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Türkei: Deniz Yücel ist frei - aber fünf Deutsche und mehr als hundert türkische Journalisten sind weiter in Haft

Es herrscht Erleichterung nach der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel in der Türkei – doch es gibt weiter Grund zur Sorge. Noch immer sitzen dort fünf Deutsche und mehr als hundert Journalisten aus politischen Gründen im Gefängnis.

Ein Plakat mit der Aufschrift "Free all jailed Journalists" und Deniz Yücel

Auch nach der Freilassung von Deniz Yücel aus der Haft in der Türkei sitzen weiter Deutsche und Journalisten aus politischen Gründen im Gefängnis (Archivbilder)

Deniz Yücel ist nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft in der aus dem Gefängnis entlassen worden. "Endlich!!! Endlich!!! Endlich!!! Deniz ist frei!", jubelte seine Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel auf Twitter. Dahinter setzte sie ein Herz. Auch bei deutschen Politikern ist die Erleichterung über die wiedergewonnene Freiheit des "Welt"-Korrespondenten groß. Schließlich hatte der Fall Yücel das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara monatelang schwer belastet.

Doch die Freude ist getrübt. Denn noch immer sitzen nach Angaben des fünf weitere Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei hinter Gittern. Ihre Namen werden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht mitgeteilt. Außerdem sind mehr als hundert türkische Journalisten und Medienmitarbeiter weiterhin im Gefängnis.

Freilassung von Yücel darf nur der Anfang sein

Die Bundesregierung erklärte denn auch, sie werde sich mit Nachdruck für die anderen Gefangenen einsetzen. "Wir werden weiter alles dafür tun, dass alle in der Türkei zu Unrecht inhaftierten Deutschen so schnell wie möglich freigelassen werden", versicherte Justizminister Heiko Maas (SPD) in .

Auch der Deutsche Journalistenverband erinnerte daran, dass noch mehr als 100 weitere Journalisten in der Türkei im Gefängnis säßen. "Die Vorwürfe gegen die Kollegen sind genauso abstrus, wie sie gegen Deniz Yücel waren", sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall. Sie hätten ähnlich wie Yücel nichts anderes gemacht als ihren Job. "Auch sie müssen freigelassen werden."

Die Freilassung von dürfe nur der Anfang sein, fordert auch Amnesty International. Bei aller Erleichterung bleibe die Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei massiv eingeschränkt, warnte die Menschenrechtsorganisation. "Es bleiben mehr als 100 Journalistinnen und Journalisten in Haft." Auch der türkische Vorsitzende von Amnesty International sitze seit acht Monaten im Gefängnis. Alle Staaten müssten "deutlich und kontinuierlich" die türkische Regierung an die Einhaltung der Menschenrechte und rechtsstaatlicher Prinzipien erinnern.

Lebenslange Haft für prominente Journalisten

Wie zum Beweis für die Berechtigung der Mahnungen verurteilte ein Gericht in Istanbul kurz nach Yücels Freilassung drei prominente Journalisten wegen angeblicher Beteiligung am Putschversuch vom Juli 2016 zu lebenslanger Haft. In dem international kritisierten Verfahren wurden die Brüder Ahmet und Mehmet Altan sowie Nazli Ilicak des "Versuchs zum Umsturz der Verfassungsordnung" schuldig befunden, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Ihnen wurde insbesondere vorgeworfen, vor dem Putschversuch versteckte Botschaften über die Medien geschickt zu haben. Sie hatten die Vorwürfe als "absurd" zurückgewiesen.

In dem Fall wurden auch der frühere Marketingdirektor der Zeitung "Zaman", Yakup Simsek, der "Zaman"-Graphiker Fevzi Yazici und ein Dozent der Polizeiakademie, Sükrü Tugrul Özesengül, verurteilt. Die heute verbotene "Zaman" gehörte zur Gülen-Bewegung, die von für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird.

Anfang Januar hatte das Verfassungsgericht die Freilassung von Mehmet Altan angeordnet, da seine lange U-Haft seine Rechte verletze. Ein untergeordnetes Gericht in Istanbul weigerte sich jedoch, das Urteil umzusetzen. Nach scharfer Kritik der Regierung revidierte das Verfassungsgericht sein Urteil.

mad, mit AFP, DPA