VG-Wort Pixel

Türkei "Welt"-Journalist Deniz Yücel ist frei - Anklage fordert 18 Jahre Haft

Die Türkei lässt den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel frei. Seit der Inhaftierung hatten Menschen unter dem Hashtag #freedeniz in sozialen Netzwerken die Freilassung des Türkei-Korrespondenten der "Welt" gefordert. Nach der Nachricht von Yücels Freilassung brach Jubel los. Erste Reaktionen:

"Ich freue mich sehr über diese Entscheidung der türkischen Justiz.
Und noch mehr freue ich mich für Deniz Yücel und seine Familie. Das ist ein guter Tag für uns alle."

(Sigmar Gabriel (SPD), Bundesminister des Auswärtigen)

"FREE Deniz ! Endlich !"

(Kanzleramtsminister Peter Altmaier bei Twitter)

"Ich freue mich sehr über die guten Nachrichten zu Deniz Yücel, viel zu lange mussten wir darauf warten. Doch wir werden nicht vergessen und uns weiter dafür einsetzen, dass auch alle anderen zu Unrecht inhaftierten Deutschen in der Türkei so schnell wie möglich wieder in Freiheit sein werden."

(Andrea Nahles, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag)

"Das ist eine großartige und überfällige Nachricht. Jeder Tag, den Deniz Yücel im Gefängnis verbracht hat, war einer zu viel. (...) Wir werden weiter alles dafür tun, dass alle in der Türkei zu Unrecht inhaftierten Deutschen so schnell wie möglich freigelassen werden."

(Heiko Maas (SPD), Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, in einer Mitteilung)

"Nach einem Jahr eine befreiende Nachricht... nach Deniz Yücel dürfen wir die anderen politisch Inhaftierten in der Türkei nicht vergessen."

(Der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner, bei Twitter)

"Das ist eine gute Nachricht und ein Grund zur Freude:Deniz #Yücel kommt frei. Er hat 1 Jahr Haft erlitten, weil er von der Presse- und Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht hat. Das ist eine Schande. Deshalb müssen jetzt auch die anderen Journalisten aus der Haft entlassen werden."

(Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann bei Twitter)

"Was für eine schöne, erleichternde Nachricht! Ich danke allen, die sich für Deniz Yücels Freilassung im Laufe des letzten Jahres (!) eingesetzt haben!"

(Aydan Özguz (SPD), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung)

"Eine der besten Nachrichten seit langem und wo gibt: Herzlich Willkommen in der Freiheit."

(Der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne) bei Twitter)

"Einziges Verbrechen: sie machen ihren Job. Wir dürfen sie nicht vergessen!"

(Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter der Grünen, bei Twitter über weitere inhaftierte Journalisten in der Türkei)

"Ein guter Tag für ihn und seine Familie. Der Einsatz für Rechtsstaatlichkeit in der Türkei muss weitergehen, weil viele noch inhaftiert sind."

(Thorsten Schäfer-Gümbel, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, bei Twitter)

"Endlich mal eine gute Eilmeldung. Große Freude & Erleichterung."

(Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag)

"Die nächsten Stunden und Tage werden Klarheit darüber bringen, wie es weitergeht. Wir hoffen, dass Deniz Yücel schon in Kürze nach Deutschland wird zurückkehren können. (...) Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich für sämtliche unschuldig Inhaftierte in der Türkei einsetzt."

(Gemeinsame Mitteilung der Vorsitzenden der Grünen-Fraktion im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter)

"Beste Nachricht des Tages: Deniz Yücel ist wieder frei.
Solidaritätskampagne mit den inhaftierten Journalisten in der Türkei muss aber weitergehen!"

(Bernd Riexinger, Vorsitzender Die Linke, bei Twitter)

"Deniz Yücel endlich wieder frei! Stolz hat er die Demütigung der Haft ertragen. Meine Hochachtung! Wünsche ihm viel Kraft, sein kritischer Geist wird gebraucht - in der Türkei sicher, aber auch bei uns."

(Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, bei Twitter)

"Ich möchte allen danken, die mit unermüdlicher Energie für ihn da waren und sich für seine Freilassung stark gemacht haben - seinen Kollegen, seinen Freunden, der Bundesregierung und dort vor allem Sigmar Gabriel."

(Der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner in einer Mitteilung)

"beste nachricht wo gibt. der newsroom jubelt. danke an alle unterstützer und vor allem den fantastischen anwalt veysel ok. und den außenminister."

(Ulf Poschardt, Chefredakteur "Die Welt", bei Twitter) 
Mehr
Seit mehr als einem Jahr hat "Welt"-Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Haft gesessen. Nun ist er frei. Gleichzeitig steht die Anklage fest.

Nach mehr als einem Jahr in Haft hat der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel nach Angaben seiner Zeitung das Gefängnis in der Türkei verlassen. Yücel sei frei, schrieb die "Welt" am Freitag bei Twitter. Yücels Anwalt Veysel Ok twitterte ein Bild des Journalisten, auf dem er seine Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel umarmt.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, die Istanbuler Staatsanwaltschaft habe eine Anklageschrift vorgelegt, in der 18 Jahre Haft für den "Welt"-Korrespondenten gefordert werde. Das Gericht habe die Anklageschrift angenommen und Yücel dann aus der Untersuchungshaft entlassen.

"Ich freue mich sehr über diese Entscheidung der türkischen Justiz", sagte Gabriel. "Und noch mehr freue ich mich für Deniz Yücel und seine Familie. Das ist ein guter Tag für uns alle." Er danke der türkischen Regierung für die Unterstützung der Verfahrensbeschleunigung. Er habe in den letzten Monaten viele Gespräche mit ihr geführt. "Die Unabhängigkeit der Gerichtsentscheidung war immer zentrales Anliegen in allen Gesprächen", sagte Gabriel. "Umso mehr freut mich die heutige Entscheidung." Gabriel rechnet fest damit, dass der Journalist Deniz Yücel nach seiner Freilassung in der Türkei sehr bald das Land verlassen darf. Das sagte der Bundesaußenminister am Freitag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. 

Außenamtssprecher: Kein Deal mit der Türkei

Auf die Frage nach möglichen Gegenleistungen sagte der Außenamtssprecher: "Ich kann ausschließen, dass es einen Deal in irgendeiner Form gegeben hat." Die deutsche Seite habe ihre Freude ausgedrückt, "dass der Fall jetzt zu einem Abschluss gekommen ist und Herr Yücel freigelassen wurde". Auch Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte, es habe keine Gegenleistungen von deutscher Seite gegeben. "Wir begrüßen dass als wichtigen Schritt, auf den wir alle lange hingearbeitet haben."

Yücel war am 14. Februar 2017 wegen des Vorwurfs der "Terrorpropaganda" in der Türkei inhaftiert worden. Die Inhaftierung des "Welt"-Journalisten Deniz Yücel war der größte Streitpunkt zwischen Deutschland und der Türkei. Yücel war vor einem Jahr in der Türkei festgenommen worden. Anschließend wurde gegen den deutsch-türkischen Journalisten wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft verhängt.

Freilassung von Deniz Yücel kommt überraschend

Yildirim hatte kurz vor seinem Deutschlandbesuch in der ARD gesagt, dass er auf eine baldige Freilassung Yücels hoffe. Außenminister Sigmar Gabriel sagte bei einem Besuch in Belgrad: "Ich bin relativ optimistisch, dass wir doch jetzt bald zu einer Gerichtsentscheidung kommen." Der SPD-Politiker fügte an: "Und ich hoffe natürlich, dass die positiv für Deniz Yücel ausgeht." Das Treffen zwischen Yildirm und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag brachte zunächst anscheinend keine Bewegung in den Fall. Die schnelle Freilassung von Yücel kommt daher etwas überraschend.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ist seit Längerem angespannt. Neben der Inhaftierung deutscher Staatsbürger sorgen auch die reduzierten deutschen Rüstungsexporte, die deutsche Weigerung, aktuell über eine EU-Mitgliedschaft der Türkei zu verhandeln und die deutsche Duldung von PKK und Gülen-Bewegung für Missstimmung in der Türkei.

tkr DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker