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Ukraine-Krieg Der Strandbesucher und das Kriegsgerät: Wie ein Schnappschuss russische Luftabwehrstellungen verriet

Tourist Luftabwehr Krim
Luftabwehr am Badesee: Mit diesem Bild ließ sich die Position von russischem Kriegsgerät herausfinden. 
© Screenshot/Svoboda.org / stern
Etwas Software und ein Erinnerungsfoto – mehr braucht es manchmal nicht, um geheimes Kriegswissen aufzuspüren. So hatte ein russischer Badegast auf der Krim unfreiwillig die Position der Luftabwehr verraten. 

Ein Mann, braungebrannt, steht an einer Stranddüne und winkt in die Kamera. Im Hintergrund zu sehen, und wohl der Grund für dieses Foto: imposantes Militärgerät in Tarnfleck. Ende Juli wurde das Bild beim sozialen Netzwerk VKontakte hochgeladen. Etwas später stößt der Schweizer Hobbyanalyst Benjamin Pittet auf die öffentlich zugängliche Aufnahme und stellt fest: sie stammt vom Terekly-See in der Nähe des Dorfes Molochne auf der Krim. Der Lastwagen befördert das russische S-400-Luftverteidigungssystem. Aus diesem Gebiet wurden ab Mitte August ein Einsatz der russischen Luftverteidigung gemeldet.

Ukraine bedankt sich bei russischem Touristen

"Vielleicht waren wir zu hart gegenüber russischen Touristen … manchmal können sie sehr hilfreich sein. Wie dieser Mann, der ein Bild einer Luftabwehrstellung auf der besetzten Krim gemacht hat. Vielen Dank und weiter so", lästerte jetzt das ukrainische Verteidigungsministerium auf Twitter über die unfreiwillige Hilfe des unbekannten "Spions". Denn mit Hilfe der Bild-Geokoordinaten sowie öffentlich zugänglichen Satellitenbildern konnte nicht nur Benjamin Pittet die genaue Position der Abwehrgeschosse herausfinden.

In den letzten Wochen hatten mehrere Explosionen die von Russland besetzte Krim erschüttert. Auch russische Militäreinrichtungen dort waren betroffen. Jüngst machten Bilder die Runde, auf denen Krim-Strandbesucher zu sehen waren, die vor offenkundigen Explosionen in der Nähe flüchteten. Ob auch andere Touristen durch Unvorsichtigkeit russische Militärstellungen verraten haben, ist unklar. Allerdings hatte der Verwaltungschef von Sewastopol die Menschen vor Ort jüngst ausdrücklich darum gebeten, "weniger Fotos zu machen und Videos von Luftabwehrsystemen hochzuladen."

An solche Informationen zu gelangen, ist mittlerweile nicht mehr nur Geheimdiensten vorbehalten. Mit Hilfe von Open Source Intelligence (Osint) sind weltweit tausende Menschen ebenfalls damit beschäftigt. Sie werten mit ebenfalls öffentlich zugänglicher Software zum Beispiel Bilder aus, verifizieren sie und erstellen auf diese Weise nicht nur Lagebilder von Militärstellungen, sondern entlarven auch Propaganda und Fake-News der Kriegsparteien. Der Schweizer Benjamin Pittet, 22 und Bauzeichner, sagt: "Für diese Arbeit reicht ein Laptop, ein Handy – und schlechtes WLAN", wie er der "Neuen Zürcher Zeitung" sagte.

Quellen: Yahoo NewsTelegram, "Neue Zürcher Zeitung", Ukrainisches Verteidigungsministerium auf Twitter

Ohne aktive Schutzsysteme haben Panzer keine Chance mehr.

Sehen Sie im Video: Russland hat ein gigantisches Arsenal alter Sowjet-Waffen – und setzt die im Ukraine-Krieg in hoher Stückzahl ein. Hat Russland zu wenig moderne Waffen? Oder steckt dahinter Taktik? stern-Militärexperte Gernot Kramper erklärt, was hinter dem Einsatz steckt. Außerdem geht es um die angekündigte Cherson-Offensive der Ukraine.

nik

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