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TV-Debatte: Schlagabtausch der Stellvertreter

Nach der ersten TV-Debatte zwischen Bush und Kerry herrschte bei den Republikanern Alarmstufe Rot. In Ohio schlug nun die Stunde ihrer Stellvertreter. Ein Strahlemann traf auf den Fürsten der Finsternis.

Von Katja Gloger, Washington

Es stand eine Menge auf dem Spiel gestern Abend. Denn wer mag schon Verlierer. Verlierer wie George W. Bush. Die erste TV-Debatte mit seinem Herausforderer John F. Kerry vergangenen Donnerstag war gerade wenige Minuten Ende, da begann der Sturm der Kommentare, Analysen und Spekulationen.

Denn was hatte der amtierende Präsident, der volkstümelnde Junge aus Texas, nicht alles falsch gemacht. Was hatte er Bush über das Desaster seiner Irak-Politik gesagt? "Es ist harte Arbeit" - das aber gleich 22 Mal hintereinander. Die sture Wiederholung seiner Botschaft – sonst sein effektivstes Mittel im Wahlkampf und bei Experten als "Methode kaputte Schallplatte" bekannt – diese Methode zur Mobilisierung seiner Wähler hatte ausgerechnet am vergangenen Donnerstag nicht funktioniert. Und warum? Der Marketing-Experte Daniel Hill wusste nach einer computergesteuerten Analyse 43 präsidialer Gesichtsmuskeln eine Antwort: "Bush hatte eben diesen bitteren Gesichtsausdruck. Immer, wenn Kerry seine Fehler im Irak kritisierte, gingen beide Mundwinkel nach unten - als ob er was Schlechtes gegessen hätte. "

"Bush klang wie ein Vater"

Noch Schlimmeres meldete der Sprechtrainer Nicholas Bootman: "Bush klang entweder wie ein Vater, der versucht, einem neunjährigen Kind etwas klarzumachen oder aber wie Teenager, der verzweifelt versucht, seinem Schuldirektor etwas zu erklären. Seine Körpersprache drückte Irritation und Angst aus. Aber andererseits - wahrscheinlich gibt es eine ganze Menge irritierter und ängstlicher Wähler da draußen."

Am vergangenen Donnerstag herrschte bei den Republikanern Alarmstufe Rot: schließlich sollen wegen solcher Winzigkeiten während der Fernsehduelle schon Wahlen verloren worden sein. So wie damals bei George Bush senior – dessen Stunde beim Wähler schlug, als er während der TV- Debatte mit Herausforderer Bill Clinton 1992 zweimal ungeduldig auf die Uhr schaute. Und hatte sich der Demokrat Al Gore vor vier Jahren in der Debatte mit George W. Bush nicht unmöglich gemacht, als er ständig alles besser wusste und dann auch noch gähnte?

Die vergangenen fünf Tage waren wunderbare Tage für die Demokraten. Herausforderer Kerry hatte es geschafft, klar auf Fragen zu antworten. "Ich habe bewiesen, dass ich wirklich Sätze zustande bringe, die kürzer als 15 Wort sind", erklärte er vor jubelnden Anhängern. Und er bewahrte immer die Fassung. Blieb ganz kühler Gentleman, während Bush herummeckerte, und lächelte sein Fernsehlächeln. Roger Simon, Chef-Korrespondent des Magazins "US News and the World Report" entzückte sich gar: "Das war Kerrys bester Auftritt. Es war wie beim Voodoo!"

Bitterböse Kommentare

Wahlkampf in Amerika, 2004. Die Debatten sind nur ein winziges Rädchen in der gigantischen Propaganda-Maschinerie. Längst ist das Polit-Marketing danach ebenso wichtig - wenn nicht wichtiger. Es gilt, die Lufthoheit über die Schlagzeilen und Kommentare zu erobern. Denn alle wissen: In den Tagen nach den Debatten werden die Wähler mit Meinungsumfragen und den immer gleichen Redeausschnitten überschwemmt. Im wichtigen Wahlkampf-Medium Internet regieren die "Blogger", Verfasser angeblich persönlicher Tagebücher. Mehr als zwei Millionen Amerikaner haben ihren eigenen "web log" im Netz – kaum jemand liest sie. In diesem Jahr aber haben die Parteien die Macht der Blogger entdeckt, jene Polit-Junkies mit chronischem Schlafdefizit, die jede Äußerung des "feindlichen" Kandidaten sofort auseinander nehmen. Bitterböse die Kommentare, wen kümmert's schon, was wahr ist und was eine Lüge.

So drängelten sich nur wenige Minuten nach Ende der ersten Debatte am vergangenen Donnerstag PR-Experten, Wahlkampfstrategen und Berater im "spin-room", jenem überfüllten Saal, in dem die meisten Journalisten den ersten präsidialen Schlagabtausch beobachtet hatten. Assistenten trugen überdimensional große Namensschilder hinter den Polit-VIPs durch den Saal – damit die TV-Kameras im Getümmel auch rasch den Weg zu ihnen finden: allein 32 "spindoctors", Künstler der Polit-Manipulation, sollten am vergangenen Donnerstag Stimmung für Bush machen. So richtig gelang es ihnen nicht.

Es waren wunderbare Tage für die Demokraten. Auf ihrer Website präsentierten sie eine süffisante Dia-Show samt Web-Video "Faces of Frustration": Bush live. Beleidigt, meckerig, schmale Lippen, zorngekräuselte Stirn, dümmlicher Blick – da sitzt ein Präsident, der keine Kritik vertragen kann, suggerierten die Fotos. Einer, der seine eigene Sturheit offenbar mit Konsequenz verwechselt. Eine Sturheit, die das Land ins Verderben führt.

Nach den jüngsten Meinungsumfragen liegt Bush zwar immer noch von Kerry. Aber sein Vorsprung hat dramatisch abgenommen. Doch gestern Abend sollte ausgerechnet ein eiskalter Polit-Ideologe seinem Chef aus der Patsche helfen. Denn gestern Abend schlug in der Case Western Reserve University zu Cleveland im hart umkämpften "Schlachtfeld-Staat" Ohio die Stunde der Stellvertreter.

Jurist gegen Politologe

Ein Strahlemann mit Zahnpasta-Lächeln gegen den Fürst der Finsternis. Ein erfolgreicher Jurist, spezialisiert auf millionenschwere Schadensersatzklagen wegen ärztlicher Kunstfehler gegen einen studierten Politologen, der die hässliche Seite des "big business" symbolisiert wie kaum ein Anderer. Ein politischer Newcomer gegen einen, der schon mal Stabschef im Weißen Haus und im ersten US-Krieg gegen den Irak 1991 Verteidigungsminister war und außerdem jahrelang der Boss von Halliburton, jener ursprünglich auf Öl spezialisierten Firma, die jetzt sehr, sehr viel Geld im Irak verdient. Es war das Duell John Edwards, 51, Sohn eines Stahlarbeiters aus North Carolina gegen Richard Cheney, 63, den einflussreichsten Vizepräsidenten aller Zeiten.

John Edwards, Sohne eines Stahlarbeiters aus North Carolina, war das erste Kind seiner Familie, der das College besuchen konnte. Edwards machte Karriere als Rechtsanwalt, spezialisierte sich auf Schadensersatzprozesse. Er erkämpfte seinen Mandaten insgesamt 205 Millionen Dollar – auch für ein fünfjähriges Mädchen, das sich an der Abflussanlage eines Swimming Pools schwer verletzt hatte. Und wurde dabei so reich, dass er die sechs Millionen Dollar für seinen Wahlkampf um das Amt eines Senators aus der eigenen Tasche bezahlte. Edwards, heißt es, verstehe die Nöte der Arbeiter, ihre Angst vor der Arbeitslosigkeit, spreche ihre Sprache. Er verstehe die Frauen, die Wechselwählerinnen, die Wohlstand und Sicherheit für ihre Familien fordern. Dafür hatte Kerry seinen ehemaligen Konkurrenten um die Präsidentschaftskandidatur geholt.

Sein Gegenspieler: Richard Cheney, kühler, wortkarger Strippenzieher, der schon drei Herzinfarkte überlebte; ein passionierter Angler notorischer Aktenfresser, der sich noch die kleinste Zahl merkt. Ein stockkonservativer Ideologe mit lesbischer Tochter, über die er voller Verständnis spricht. Einer, der nie wirklich seine Meinung sagt - es aber perfekt versteht, Menschen gegeneinander auszuspielen. Der seinen Einfluss auf den Präsidenten im persönlichen Gespräch unter vier Augen walten lässt. Dieser Richard Cheney spielte nach allem, was man weiß, eine entscheidende Rolle bei der verhängnisvollen Entscheidung, den Irak-Krieg anzuzetteln.

Da saßen sie gestern Abend auf rotem Teppich vor blauem Hintergrund, schwarzer Anzug und leuchtend rote Krawatte der eine (Cheney), grauer Anzug, weinrote Krawatte der andere (Edwards). Dieser Richard Cheney hatte alle Zahlen im Kopf, hatte seine Botschaften für die Schlagzeilen der nächsten Tage präzise formuliert. Ruhig, fast monoton, die Hände faltend, manchmal etwas atemlos, aber konzentriert verteidigte er den Krieg im Irak: "Wir werden Erfolg haben." Bezichtigte die Demokraten erneut, wankelmütig zu sein: "Sie waren für den Krieg, als die Umfragen dafür waren. Sie waren dagegen, als die Umfragen dagegen waren."

"Man nannte Sie schon Senator-ist-niemals-da"

In einem seiner stärksten Momente zählte er auf, wie oft Senator Edwards abwesend war, als es um Gesetzes-Abstimmungen ging: "Man nannte Sie schon Senator-ist-niemals-da. Und wissen Sie, wann ich Sie das erste Mal persönlich getroffen habe? Heute Abend, als Sie diese Bühne betraten." (Unwichtig dabei, dass sich Cheney bei seinen wöchentlichen Besuchen im Senat fast ausschließlich mit republikanischen Senatoren trifft). "Er war wie ein Schuldirektor, der die absolute Autorität in seiner Schule hat" meinte einer der TV-Kommentatoren, "Einem wie ihm kann man nichts mehr vormachen." Zweimal verzichtete Cheney sogar auf zugestandene Redezeit – einer wie er, signalisierte er, redet nicht, wenn er nicht reden will. Seinen Chef George W. Bush erwähnte er kaum.

Wie gegen eine Festung rannte John Edwards gegen diesen Mann an. Versuchte es mit den zweifelhaften 7,5-Milliardenaufträgen für die Firma Halliburton, deren Chef Cheney jahrelang war. Ereiferte sich über Warlords und Heroinproduktion in Afghanistan, über die Lage im Irak. Machte seinen Punkt. "Es gibt keine Verbindung zwischen al Qaida und Saddam Hussein." Hastete durch explodierende Gesundheitskosten, trauerte über Millionen verlorene Jobs und kritisierte Steuererleichterungen für Reiche: "Diese Administration ist die erste seit 70 Jahren, die keine neuen Arbeitsplätze geschaffen hat. Und die Millionäre, die an ihrem Swimming Pool sitzen und ihre Dividenden zählen, zahlen heute weniger Steuern als die Soldaten im Irak. Wir sagen die Wahrheit." 5 mal erwähnte Edwards den Irak, 13 Mal versprach er: "Wir haben einen Plan", ließ dazu die Augen ungeduldig funkeln, knisterte laut mit seinen gelben Notizzetteln, trank aus seinem blauen Becher, leckte sich die Lippen – er wollte dynamisch sein, kam aber etwa zu geschäftig daher. Wie einer, der sich heimlich wundert, dass er Vizepräsident der Vereinigten Staaten werden könnte.

Doch immerhin, der politische Neuling gab nicht auf. Bestand auf der Wahrheit über den Irak, verteidigte glaubwürdig seine Arbeit als Anwalt für Schadensersatzklagen, ließ sich einfach nicht beeindrucken von Cheneys Zahlenschwall. "Weitere vier Jahre dieser Administration kann sich das Land einfach nicht mehr erlauben." Und so erfüllten beide Vize-Kandidaten ihren Zweck: sie stellten ihre eigenen Wähler zufrieden. Denn die müssen mobilisiert werden bis zuletzt.

Rohstoff für den "spin"

Jetzt naht die Entscheidung: am Donnerstag treffen Gorge Bush und John Kerry zum zweiten Mal aufeinander. In einem "townhall meeting", einer Bürgerversammlung, stellen sie sich in St. Louis den Fragen ihrer Wähler. Und beide Kandidaten wissen, sie müssen eine verdammt gute Figur machen morgen Abend in St. Louis. Müssen gute Schlagzeilen liefern. Rohstoff für den "spin", für Kommentare, Talk-Shows, Websites und "sound bites", jene kurzen Statements, die dann tagelang über die Fernsehsender gejagt werden.

Denn da draußen im Land gibt es noch Viel zu holen: Noch nie haben sich in den USA so viele Neuwähler registrieren lassen wie in diesem Wahljahr.

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.