HOME

Umbruch in Libyen, Ägypten und Tunesien: Arabischer Spott gegen die Despoten

Erst rebellierte das Volk. Jetzt werden die arabischen Herrscher zur Zielscheibe für den Spott der arabischen Karikaturisten, Komiker und Satiriker. Diese haben nach Jahrzehnten der Zensur viel nachzuholen.

Im Januar wurde der tunesische Präsident Zine el Abidine Ben Ali gestürzt, im Februar folgte der Ägypter Husni Mubarak. Im März wankt der Thron von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi, und auch der jemenitische Präsident Ali Abdullah Salih ist schon angezählt. Gemäß dem Sprichwort "Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen", fällt jetzt auch die arabische Comedy- und Karikatur-Szene ohne Erbarmen über die bedrängten arabischen Herrscher und entthronten Machthaber her.

Kult-Status hat inzwischen der von einem Israeli mit tunesischen Wurzeln gemixte Song "Zenga, Zenga" erreicht. Noi Alusch nimmt darin eine wütende Gaddafi-Rede aufs Korn, in der der libysche Staatschef geschworen hatte, bis zum letzten Mann zu kämpfen - und zwar "Haus für Haus und Gasse für Gasse" (arabisch: "Beit, Beit, Dar, Dar, Zenga, Zenga").

Auch die Zahl der Gaddafi-Imitatoren nimmt zu. So tritt etwa der tunesische Komiker Abdulkader Mahmudi in einem lässig drapierten grünen Gewand à la Gaddafi auf und faselt wirres Zeug: "Die Armen müssen untereinander heiraten, so wie auch die Mücken bei den Mücken bleiben."

Auch ein anderer Gaddafi-Imitator, der mit Brille und Zottelperücke auftritt, treibt Arabern Lachtränen in die Augen, wenn er im typischen Gaddafi-Tonfall erklärt: "Ben Ali hat in seiner letzten Rede gesagt: "Ich habe euch verstanden und man hat mir Unrecht getan." Ich aber kann das nicht zum libyschen Volk sagen, denn erstens hat mir keiner Unrecht getan, sondern ich habe die Fehler alle selbst begangen. Und außerdem kann ich auch nicht sagen, dass ich euch verstanden hätte, denn ehrlich gesagt, habe ich euch nicht verstanden."

Ben Ali, der nicht sonderlich wortgewandte Ex-Präsident von Tunesien, bietet ohnehin großen Anlass zur Heiterkeit. Direkt nach seiner Flucht nach Saudi-Arabien tauchte ein Zeichentrick-Video auf, das ihn im Flugzeug zeigt. Verzweifelt telefoniert er mit mehreren vermeintlichen Freunden in aller Welt. Doch keiner will ihn aufnehmen.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy zeigt ihm ebenso die kalte Schulter wie Gaddafi und der italienische Ministerpräsident Silvia Berlusconi, der nach Auskunft einer Sprecherin gerade mit dem Betrachten von Pornos beschäftigt ist. Auch US-Präsident Barack Obama und Mubarak, der damals noch im Amt war, erteilen ihm keine Landeerlaubnis, so dass Ben Ali schließlich nichts anderes übrigbleibt, als die Gastfreundschaft des saudischen Königs Abdullah in Anspruch zu nehmen.

In einem anderen Spott-Video ist Ben Ali als Rapper im Jogginganzug mit dicker Goldkette zu sehen. Er singt über seine Ehefrau Leila al-Trabulsi, die "Friseurin" und mäht dabei den Rasen vor seinem Haus im Exil.

Etwas abgenutzt haben sich inzwischen Karikaturen, die Arabiens Herrscher in Form von Dominosteinen zeigen, die - einer nach dem anderen - umstürzen. Etwas subtiler, aber in die gleiche Richtung zielt eine arabische Karikatur, die Mubarak und Ben Ali beim Rauchen einer Wasserpfeife am Strand in Saudi-Arabien zeigt.

Ben Ali sagt zu Mubarak: "Ich habe langsam die Nase voll von diesem ewigen Wasserpfeife rauchen." Mubarak antwortet: "Habe noch ein wenig Geduld. Das Kat (Kaudroge, die im Jemen verbreitet ist) und die halluzinogenen Pillen (von denen Gaddafi behauptet, Terroristen verabreichten sie der libyschen Jugend, um sie zum Kampf gegen sein Regime zu motivieren) sind schon auf dem Weg hierher."

Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ist inzwischen Zielscheibe für Spott. Etwas zurückhaltender gehen die arabischen Komiker und Karikaturisten bislang nur mit den Herrschern der Golf-Monarchien um, in denen sich auch mehr oder weniger lauter Protest regt. Wirklich böse Satire und Spott über den greisen König Abdullah von Saudi-Arabien, den König von Bahrain oder den Sultan von Oman gibt es kaum.

Anne-Beatrice Clasmann, Dpa / DPA