauer Helsinki-Gruppe am Mittwoch. Die Behörden hätten nicht einmal versucht, den Anschein zu erwecken, die Wahl laufe fair ab.

Geld für die Stimmabgabe

In Grosny sei außer den Wahlbeobachtern der Organisation kaum jemand auf den Straßen gewesen, sagte die Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ljudmila Alexejewa. Die meisten Tschetschenen hätten die Kaukasusrepublik am Tag der Wahl aus Furcht vor Anschlägen von Rebellen verlassen. In einigen Bezirken habe praktisch jeder Wähler für den gleichen Kandidaten gestimmt. Das sei nicht einmal in totalitären Regimen üblich, erklärte die Menschenrechtsgruppe. Die Gäste einer Hochzeitsgesellschaft, die geschlossen zur Wahl gingen, hätten im Anschluss an ihre Stimmabgabe einen Umschlag mit Geld erhalten.

Der von Moskau unterstützte bisherige Verwaltungschef von Tschetschenien, Achmad Kadyrow, hat die Wahl nach ersten Auszählungsergebnissen mit mehr als 80 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Wahlbeteiligung lag der zentralen Wahlkommission zufolge bei 87,7 Prozent. Kadyrows stärkste Konkurrenten, die in Umfragen vor ihm lagen, hatten ihre Kandidatur entweder zurückgezogen oder waren von der Wahl ausgeschlossen worden. Gegen Kadyrow traten nur sechs weitgehend unbekannte Bewerber an.

Gewalt hält an

Die Gewalt in der Kaukasusrepublik hielt unterdessen weiter an. Innerhalb von 24 Stunden seien vier Soldaten bei Anschlägen von Rebellen ums Leben gekommen, teilte die Moskautreue Verwaltung mit. Truppen beschossen den Angaben zufolge Stellungen mutmaßlicher Rebellen und nahmen rund 180 Personen fest.


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