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Podcast "Ukraine – die Lage" Militärexperte Carlo Masala: Russlands Annexion verbaut den Weg zur Verhandlungslösung

Menschen in Moskau demonstrieren für Annexion ukrainischer Gebiete
"Wir lassen die Unseren nicht im Stich", so das Motto der Demonstranten vergangene Woche in Moskau. Als "paradoxe Situation" bezeichnete es Masala, dass in Moskau der Anschluss der Regionen gefeiert werde, während gleichzeitig in diesen Gebieten die ukrainische Armee vorrücke.
© Alexander Zemlianichenko / AP / DPA
Nach der Annexion der östlichen Gebiete der Ukraine durch Russland sieht der Militärexperte Carlo Masala kaum noch Chancen, zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts zu kommen. 

Nach der Annexion der östlichen Gebiete der Ukraine durch Russland sieht der Militärexperte Carlo Masala kaum noch Chancen, zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts zu kommen. Masala sagte am Freitag im stern-Podcast "Ukraine – die Lage", der russische Präsident Wladimir Putin binde mit seiner Entscheidung auch noch seine Nachfolger. Nach der russischen Verfassung sei es praktisch unmöglich, eigenes Staatsgebiet – und dazu würden die Gebiete ja nun erklärt – wegzugeben. Aus russischer Perspektive ändere sich damit die Logik des Krieges. Die Kämpfe in den annektierten Gebieten seien aus dieser Sicht nun Kämpfe auf russischem Gebiet. Putin verbaue damit die Möglichkeit von Verhandlungslösungen, die etwas anderes vorsähen als die russische Kontrolle über die Regionen. "Damit gerät Putin in eine Kriegslogik, die es rechtfertigen würde, noch stärker mit dem Einsatz nuklearer Waffen zu drohen", sagte der Professor der Bundeswehruniversität München.

Tausende russische Soldaten eingekesselt

Als "paradoxe Situation" bezeichnete es Masala, dass in Moskau der Anschluss der Regionen gefeiert werde, während gleichzeitig in diesen Gebieten die ukrainische Armee vorrücke. In Lyman hätten es die Ukrainer geschafft, die russischen Streitkräfte beziehungsweise deren Hilfstruppen aus Luhansk einzukesseln. "Wir reden da über eine Größenordnung von 2000 bis 3000 Mann, die völlig abgeschnitten sind", sagte er. Lyman sei ein wichtiger strategischer Knotenpunkt, dessen Einnahme es den Ukrainern ermöglichen würde, noch andere russische Einheiten von der Versorgung abzuschneiden. "Putin verliert einen Teil der Gebiete, die er heute als russisch deklariert, an die Ukraine."

Sabotage der Nord-Stream-Pipelines: "Wir sind da als offene Gesellschaft verwundbar"

Mit Blick auf die Sabotageakte gegen die Gaspipelines in der Ostsee sagte Masala, eigentlich ergebe die Zerstörung durch Russland keinen Sinn. Als Möglichkeit brachte er aber ins Spiel, dass Russland zeigen wolle, "wir können Teile eurer kritischen Infrastruktur zerstören – und zwar in Gewässern, von denen ihr geglaubt habt, dass ihr sie einigermaßen kontrolliert". Wenn die Anschläge wirklich Teil einer hybriden Kriegsführung durch Russland seien, "eröffnet sich eine neue Dimension". Dann stelle sich die Frage, welche Möglichkeiten Russland habe, gegen kritische Infrastruktur vorzugehen. "Wir sind da als offene Gesellschaft verwundbar", sagte er. Masala zeigte sich aber wenig zuversichtlich, dass die Urheberschaft der Sabotageakte eindeutig geklärt werden könne.

yks

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