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Schon seit April: Weiterer deutscher Staatsbürger in Türkei inhaftiert

Ein weiterer deutscher Staatsbürger sitzt offenbar schon seit Monaten in der Türkei in Haft. Laut einem Medienbericht handelt es sich um David B. aus Schwerin. Er sei auf einer Pilgerreise verhaftet worden.

Deutscher offenbar seit April in Türkei inhaftiert

Seit Recep Tayyip Erdogan in der Türkei an der Macht ist, ist das Verhältnis zu Deutschland zunehmend schlechter geworden - auch wegen zahlreicher inhaftierter deutscher Bürger. Nun wurde ein weiterer Fall bekannt.

Bereits im April soll ein deutscher Staatsbürger von türkischen Sicherheitsbehörden festgenommen worden sein, wie die "Bild am Sonntag" berichtet. Das Blatt zitiert (offenbar) eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes mit dem Satz: "Das Auswärtige Amt und die Botschaft in Ankara betreuen den Betroffenen konsularisch und sind in engem Kontakt mit dem zuständigen türkischen Stellen." Gegenüber dem stern heißt es aus dem Auswärtigen Amt, dass es eine Inhaftierung gegeben habe und diese konsularisch betreut werde. 

Laut der "Bild am Sonntag" handelt es sich um den 55-jährigen David B. aus Schwerin. Ende 2016 habe er beschlossen, aus Mecklenburg-Vorpommern nach Jerusalem zu pilgern. Er wollte auf seiner Reise auf Minderheiten und Verfolgte aufmerksam machen, hätten Freunde des Inhaftierten der "Bild am Sonntag" erklärt. Auf Durchreise in der Türkei sei es zu Problemen gekommen. Scheinbar glaubten die Behörden nicht, dass David B. ein Pilger sei, spekuliert das Blatt. Offenbar wurde der Mann im Rahmen einer Schiffsüberfahrt von der türkischen Küste nach Israel von der türkischen Polizei in Gewahrsam genommen. 

Aktuell sei David B. im Abschiebelager in Erzurum inhaftiert, wie die "Bild am Sonntag" berichtet. Über die Vorwürfe und die Umstände seiner scheinbar monatelangen Inhaftierung sei bisher nichts bekannt. Eine Inhaftierung aufgrund eines politischen Vergehens scheint allerdings unwahrscheinlich - der Fall wäre damit vermutlich deutlich früher an die Öffentlichkeit gelangt. 

Insgesamt 54 Deutsche in der Türkei inhaftiert

Wie die "Heilbronner Stimme" am Freitag berichtet hat, sollen derzeit ingesamt 54 deutsche Staatsbürger in der Türkei in Haft sein. Zehn wegen angeblicher politischer Vergehen. Die Zeitung beruft sich auf Informationen aus dem Auswärtigen Amt. Auch die Deutsche Presse-Agentur habe aus dem Ministerium von den Zahlen erfahren.

Die jüngsten Inhaftierungen der Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu Corlu sowie des Menschenrechtlers Peter Steudtner sind ein zentraler Konfliktpunkt in den angespannten Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei. Alle drei Beschuldigten sind wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft. "Welt"-Korrespondent Yücel, gegen den am 27. Februar Untersuchungshaft erlassen wurde, wird zudem Volksverhetzung vorgeworfen.

Die Erfolgsaussichten auf die Freilassung der Gefangenen stuft Außenminister Sigmar Gabriel derzeit als gering ein. "Die Chance ist nicht sehr groß, wenn man ehrlich ist", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung am Freitag.

fs/Mit Material der DPA