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Türkischer Präsident Gül kritisiert Pfiffe gegen Özil


Kurz vor dem Besuch von Christian Wulff in Ankara setzt der türkische Präsident Abdullah Gül auf Schmusekurs: Das Staatsoberhaupt kritisiert die Pfiffe der türkischen Fans gegen Mesut Özil beim Spiel gegen Deutschland. Seine Landsleute hierzulande rief er auf deutsch zu lernen, "und zwar fließend und ohne Akzent".

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hat Mesut Özils Entscheidung für die deutsche Nationalmannschaft befürwortet und die Pfiffe gegen den türkischstämmigen Profi kritisiert. "Das hätten sie nicht tun sollen", sagte Gül in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" über die Reaktionen der türkischen Fans im Berliner Olympiastadion beim EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen die Türkei (3:0) vor einer Woche.

Diese hatten den Profi von Real Madrid, der türkische Eltern hat und in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft spielt, in der Partie am 8. Oktober bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Gül nannte den in Gelsenkirchen geborenen Özil "ein sehr gelungenes Beispiel für Integration" und einen "Beitrag zur deutsch-türkischen Freundschaft".

Deutsch lernen, "und zwar fließend und ohne Akzent"

Özils Entscheidung für die DFB-Elf und gegen die türkische Nationalmannschaft kann Gül nachvollziehen. Wenn 22 Jahre alte Mittelfeldspieler ihn gefragt hätte, für welches Land er antreten solle, "hätte ich ihn ermutigt, im deutschen Team zu spielen", sagte Gül. "Ich unterstütze ihn uneingeschränkt."

Gleichzeitig rief Gül seine Landsleute in Deutschland auf, Teil der Gesellschaft zu werden. Sie sollten Deutsch lernen, "und zwar fließend und ohne Akzent", verlangte Gül in der Zeitung". Die Integration müsse schon im Kindergarten beginnen, bereits dort müssten türkische Kinder Deutsch lernen.

Gül lobt Wulff vor dessen Besuch in Ankara

Gelassen reagierte Gül auf die Debatte über zunehmende antiislamische Stimmungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Antisemitismus, Islamophobie oder Rassismus seien wie eine Krankheit, die von Zeit zu Zeit ausbreche, sagte er. Dies gelte unabhängig von Bildung oder Wohlstand einer Gesellschaft. Er forderte die Politiker und Intellektuellen in den betroffenen Ländern auf, etwas dagegen zu tun.

Der türkische Staatspräsident begrüßte in diesem Zusammenhang die - in Deutschland umstrittene - Äußerung von Bundespräsident Christian Wulff, der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland. Er glaube aber, dass der Bundespräsident in Deutschland missverstanden worden sei, sagte Gül, der Wulff am Dienstag in Ankara empfängt. "Christian Wulff hat doch nur die Tatsache benannt, dass es deutsche Bürger gibt, die Muslime sind, ebenso wie türkische Muslime in Deutschland."

"Nun haben beide Länder die Probleme damit"

Wulff besucht von Montag an für fünf Tage die Türkei. Dabei will er am Dienstag auch vor dem türkischen Parlament sprechen. Die Rede wird angesichts der hitzigen Integrationsdebatte in Deutschland mit großer Spannung erwartet.

Gül räumte ein, bei der Integration seien in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden. Sowohl die deutsche als auch die türkische Seite hätten es versäumt, den Betroffenen zur Seite zu stehen, sagte er. "Nun haben unsere beiden Länder die Probleme damit."

be/DPA DPA

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